Der Arbeitsmarkt in den USA brummt und erlebt derzeit seine längste Boomphase seit rund 20 Jahren. Dies könnte die Notenbanker der Fed auf den Plan rufen, die erst für Mitte des Jahres erwartete Zinserhöhung vorzuziehen.

Im Januar entstanden in den USA 257'000 neue Jobs und damit mehr als von Experten erwartet, wie das Handelsministerium mitteilte. Zudem wurden im November und Dezember zusammen 147'000 mehr Stellen geschaffen als bislang geschätzt. «Das sind extrem gute Zahlen», sagte Ökonom Tom Porcelli vom Finanzdienstleister RBC Capital Markets in New York

Fast am Ziel

Damit sind rund ein Jahr in Folge Monat für Monat jeweils mehr als 200'000 Arbeitsplätze entstanden. Eine solche Boomphase hat es seit 1994 nicht mehr gegeben. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed), die Vollbeschäftigung anstrebt, ist damit nach Jahren massiver Konjunkturspritzen und extrem niedriger Zinsen als Reaktion auf die Finanzkrise fast am Ziel.

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Am Kapitalmarkt wird allerdings erst für Mitte des Jahres mit einer Zinserhöhung gerechnet - auch weil die Inflation zuletzt im Sog des Ölpreisverfalls weit niedriger ausfiel, als es der Fed lieb sein kann. Zudem hat die Fed jüngst betont, dass sie es trotz der florierenden Wirtschaft nicht eilig habe mit einer Zinserhöhung.

«Fed kann nicht viel länger warten»

Die jüngsten Daten belegten allerdings auch, dass die Stundenlöhne leicht steigen. «Die Fed kann nicht viel länger warten», sagte Paul Ashworth vom Analysehaus Capital Economics. Auch Helaba-Analystin Viola Julien betonte, es dürfte zunehmend schwerer werden, Argumente für ein Stillhalten in der US-Geldpolitik zu finden. Tobias Basse von der NordLB betonte: «Der Weg für eine Zinsanhebung im Sommer scheint nun frei zu sein.»

Die - in einer getrennten Erhebung berechnete - Arbeitslosenquote stieg im Januar auf 5,7 von 5,6 Prozent. Fachleute sahen darin aber keinen Wermutstropfen, sondern ein Zeichen der Zuversicht. Denn zugleich stieg der Kreis der Erwerbspersonen leicht, die einen Job haben oder suchen. «Dies kann als Beleg gelten, dass Leute, die schon aufgegeben hatten, jetzt wieder einen Job finden wollen», erklärte Christian Schulz von der Berenberg Bank.

Notenbanker Lockhart: Ab Juni sollten alle Möglichkeiten offen sein

Ähnliche Ansichten vertitt offenbar die Fed selber. Das Wachstum der US-Wirtschaft ist nach den Worten des Präsidenten der Atlanta Fed, Dennis Lockhart, stark genug, dass eine erste Zinsanhebung noch in diesem Jahr gerechtfertigt wäre. Sorgen bereiteten ihm aber die niedrige Inflation und das geringe Wachstum bei den Löhnen. Er rechne mit einem Wirtschaftswachstum von drei Prozent in diesem und im nächsten Jahr.

Zum Zeitpunkt einer möglichen Anhebung der Leitzinsen sagte Lockhart, die entsprechenden Umstände könnten Mitte des Jahres oder etwas später gegeben sein. Ab Juni sollten alle Möglichkeiten offen sein, sagte er am Freitag vor Wirtschaftsvertretern in Florida.

Niedrige Inflation als Sorge

Allerdings gäben die niedrige Inflation und das nur langsam steigende Lohnniveau Anlass zur Sorge. Er wolle zunächst sehen, dass der durch niedrige Energiepreise begründete Rückgang bei der Inflation eine nur vorübergehende Erscheinung sei, sagte Lockhart, der stimmberechtigtes Mitglied im zinsentscheidenden Offenmarktausschuss der Fed ist.

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Einige Volkswirte befürchten, dass die Kombination aus schwacher Nachfrage auf dem Weltmarkt, einem starken Dollar und anderen Faktoren die Inflation noch weiter reduzieren und die Erholung der US-Wirtschaft abbremsen könnte.

(reuters/dbe)