Das Projekt steht exemplarisch für die Machtverschiebung auf der Welt: China plant eine asiatische Bank für Investitionen in die Infrastruktur (AIIB). Und europäische Länder machen bei dem Gegenentwurf zur Weltbank mit, obwohl die USA sich dagegen stemmen. Auch die Schweiz ist dabei. Nachdem der Bundesrat eine Bewerbung als Gründungsmitglied beschlossen hatte, bejahte das chinesische Finanzministerium die Beteiligung der Eidgenossenschaft am Freitag.

Mit dem Vorhaben bricht China mit der Dominanz des Westens. Bisher dominieren als globale Kreditgeber die US-geführte Weltbank und der von Europäern gelenkte Internationale Währungsfonds (IWF) in Washington. Die aufstrebenden Schwellenländer rund um den Globus sehen sich dort seit Jahren unterrepräsentiert. Vor allem gilt das für China.

Schweiz hält sich Rückzugsmöglichkeit offen

Das Riesenreich begann darum, eine alternative Finanzinstitution aufzubauen. Im Oktober 2014 fiel der Startschuss für die AIIB. Dass jetzt europäische Staaten beitreten wollen, stösst vor allem auf Ablehnung vonseiten der USA.

Das weisse Haus hat Zweifel an der Institution, die Fonds zu Infrastrukturprojekten vor allem in der Region Asien-Pazifik bereitstellen soll. Es befürchtet, dass internationale Standards verfehlt und Korruption geduldet werden könnte.

China will hohe Standards

Die Schweiz hält sich angesichts dieser Bedenken eine Rückzugsmöglichkeit offen, bis die Statuten endgültig formuliert sind. Laut Bundesangaben hat China allerdings zugesichert, dass die Umwelt- und Sozialstandards ebenso wie die internen Kontrollmechanismen dem Niveau vergleichbarer Einrichtungen entsprechen sollen, berichtete die «NZZ».

Der formale Gründungsprozess soll Ende März abgeschlossen werden. In Europa waren der Schweiz noch Deutschland, Grossbritannien, Italien, Frankreich und Luxemburg mit ihrem Antrag auf Mitgliedschaft zuvorgekommen. Bei einem geplanten Startkapital von 100 Milliarden US-Dollar will die Schweiz nach derzeitigem Stand 600 Millionen Franken beisteuern, also einen eher kleinen Anteil.

20 Prozent des Kapitals müssen einbezahlt werden, der Rest gilt als Verpflichtung für den Fall einer Mittelknappheit der Bank. Die genaue Höhe des Schweizer Beitrages hängt allerdings von den Summen der anderen Staaten ab.

(me/moh)

Anzeige