Der Unternehmer-Dachverband Economiesuisse senkt seine Wachstumsprognosen für das aktuelle sowie das nächste Jahr. So werde die Schweizer Wirtschaft 2015 lediglich 1,6 Prozent wachsen, im laufenden Jahr um 1,8 Prozent. Vorher hiess es noch, dieses Jahr bringe 2,3 Prozent Wirtschaftswachstum und das nächste 2,0 Prozent. Economiesuisse passt seine Prognose also deutlich nach unten an.

«Den Wachstumshöhepunkt haben wir überschritten», erklärt der Chefökonom Rudolf Minsch anlässlich der Medienkonferenz. «Wir haben aber immer noch Wachstum», fügt er an. Hauptfaktoren dafür seien der private Konsum sowie die Exporte. Die langjährige Lokomotive Bauwirtschaft zieht hingegen nicht mehr so stark wie in früheren Jahren: Für das kommende Jahr rechnet Economiesuiesse gar mit einem negativen Wachstum des Baugewerbes.

Schwache Nachbarn

Die Schweizer Wirtschaft leidet zudem unter der Schwäche der Nachbarländer, allen voran Italien und Frankreich, deren Bruttoinlandprodukt sich seit der Finanzkrise nicht mehr erholt hat. «15 Prozent der Schweizer Warenexporte gehen nach Italien oder Frankreich», sagt Minsch.

Italien steckt noch immer in der Rezession. Die drittgrösste Volkswirtschaft des Euroraums schrumpfte im dritten Quartal um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Und bereits im Vorquartal war die italienische Wirtschaft um 0,2 Prozent geschrumpft.

Frankreich ist in den Monaten Juli bis September zwar wieder um 0,3 Prozent zum Vorquartal gewachsen. Nach Einschätzung von Experten belasten weiter ein schwacher Konsum und rückläufige Investitionen die konjunkturelle Entwicklung in Frankreich.

Gute Perspektiven in den USA

Trotzdem könne die Schweizer Exportwirtschaft wachsen, sagt Minsch. «Das Portfolio ist breiter als anderswo. Die Schweiz profitiert von den Wachstumsmärkten Asien und USA.»

Insbesondere die Uhrenindustrie sowie die Medizinaltechnik werden Treiber der Schweizer Exportwirtschaft bleiben. Deswegen werde die Arbeitslosenquote hierzulande auch nur gering ansteigen, statt wie im Euroraum zu explodieren: um 0,1 Prozent im laufenden Jahr und um 0,3 Prozent im Jahr 2015.

Zinsumfeld bleibt niedrig

Was das Zinsumfeld angeht, rechnet Economiesuisse nicht mit einer Erhöhung der Zinsen durch die SNB. Nur für die USA geht der Verband von einer leichten Zinserhöhung in der zweiten Jahreshälfte 2015 aus. «Die US-Notenbank wird testen, wie dies aufgenommen werden wird.»

Für die Schweizer Nationalbank sei eine Zinserhöhung im nächsten Jahr nicht möglich, solange die strukturellen Probleme im Euroraum anhalten und die Europäische Zentralbank den Markt mit Geld flutet. «Ich hoffe auf eine Normalisierung 2016», sagte der Chefökonom. Dennoch hält er eine wirtschaftliche Negativspirale in Europa für möglich.

Erleichterung wegen Ecopop-Nein

Trotz der nicht allzu rosigen Aussichten für die Schweizer Wirtschaft dominiert bei Economiesuisse die Erleichterung über den Abstimmungssonntag. «Die Ecopop- und die Gold-Initiative hatten hohes Schadenpotenzial», betonte Minsch noch einmal. «Eine Annahme der Goldinitiative wäre desaströs gewesen.»

 

 

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