Der Weg zurück zur Normalität in der Weltwirtschaft nach Jahren der Finanz- und der EU-Schuldenkrise ist holprig. Die Probleme einiger Schwellenländer wie Indien, Brasilien oder der Türkei dürften dem Treffen der G20-Finanzminister und -notenbankchefs Ende der kommenden Woche im australischen Sydney den Stempel aufdrücken.

Die Wachstumsmotoren der letzten Jahre schwächeln: Glaubt man den Vorwürfen einiger Krisenländer, haben unter anderem die USA mit ihrer Geldpolitik Sand ins Getriebe der Volkswirtschaften rieseln lassen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble macht schon einmal eines klar: Die kriselnden Schwellenländer haben den gleichen Anspruch auf Solidarität wie Euro-Krisenländer.

Die Australier haben sich für ihre G20-Präsidentschaft viel vorgenommen. Drei Themen werden es wohl sein, die die Zusammenkunft der Finanzminister bestimmen: neben den Schwierigkeiten einiger Schwellenländer der Kampf gegen Steuerhinterziehung sowie «nachhaltiges Wachstum» - ein Dauerbrenner in Kreisen der Staatengruppe seit vielen Jahren.

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Probleme der Schwellenländer könnten für Streit sorgen

Die Ouvertüre für harte Debatten über die US-Geldpolitik und ihre Folgen für einige Schwellenländer lieferte jüngst der indische Notenbankchef Raghuram Rajan. «Die internationale geldpolitische Zusammenarbeit ist zusammengebrochen», klagte er mit Blick auf das langsame Zurückfahren der hochexpansiven US-Geldpolitik. In Ländern wie Brasilien führte das zu massiven Kapitalabflüssen ausländischer Investoren. Etliche aufstrebende Staaten reagieren mit teils kräftigen Leitzins-Anhebungen - eine Massnahme, die als investitions- und wachstumsbremsend gilt. «Die Industrieländer müssen ihren Beitrag leisten, um das wieder in Ordnung zu bringen», forderte der Notenbanker.

Schäuble räumte ein, dass die Industrieländer mit ihrer Art der Krisenbekämpfung nicht ganz unschuldig sind. In einem Reuters-Interview sagte mit Blick auf Schwankungen an den Kapitalmärkten: «Man sieht an diesen Problemen, dass wir im Krisenmanagement der letzten Jahre ein höheres Mass an Volatilität in Kauf nehmen mussten».

Ohnehin warnt Schäuble seit langem, die Geldpolitik sei kein Weg, Finanzprobleme von Ländern dauerhaft zu lösen. Das könnten nur Reformen - und zwar überall in der Welt. «Im Übrigen werden wir den Schwellenländern im Rahmen unserer Möglichkeiten genauso helfen, die Probleme zu überwinden, wie sie uns in den letzten Jahren ein Stück weit beigestanden haben.» Von einer echten Gefahr für die Weltwirtschaft wollen aber weder der deutsche Finanzminister noch die meisten Experten sprechen.

Informationen zum automatischen Informationsaustausch 

Was den internationalen Kampf gegen Steuerhinterziehung angeht, hat die Industrieländer-Organisation OECD im Auftrag der G20 wichtige Grundlagenarbeit geleistet. Sie wird in Sydney ihren neuen Weltstandard zum automatischen Informationsaustausch zwischen den Steuerbehörden der Länder vorlegen. Das Ideal hinter diesen Bemühungen ist, dass Steuerhinterzieher nirgends sicher sein können. Soweit die Theorie. Bereits 42 Länder, darunter Deutschland, Frankreich und Grossbritannien, haben angekündigt, mit ihm zu arbeiten.

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Wichtige Spieler in der Weltwirtschaft wie die USA, Kanada oder China fehlen aber bislang in dieser Liste. Die USA haben bereits ein eigenes Regelwerk, das sie gegenüber anderen Ländern durchdrücken. Auch die bei unwilligen Steuerzahlern gerade in Deutschland lange Zeit beliebte Schweiz sowie Steueroasen wie Panama haben sich nicht zu dem neuen Standard bekannt. Schäuble hat also in Sydney einige Adressen, bei denen er für die Vorlage werben kann. Er ist der Meinung, sie tauge als Muster, dem die anderen Länder im Kampf gegen Steuerbetrug folgen sollten.

Plan für nachhaltiges Wachstum 

Der dritte Schwerpunkt in Sydney klingt wenig spektakulär, hat aber dennoch Gewicht und Streitpotenzial: die Schaffung und Stärkung eines nachhaltigen Wachstums in der Welt. Hier geht es um den Abbau der Arbeitslosigkeit - für viele Länder immer noch das binnenwirtschaftliche Problem Nummer eins.

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Ziel der Minister ist es, ausgehend von einer Analyse der weltwirtschaftlichen Schwächen, jedem Land konkrete Vorschläge und nationale Strategien abzuverlangen, um diese auszumerzen. Es geht dabei um vier Kernbereiche: Investitionen, Beschäftigung, Handel und Wettbewerbsfähigkeit. Dabei könnte es erneut zu einem Schlagabtausch zwischen Deutschland und den USA kommen - den die G20 schon kennt.

Die Deutschen würden gerne in diesen nationalen Strategien konkrete Zahlen sehen, etwa zum Defizitabbau, die USA eher nicht. Dass die Deutschen sich wegen ihrer Überschüsse im Handel erneut wohl Kritik und Forderungen nach mehr Wachstumsförderung stellen müssen, gehört fast schon zur G20-Tradition.