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Pattsituation
Wie der US-Budgetstreit die Schweizer treffen kann

Niagara-Fälle in den USA: Vielen Touristenattraktionen droht die vorübergehende Schliessung. (Bild: Keystone)

Der US-Budgetstreit erreicht die Schweiz: Der Franken steigt auf den höchsten Stand seit fünf Monaten. Einigt sich die Politik nicht auf einen Kompromiss, erleben auch Touristen böse Überraschungen.

Von Mathias Ohanian
am 30.09.2013

Noch immer haben sich Demokraten und Republikaner im Haushaltsstreit nicht geeinigt. An den Finanzmärkten sorgte das bereits für Wirbel. Betroffen ist auch die Schweiz: Anleger flüchteten auch wegen der Regierungskrise in Italien in den als «sicherer Hafen» geltenden Franken. Die europäische Gemeinschaftswährung notierte zwischenzeitlich bei rund 1,22 Franken – die Schweizer Währung damit so stark wie seit fünf Monaten nicht mehr.

Immerhin, so erwartet Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann, dürfte der Franken in den kommenden Wochen trotz des heutigen Kurssprungs nicht nachhaltig zulegen. «Früher oder später wird es einen Kompromiss zwischen Demokraten und Republikanern geben – dann wird der Franken auch wieder etwas an Wert verlieren», sagte er. Seiner Ansicht nach spielt die politische Instabilität in Italien mit Blick auf die Kursentwicklung des Franken nur noch eine untergeordnete Rolle: «Seit die Europäische Zentralbank im vergangenen Jahr erklärt hat, dass sie im Hintergrund bereitsteht, ist die Euro-Krise kein systemisches Risiko mehr», sagte er.

Schweizer Touristen könnten böse Überraschung erleben

Aufpassen müssen allerdings Schweizer Touristen in den USA. Die helvetischen Reiseveranstalter sind bereits alarmiert und buchen für ihre Kunden um. Ab Mittwoch kommt es in vielen Teilen des Landes zu Einschränkungen – ähnlich wie schon beim «government shutdown» um den Jahreswechsel 1995/96. Seinerzeit bekamen mehr als 200’000 Antragsteller keinen Reisepass ausgestellt. Nationalparks blieben geschlossen, ebenso die berühmten staatlichen Museen in Washington. Dem US-Tourismus entgingen Millionen Dollar.

Die Auswirkungen des ungelösten US-Haushaltsstreits sind heute bislang vor allem in der Hauptstadt Washington zu spüren, wo die Bundesregierung der größte Arbeitgeber ist. Viele Museen, Denkmäler und Gebäude des Bundes blieben geschlossen, nachdem die Bediensteten in den unbezahlten Zwangsurlaub geschickt wurden. Betroffen waren die Smithsonian-Museen, das Lincoln Memorial und das World War II Memorial. Auch der National-Zoo blieb geschlossen. Doch auch Nationalparks in Kalifornien und anderen Landesteilen sind von Schliessungen betroffen, ebenso die Freiheitsstatue in New York.

Insgesamt werden rund 1 Million Mitarbeiter des Bundes in den unbezahlten Zwangsurlaub geschickt werden – dazu zählen Nationalpark-Ranger, Verwaltungs- und Museumsangestellte, sowie ein großer Teil der Mitarbeiter von Präsident Barack Obama.

Vielen Behörden droht die vorübergehende Schliessung

Auch zahlreiche Ämter dürften ihren Betrieb nahezu vollständig einstellen. Die Bundessteuerbehörde IRS würde mehr als 90 Prozent ihrer 94’516 Mitarbeiter in einen Zwangsurlaub zu schicken. Call Center sind dann verwaist, Wirtschaftsprüfungen werden ausgesetzt. Auch die Börsenaufsicht SEC schliesst de facto: Von 4149 Mitarbeitern sollen nur noch 252 weiterarbeiten. Zwar kann man bestimmte Anträge, etwa für Börsengänge, noch einreichen, ihre Bearbeitung und Genehmigung wird jedoch auf die lange Bank geschoben.

So drohen den USA zum Jahresende im schlimmsten Fall deutliche Wachstumseinbussen: Laut Bloomberg rechnet etwa Mark Zandi, Ökonom bei Moody's Analytics, dass die US-Wirtschaft im Fall der Nichteinigung im vierten Quartal 2013 nur noch um annualisiert gut ein Prozent wachsen dürfte - statt 2,5 Prozent.

(mit Material von reuters)

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