1. Home
  2. Konjunktur
  3. Währungsschock hat vorerst keinen Einfluss auf Rating

Bonität
Währungsschock hat vorerst keinen Einfluss auf Rating

Stellensuchender: Die Zukunft bringt wohl mehr Arbeitslose. Keystone

Standard&Poor's lässt das Kreditrating nach dem SNB-Coup unangetastet. Die US-Ratingagentur warnt aber vor negativen Folgen für die Wirtschaft. Und damit ist sie bei weitem nicht die einzige.

Veröffentlicht am 15.01.2015

Die Ratingagentur Standard&Poor's belässt die Einschätzung für die Schweiz nach dem SNB-Entscheid, den Mindestkurs des Euro zum Franken aufzuheben und die Negativzinsen zu erhöhen, unverändert auf «AAA» mit einem stabilen Ausblick. Das Kurzfristrating lautet weiterhin «A-1+».

Der Entscheid der SNB habe keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Kreditwürdigkeit der Schweiz, schreibt die Agentur in einer am Donnerstagabend veröffentlichten Mitteilung.

Wirtschaft wird sich abschwächen

Allerdings könne der mit dem SNB-Entscheid erstarkte Schweizer Franken in den kommenden zwei bis drei Jahren die Entwicklung der Schweizer Exporte dämpfen und so das Wirtschaftswachstum abschwächen, warnen die S&P-Experten. Insgesamt dürften sich jedoch die starke Wirtschaft und die soliden Staatsfinanzen mit Blick auf den Währungsschock widerstandsfähig zeigen.

Vor negativen Folgen für die Wirtschaft warnen auch die ETH-Experten der Konjunkturforschungsstelle KOF und das Wirtschaftsforschungsinstitut Bakbasel. Die Basler zeichnen ein besonders düsteres Bild: Ein deutlich schwächeres Wachstum und ein starker Anstieg der Arbeitslosigkeit drohen.

Arbeitslosigkeit wird zulegen

Dies gilt zumindest für den Fall, dass sich der Wechselkurs zum Euro bei 1.05 Franken einpendelt. Diese Annahme bildet die Grundlage für die Berechnungen von Bakbasel. Das Wirtschaftsforschungsinstitut scheint dies als realistisch anzusehen. Eine baldige Rückkehr zum bisherigen Niveau von 1.20 Franken pro Euro sei nicht zu erwarten, schreibt Bakbasel in einer Medienmitteilung vom Donnerstagabend.

Sofern sich der Wechselkurs tatsächlich leicht oberhalb der Parität stabilisiert, würde die Schweiz bis Ende 2016 um 1,5 bis 2 Prozentpunkte an Wachstum verlieren, schreiben die Ökonomen. Das ist viel, schliesslich liegen die Wachstumsprognosen verschiedener Institute für 2016 zwischen 2 und rund 2,5 Prozent. Gleichzeitig werde die Arbeitslosigkeit ansteigen und 2016 im Durchschnitt bei 3,6 bis 3,8 Prozent anstelle von 3,1 Prozent liegen.

Einfluss auf Aussenhandel

Der Wechselkurs beeinflusse die Schweizer Volkswirtschaft über mehrere Wirkungskanäle, schreiben die Ökonomen. Der wichtigste sei der Einfluss auf den Aussenhandel. Mit einem stärkeren Franken verlieren die Schweizer Exporteure preislich an Wettbewerbsfähigkeit.

Doch auch binnenorientierte Branchen blieben nicht unberührt von Wechselkursschwankungen, so Bakbasel. Der starke Franken könne zu einer nochmaligen Zunahme des Einkaufstourismus führen. Auch steige für Dienstleister, das Handwerk und das Baugewerbe die Importkonkurrenz.

Der Wegfall des Mindestkurses erhöhe zudem die Planungsunsicherheit der Unternehmen und reduziere die Investitionsanreize. Auch dürfte die Standortattraktivität der Schweiz für Neuansiedlungen sinken, schreibt Bakbasel.

(sda/ise)

Anzeige