Im Lauf vergangener Woche stiegen die Zinssätze für einwöchige Darlehen zwischen chinesischen Banken vorübergehend auf über 11 Prozent. Normal wären laut dem «Wall Street Journal» 3,3 Prozent. Unter dem Anstieg leiden kleine Banken und kleine Unternehmen.

Anders sieht es für chinesische Grosskonzerne aus: «Entsprechend dem Leitmotiv der Kommunistischen Partei Chinas ‹Harmonie und soziale Stabilität› ist es zentral, dass die Staatskonzerne und Grossunternehmen ihre Löhne bezahlen können - egal, wie viel die notwendige Liquidität kostet», erklärt der Schweizer China-Experte Max von Zedtwitz. Laut dem Forscher arbeiten beinahe 50 Prozent der chinesischen Angestellten für Staatskonzerne. Diese Stellen zu erhalten sei für die Legitimation der Macht der Partei zentral. Da dieses Ziel durch die Pleite einer Grossbank wie der Bank of China gefährdet wäre, wird der Staat das nicht zulassen.

Zweiklassen-System

Für alle anderen - chinesische Jungfirmen, Kleinbetriebe oder Niederlassungen ausländischer Konzerne bedeutet diese Politik allerdings, dass sie zweitrangig sind. «Die Führung der Partei experimentiert fortwährend», erklärt Universitätsprofessor von Zedtwitz. «Dass die Regierung dabei ab und zu ein Eigentor schiesst, spielt keine Rolle - sie gewinnt langfristig, weil sie die grössere Mannschaft hat.»

Diese Eigentore manifestieren sich in gelegentlichen Pleiten kleinerer Unternehmen und in einem Markt, in dem sich weder das Recht an geistigem Eigentum, noch die Regeln der Welthandelsorganisation effizient durchsetzen lassen.

Ausserhalb des Schutzschirms

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Auch das Finanzsystem gehört zum Experimentierfeld. «Durch die enorme Zentralisierung passieren viele Fehler», sagt Max von Zedtwitz, sie führt zu lokaler Misswirtschaft und Korruption. Dabei werden manchmal kleinere Unternehmen hängen gelassen, weil sie in der Hackordnung der internen Parteiwirtschaft nach hinten rutschen - oder eben, weil die Regierung sich verkalkuliert hat und Fremdkapital für Unternehmen ausserhalb des Partei-Schutzschirms plötzlich prohibitiv teuer wird.