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Verfall
Wer vom Ölcrash profitiert – und wem er weh tut

Der Absturz des Ölpreises produziert Gewinner und Verlierer. Freuen dürfen sich Filipinos und – einige – Umweltschützer. Hart getroffen werden dagegen Investoren und arme Förderländer.

Von Gabriel Knupfer
am 23.02.2015

Zwar haben sich die Ölpreise nach einer langen Talfahrt stabilisiert. Ein echter Aufschwung scheint indes noch nicht in Sicht. Denn zum einen sorgt die weltweit schwächelnde Konjunktur für eine geringe Nachfrage. Vor allem aber bleibt das Angebot wegen dem Frackingboom in den USA hoch und die Opec-Länder drosseln ihre Produktion nicht.

Förderriesen wie Saudi-Arabien versuchen mit Discountpreisen ihren Marktanteil zu verteidigen – und bewirken damit eine globale Kettenreaktion. Ob als Inuit in Grönland oder als Reisbauer auf den Philippinen, die Effekte des Ölpreises betreffen die gesamte Menschheit. Dies zeigt auch eine Zusammenstellung der grössten Gewinner und Verlierer des amerikanischen Nachrichtenportals « Bloomberg» (siehe Bildergalerie).

Zentralbanken in Not

Allgemein bekannt sind die negativen Folgen des Ölabsturzes auf die schwachen Opec-Mitglieder wie Venezuela, Iran oder Nigeria. Diese bräuchten einen höheren Preis, können es sich aber nicht leisten die Produktion runterzufahren und auf bessere Zeiten zu warten. Auch dass Russland keine Freude am Preiszerfall haben kann, ist bekannt.

Schon etwas weniger offensichtlich sind indes die negativen Effekte auf die Politiken der Zentralbanken, etwa der Europäischen Zentralbank, der Fed und der Nationalbank. Billige Energie drückt die Konsumentenpreise. Und dies in einer Zeit, wo die Zentralbanker verzweifelt versuchen mehr Inflation zu generieren und so eine gefährliche Abwärtsspirale bei Preisen und Löhnen zu verhindern.

Arme Grönländer

Auch die Entlastung von Konsumenten und Firmen in den ölimportierenden Ländern ist damit nicht bedingungslos positiv. Trotzdem finden sich unter diesen die grössten Gewinner. Dazu gehören die Philippinen: Bei einem Ölpreis von 40 Dollar pro Barrel würde die Wirtschaft der Inselnation um 7,6 Prozent wachsen, errechneten Ökonomen aus Oxford. Dies nach einem Wachstum von 6,1 Prozent im Jahr 2014.

Weniger rosig ist die Lage dafür in Grönland. Hoffnungen auf einen durch die Ölförderung lancierten Wirtschaftsboom zerschlugen sich im letzten Herbst abrupt. Darüber freuen dürften sich dafür Umweltschützer wie Greenpeace. Sie hatten schon lange gewarnt dass Bohrungen eine enorme Gefahr für das Ökosystem Arktis darstellten. Nun haben sich viele Projekte – zumindest vorübergehend – aus Kostenerwägungen von selbst erledigt.

Billige Spritfresser

Auch an anderen Fronten ist der tiefe Ölpreis für Umweltschützer positiv. Umstrittene Tiefseebohrungen werden ebenso unrentabel wie zahlreiche Fracking-Projekte in Europa. Doch auch hier hat die Medaille eine Kehrseite. Mit sinkenden Benzinkosten könnten Konsumenten versucht sein, auf grössere treibstoffhungrige Autos zu setzen. In den USA boomt der SUV-Absatz bereits. 2014 steigerte beispielsweise Daimler den Absatz des grössten SUV-Modells, des GL, im amerikanischen Markt um 40 Prozent.

Der gesamte Warentransport wird vom Ölpreis beeinflusst. Zu den Gewinnern gehören in der Aufstellung von «Bloomberg» auch die Reedereien mit Öltankern. Auf die Preise für Flugtickets hat sich der Preis indessen noch nicht gross ausgewirkt. Wegen langfristigen Verträgen bei den Kerosinlieferungen ist hier die Verzögerung grösser als in anderen Bereichen. Hält die Baisse aber noch lange an, werden auch die Airlines nicht um Preissenkungen herumkommen. Und dies wäre dann definitiv nicht im Interesse des Naturschutzes.

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