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Währungsstreit: China steckt in der Dollarfalle

Peking: Wegen der Dollar-Verschuldung ist China in einem Dilemma.   Keystone

Zahlreiche Länder nutzen die Geldpolitik, um die Währung zu schwächen und die Wirtschaft anzukurbeln. China kann sich das nicht leisten: Das Land sieht sich gezwungen, den Yuan stabil zu halten.

Veröffentlicht am 22.02.2015

Ebenso wie viele andere Staaten in der Welt verstärkt China derzeit die geldpolitischen Impulse und will die eigene Wirtschaft ankurbeln. Doch im Gegensatz zu den anderen Ländern wird das Reich der Mitte wahrscheinlich von einer Währungsabwertung absehen, die den Wachstumsprozess unterstützen würde.

Eine anhaltende Schwäche des Yuan würde die Rückzahlung von Verpflichtungen im Umfang von 1,1 Billionen Dollar massiv verteuern, die Schätzungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zufolge von chinesischen Unternehmen geschuldet werden. Das hat zur Folge, dass China ihre Zinssenkungen und andere Lockerungen über Schritte ausgleichen muss, um den Yuan-Rückgang von drei Prozent seit seinem Hoch vor etwa einem Jahr einzudämmen.

Yuan wird sich gegenüber dem Dollar erhöhen

Die Zwickmühle hat den Yuan zu einer von nur zwei grossen Währungen der Welt werden lassen, bei denen die von Bloomberg befragten Prognostiker in diesem Jahr mit einer Aufwertung gegenüber dem Dollar rechnen; die andere Währung ist der mexikanische Peso.

Jede Yuan-Aufwertung würde aber die geldpolitischen Konjunkturimpulse dämpfen. Das könnte der Wirtschaft schaden, die ohnehin bereits an Fahrt verliert, weil die Exporte – die zuletzt überraschend geschrumpft waren – weniger wettbewerbsfähig wären.

«Es ist ein empfindlicher Balanceakt»

«Das ist ein Dilemma», sagt Claudia Calich, Vermögensverwalterin bei M&G in London. «Aus Sorge um die Dollar-Verschuldung können sie es sich nicht leisten, den Yuan schnell abwerten zu lassen. Die Verantwortlichen werden den Yuan vielleicht langsam drücken, aber nicht in einem Rutsch. Es ist ein empfindlicher Balanceakt.»

Im vergangenen Jahr war die chinesische Währung um rekordträchtige 2,7 Prozent gesunken. Nach Einschätzung der von Bloomberg befragten Strategen werden die Yuan-Verluste sich nicht fortsetzen. Im Median der mehr als 30 Prognosen wird mit einer bis zum Jahresende 1,5 Prozent stärkeren Währung gerechnet.

China mangelt es keineswegs an Devisen, um den Yuan in die gewünschte Richtung zu lenken. Die Fremdwährungsreserven im Umfang von 3,8 Billionen Dollar sind die höchsten der Welt.

(bloomberg/ise)

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