Am heutigen Mittwochabend – um 20 Uhr Schweizer Zeit – gibt die Fed in Washington einmal mehr den geldpolitischen Kurs der wichtigsten Notenbank der Welt bekannt. Rund um den Globus richten Währungshüter ihre Entscheidungen noch immer an den Überlegungen von Fed-Chefin Janet Yellen aus.

Doch was passiert heute? Beobachter rechnen damit, dass die US-Notenbank ihr Anleihekaufprogramm einmal mehr zurückfährt – voraussichtlich um 10 Milliarden auf nur noch 25 Milliarden Dollar. Das wäre der sechste Einschnitt in Folge. Damit liegt Yellen auf dem Kurs, den ihr Vorgänger Ben Bernanke Ende vergangenen Jahres eingeschlug.

Fed ist ihren Zielen so nah wie lange nicht

Heute gilt: Erholt sich der Jobmarkt weiter und steigt die Inflation in Richtung zwei Prozent, endet die dritte Version des sogenannten «Quantitative Easing» im Oktober. Und danach sieht es derzeit auch aus: Nachdem das US-Bruttoinlandprodukt im ersten Quartal wetterbedingt um aufs Jahr hochgerechnet fast drei Prozent sank, legte es im Frühjahr von April bis Juni um vier Prozent zu. Das ist mehr als erwartet. Fachleute gingen von einem Plus um drei Prozent aus.

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Grosse Beachtung schenkt die Fed in ihrer wirtschaftlicher Einschätzung dem Jobmarkt: Die Arbeitslosenrate liegt nur noch bei 6,1 Prozent. Dieser Wert stellt die Lage jedoch besser dar, als sie in Wirklichkeit ist: Denn viele Jobsuchende melden sich nicht mehr arbeitslos und fallen so aus der Statistik. Dennoch gilt: Die Fed ist ihren Zielen heute so nah wie nie in den vergangenen fünf Jahren, sagte kürzlich James Bullard, Chef der Notenbank von St. Louis. Tatsächlich geht der Offenmarktausschuss der Fed davon aus, dass die Arbeitslosigkeit in den USA auf mittlere Sicht bei einem Wert von rund 5 bis 5,5 Prozent liegt.

Erste Zinserhöhung schon Anfang 2015?

Die jüngsten Inflationszahlen deuten ebenfalls auf eine Normalisierung der Verhältnisse an. Bis Juni gab es drei monatliche Zuwächse von 0,2 Prozent. Eine Jahresteuerung von 2,0 Prozent scheint schon bald in Reichweite.

Wann also schwenkt die Fed auf eine Zinswende um? Marktteilnehmer rechnen mit einer ersten Erhöhung des Leitzinses für Mitte 2015. Harm Bandholz, Analyst bei der Unicredit in New York, rechnet bereits Anfang des kommenden Jahres mit einem ersten Schritt. Er ist sich sicher: Die Rückkehr zur geldpolitischen Normalität wird schneller kommen als von vielen Beobachtern zur Zeit erwartet.