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Staatskrise
Währung der Ukraine auf Talfahrt

Ukrainische Flagge vor Sowjet-Monument: Das geplagte Land kämpft mit Turbulenzen.   Keystone

Parallel zum Rubel-Absturz steht auch die Währung der Ukraine stark unter Druck. Das Land hat ohnehin Kapitalbedarf in Milliardenhöhe. Wegen des Währungsverfalls kommt es zu Hamsterkäufen.

Veröffentlicht am 17.12.2014

Massiver Kapitalabfluss und der Kampf gegen Separatisten haben die ukrainische Landeswährung Griwna weiter auf Talfahrt geschickt. Die Zentralbank in Kiew legte den Kurs am Mittwoch auf 19,78 Griwna zum Euro und 15,77 Griwna zum Dollar fest. Vor einem Jahr hatte der Kurs noch bei etwa 10 Griwna für 1 Euro gelegen.

Seit Tagen gebe es einen Ansturm von Kunden etwa auf Geschäfte, die Elektrogeräte verkaufen, wie Medien aus der krisengeschüttelten Ex-Sowjetrepublik berichteten. Viele Ukrainer haben vor Jahren Darlehen für Wohnungs- und Autokäufe in Westwährung aufgenommen, die sie nun nicht mehr bedienen können. Die Ukraine ist eng verbunden mit Russland. Der dortige Rubel-Absturz in den letzten Tagen berührt auch sie.

Budget der EU-Kommission zu knapp

Das Land ist ausserdem stark abhängig von Krediten des Internationalen Währungsfonds (IWF). Es benötigt nach Schätzungen des IWFs weitere 15 Milliarden Dollar, um ihre Wirtschaftskrise zu überstehen. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker erklärte am Mittwoch im Europäischen Parlament, die Ukraine werde die EU wohl um weitere zwei Milliarden Euro bitten. Um das Geld aufzubringen, müssten allerdings die Mitgliedstaaten einspringen, da das Budget der EU-Kommission nicht ausreiche.

Die Kommission habe ohnehin nur einen kleinen Spielraum für zusätzliche Finanzhilfen im kommenden Jahr, sagte Juncker. «Wenn wir diesen Spielraum komplett für die Ukraine aufbrauchen, bleibt uns nichts, um auf andere Krisen reagieren zu können, die in den kommenden zwei Jahren auf uns zukommen könnten.»

Deutschland hält sich zurück

Die deutsche Regierung dämpfte Erwartungen auf einen raschen Nachschlag. Regierungssprecher Steffen Seibert verwies darauf, dass die EU-Kommission im kommenden Jahr eine Geberkonferenz für die Ukraine organisieren wolle. «Generell besteht - nicht in Europa und auch nicht Berlin - kein Zweifel daran, dass die EU die Ukraine weiter unterstützen wird bei ihren Bemühungen, sich wirtschaftlich zu stabilisieren.« Deutschland sei schon jetzt einer der grössten Geber für das Land. «Für uns ist das IWF-Programm der Rahmen und Bezugspunkt.» Es sei verfrüht, über Finanzlücken oder -beiträge zu sprechen.

In den vergangenen zwei Monaten hat die EU der Ukraine nach den Worten Junckers 760 Millionen Euro an Langfristkrediten gewährt, zusätzlich zu den 600 Millionen Euro, die bereits im Sommer flossen. Juncker sagte, die Gemeinschaft könnte Anfang 2015 weitere 250 Millionen Euro nachschiessen, wenn die Ukraine die Bedingungen erfülle.

(reuters/awp/me)

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