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Entwicklung
Was die Schweizer Wirtschaft 2016 erwartet

Alphornbläser: Die Schweizer Wirschaft hält sich trotz Frankenstärke wacker. Keystone

Der hiesige Wirtschaftsmotor stottert: Im dritten Quartal stagnierte das Wachstum. Was das für die Schweiz bedeutet, erklärt ein Experte.

Von Dominic Benz
am 01.12.2015

Die Schweizer Wirtschaft ist im dritten Quartal nicht gewachsen. Gegenüber dem Vorquartal stagnierte das Bruttoinlandprodukt (BIP) zwischen Juli und September. Damit ist das Wachstum schwächer ausgefallen als gedacht. Dennoch zeigen sich Experten wenig enttäuscht. «Das ist keine grosse Überraschung», sagt Raiffeisen-Analyst Alexander Koch.

Zwar haben Experten im Schnitt mit einem Wachstum von 0,2 Prozent gerechnet. Doch eine Abschwächung der Wirtschaftsdynamik haben unterdessen die meisten erwartet. Auch an der Börse trugen die Händler die neusten Zahlen mit Fassung. Der Schweizer Leitindex SMI notierte auch am Mittag leicht im Plus.

«Zu optimistisch gewesen»

«Nach dem Wachstum im zweiten Quartal durfte man nicht mit einer weiteren Verbesserung rechnen», sagt Koch. Zwischen April und Juni legte das BIP um 0,2 Prozent zu, nachdem es zum Jahresstart um 0,2 Prozent gesunken war.

Inzwischen ist der Optimismus wieder der Ernüchterung gewichen. Denn die jüngsten BIP-Zahlen zeigen: Die Schweizer Wirtschaft hadert noch immer mit dem starken Franken. Das betrifft vor allem einzelne Sektoren «Die Exportindustrie und der Tourismus werden noch lange zu kämpfen haben», so Koch.

Gut gehalten

Das verdeutlichen denn auch die Exportzahlen. Im dritten Quartal waren dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) zufolge die Warenexporte in den meisten Segmenten rückläufig, darunter vor allem die Ausfuhr von Uhren, Schmuck und Präzisionsinstrumenten. Einzig die Chemie- und Pharmaexporte legten zu und hievten die Warenexporte insgesamt doch noch mit 0,5 Prozent ins Plus.

Immerhin kam die Wirtschaft so zwar zum Stillstand, die Leistung ging aber nicht zurück. «Dazu lieferten auch die realen Güterexporte einen Beitrag, der zwar durch Preis- und Margenabschläge erkauft wurde, angesichts der Frankenstärke jedoch ein überraschend starker Leistungsausweis der Schweizer Industrie ist», schreibt das Forschungsinstitut Bakbasel in einem Kommentar.

Prognosen anpassen

Nach der Nullerrunde im dritten Quartal werden wohl viele Institute und Experten ihre BIP-Prognose für das Gesamtjahr 2015 und 2016 anpassen müssen. «Für dieses Jahr noch eine Eins vor dem Komma zu erreichen, ist fast nicht mehr möglich», sagt Raiffeisen-Mann Alexander Koch. Auch im nächsten Jahr dürfte weiter ein eisiger Wind wehen. «Wir werden mit weniger Schwung ins nächste Jahr starten.»

Entscheidend für die Schweizer Wirtschaft wird weiterhin die Entwicklung des Frankens sein. Mit Spannung wird daher der Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag erwartet. Ihr oberster Währungshüter Mario Draghi dürfte erneut die Märke mit billigem Geld schwemmen und das Anleihekaufprogramm (quantitative Lockerung) ausweiten. Das Seco geht derzeit für 2015 von einem Wachstum von 0,9 Prozent aus, für 2016 von einer moderaten Beschleunigung auf 1,5 Prozent.

SNB unter Druck

Das könnte die Schweizerische Nationalbank (SNB) unter Zugzwang setzten und den Franken gegenüber dem Euro treiben. Einige Experten gehen davon aus, dass die SNB ihre Negativzinsen erhöhen wird, um den Druck von der Schweizer Währung zu nehmen.

Raiffeisen-Analyst Koch sieht einer möglichen geldpolitischen Lockerung durch die EZB gelassen entgegen. «Das dürfte keinen grossen Druck auf den Franken ausüben.» Die Erholung in der Eurozone sei intakt. Die Anleger dürften daher ihr Geld nicht in Scharen in sichere Gefilde verlagern. «Der ,sichere Hafen'-Faktor der Schweiz ist bei weitem nicht mehr so relevant wie während der Euro-Schuldenkrise», so Koch.

Robuster Euro-Franken-Kurs

Zudem verweist der Analyst auf den Euro-Franken-Kurs der letzten Wochen: Obwohl eine Lockerung der Geldpolitik durch die EZB in der Luft liegt, zeigt sich der Euro erstaunlich robust und pendelt bei rund 1,09 Franken. Dahinter scheint aber nicht die SNB mit einer Intervention am Devisenmarkt zu stecken. Zuletzt blieben die Einlagen der Banken bei der SNB fast unverändert. Die Entwicklung der Giroguthaben gilt als Indiz dafür, ob und wie stark die SNB im Devisenmarkt interveniert, um eine zu starke Franken-Aufwertung zu verhindern.

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