Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Wachstumsprognose für Russland drastisch gesenkt. Die russische Wirtschaft werde 2015 voraussichtlich nur um 0,5 Prozent zulegen, sagte der oberste IWF-Vertreter in Russland, Antonio Spilimbergo, am Mittwoch.

In einer früheren Prognose hatte der IWF Russland noch ein doppelt so starkes Wachstum vorausgesagt. Geopolitische Unsicherheiten würden auf die russische Wirtschaft durchschlagen, hiess es nun. Zudem sei die Zentralbank gefordert, ihre Geldpolitik weiter zu straffen, um die Inflation im Zaum zu halten.

Sanktionen belasten die Märkte

Wegen der russischen Rolle im Ukraine-Konflikt hat der Westen gegen das Land Sanktionen verhängt, die in den vergangenen Monaten den Aktienmarkt des Schwellenlandes belasteten und zu einem Kursverfall des Rubels führten.

Gefährlich könnte für Russland auch ein weiterer Preiszerfall beim Öl sein: Das Öl- und Gasgeschäft macht rund die Hälfte der Staatseinnahmen in dem rohstoffreichen Schwellenland aus. Die Regierung geht bei ihren Haushaltsplanungen von einem Ölpreis von 100 Dollar aus.

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Russische Notenbank mit Notfallplan

Die russische Zentralbank rüstet sich deshalb auch mit einem Notfallplan für einen Einbruch des Ölpreises. Die Nachrichtenagentur Interfax zitierte die Erste Vizechefin der Notenbank, Xenia Judajewa, am Mittwoch mit den Worten, die Währungshüter arbeiteten an einem «Stress-Szenario». Es sehe Notmassnahmen für den Fall vor, dass der Ölpreis auf 60 Dollar pro Fass falle.

Laut Experten droht Russland bei einem Preissturz um ein Drittel eine tiefe Rezession. Die in Russland hauptsächlich geförderte Sorte hat sich jedoch bereits auf rund 92 Dollar verbilligt.

(reuters/sda/ise/gku)