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Schutzwall
Was droht der Schweiz, wenn die EU gegen China mauert?

In der EU wächst der Widerstand gegen chinesische Firmenübernahmen. Heute hat Brüssel neue Massnahmen gegen unliebsame chinesische Investitionen angekündigt. Das könnte Folgen für die Schweiz haben.

Von Marc Bürgi
am 11.09.2017

China ist in Europa zu einem Grossinvestor geworden. Letztes Jahr kauften chinesische Investoren über hundert europäische Gesellschaften – immer mehr Firmen erhalten Besitzer aus der Volksrepublik. In der Politik stösst die Übernahmewelle auf Kritik. Während chinesische Unternehmen in Europa frei investieren können, sind Übernahmen durch ausländische Gesellschaften in China äusserst schwierig. Doch nicht nur an dieser Ungleichbehandlung stören sich Politiker. Manche befürchten, dass chinesische Unternehmen versuchen, durch Übernahmen an europäische Technologie zu gelangen. Die Tatsache, dass bei vielen chinesischen Konzernen der Staat grossen Einfluss hat, weckt Misstrauen.

Deutschland, Frankreich und Italien fordern seit langem neue Regeln, um unerwünschte chinesische Übernahmen verhindern zu können. Und jetzt wird die EU-Kommission aktiv: Heute hat Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in einer Rede Massnahmen gegen ausländische Übernahmen angekündigt – der Vorstoss ist gegen China gerichtet. Welche Folgen könnte er für die Schweiz haben? Diese Fragen stellen sich:

Wie beliebt ist Schweiz bei chinesischen Investoren?

Die Schweiz gehört zu den beliebtesten europäischen Ländern für chinesische Investoren. In den letzten Jahren wurden Dutzende Unternehmen ganz oder teilweise nach China verkauft. Bekannt sind vor allem die Übernahmen von Swissport, Gategroup und SR Technics durch den chinesischen Grosskonzern HNA, oder der Kauf von Syngenta durch Chemchina. Aber auch bei vielen kleinen und mittleren Unternehmen sind Chinesen eingestiegen. Allein im letzten Jahr kauften Investoren aus China 14 Schweizer Unternehmen laut einer Studie des Wirtschaftsprüfers EY.

Chinas Regierung versucht neuerdings, die Einkaufstour der Konzerne im Ausland zu begrenzen. Die Serie von Übernahmen in der Schweiz dürfte sich dennoch fortsetzen, glaubt Beat Unternährer von der Unternehmensberatung TCFG. Die Gesellschaft betreut derzeit mehrere Mandate von Chinesen, die in der Schweiz investieren wollen. «Viele chinesische Investoren schauen sich derzeit in der Schweiz um», sagt Unternährer.

Was hätten neue EU-Regeln für Folgen für die Schweiz?

Falls die EU neue Instrumente gegen chinesische Übernahmen beschliesst, würde die Schweiz für chinesische Investoren weiter an Bedeutung gewinnen. Die Schweiz kennt keine speziellen Vorschriften für chinesische Investoren. Und seit Kurzem bietet sie einen weiteren Vorteil – die Währung Reminbi kann jetzt auch in Zürich gehandelt werden. Mit der China Construction Bank hat die erste chinesische Grossbank einen Zürcher Ableger eröffnet, weitere dürften folgen. Als eines der wenigen europäischen Länder hat die Schweiz überdies seit drei Jahren einen Freihandelsvertrag mit der Volksrepublik.

Wie willkommen sind chinesische Investoren in der Schweiz?

Nicht nur in der EU gibt es kritische Stimmen zur chinesischen Übernahmewelle. So hat beispielsweise der SVP-Nationalrat Hans-Ueli Vogt im Juni zwei Vorstösse eingereicht. Er wollte wissen, wie der Bundesrat zu chinesischen Übernahmen in der Schweiz steht. Auch andere Politiker haben sich in den Medien kritisch zum chinesischen Engagement in der Schweiz geäussert.

Weniger kritisch ist die Haltung in der Wirtschaft – dort seien chinesische Investoren heute meistens willkommen, sagt Ronald Sauser vom Wirtschaftsprüfer EY, der bei chinesischen Übernahmen in der Schweiz mitgewirkt hat. «Das Image hat sich deutlich gewandelt.» Chinesen gälten hierzulande als eher zurückhaltende Investoren, die sich weniger einmischten. «Sie lassen die Firmenführung arbeiten.» Beliebt sind die asiatischen Investoren laut Sauser auch, weil sie bis jetzt oft die höchsten Preise zahlten. Manche Schweizer Unternehmen hoffen, dank den Geldgebern aus China Zugang zum chinesischen Markt zu erhalten. Diese Erwartung erfülle sich nicht in allen Fällen, sagt Sauser. Als Beispiel nennt er die Uhrenmarken Corum und Eterna: Deren chinesischer Eigentümer Citychamp habe den Marken nicht zu zusätzlichem Wachstum verholfen.

Sind chinesische Unternehmen nur auf Schweizer Wissen aus?

Viele Schweizer Unternehmen sind technologisch führend. Natürlich seien chinesische Unternehmen an diesem Know-how interessiert, sagt EY-Berater Ronald Sauser. «Darin unterscheiden sie sich aber nicht von allen anderen Investoren.» Zudem verfügten chinesische Unternehmen heutzutage selber oft über viel Spitzentechnologie. Chinesische Unternehmen investieren heute vor allem auch in der Schweiz, um in neuen Märkten zu wachsen. «Das ist einer der wichtigsten Triebfeder für die chinesischen Akquisitionen im Ausland.»

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