Selten haben so wenige Worte die Wirtschaftswelt so grundlegend verändert. Vor genau zwei Jahren stellte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) klar: Der Euro ist unumkehrbar. Innerhalb ihres Mandats sei die EZB bereit, alles notwendige zu tun, um den Euro zu erhalten, sagte Mario Draghi auf einer Investmentkonferenz in London am 26. Juli 2012. «Und glauben Sie mir, es wird genug sein.»

Investoren und Unternehmen beeindruckten die wenigen Worte nachhaltig. Die Panik an den Finanzmärkten verflog binnen kürzester Zeit: Die Refinanzierungskosten für angeschlagene Euro-Südländer wie Italien, Spanien oder Griechenland sanken. Auch die Aktienmärkte erholten sich. Selbst die Realwirtschaft fasste nach Draghis Einschreiten wieder Fuss – sowohl in Kernländern wie Deutschland als auch in der Peripherie: Die Stimmung in der Industrie und bei Konsumenten stieg, der Aufwärtstrend ist fast bis heute beinahe ungebrochen (siehe Grafik unten).

Sommer 2012: Die Welt spekuliert über Euro-Austritt Griechenlands

Dabei war es im Frühsommer 2012 extrem schlecht um die Euro-Zone bestellt. Beobachter spekulierten auf ein ungeordnetes Auseinanderbrechen der Gemeinschaftswährung. Vor allem in deutschen Medien wurden die Folgen eines Euro-Austritts Griechenlands ausgiebig diskutiert. Die Renditen zehnjähriger hellenischer Staatspapiere lagen zwischenzeitlich bei rund 30 Prozent. Banken leihten sich gegenseitig kein Geld mehr.

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Und dies, obwohl die Politik bereits Massnahmen ergriffen hatte – ein Krisengipfel folgte auf den anderen. Auch die EZB reagierte Ende 2011 mit einer bis dato beispiellosen Liquiditätspritze in Höhe von 500 Milliarden Euro, die sich Geldinstitute für drei Jahre leihen konnten. Zudem kauften die Währungshüter «temporär» und in «begrenzter Zahl» Anleihen von Südstaaten, um die Krise zu entschärfen.

EZB hätte sich früh von der SNB inspirieren lassen können

Halbe Sachen funktionierten an den Finanzmärkten jedoch nicht. Zumal vorübergehende Anleihekäufe für kurzfristige Kurssteigerungen sorgten und so Investoren erst einen Anreiz lieferten, ihre Papiere zu verkaufen. Erst Draghis kompromissloses Auftreten beendete die Panik. Dabei hätte die Euro-Zone der Verwerfungen schon viel früher Herr werden können – hätte sie sich von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) inspirieren lassen.

Die SNB lieferte bereits im Frühherbst 2011 ein Musterbeispiel an erfolgreicher Notenbankintervention: Am 6. September gab sie in einem knappen Statement den neuen Euro-Franken-Mindestkurs von 1,20 bekannt, den sie mit «aller Konsequenz» durchsetzen werde. Sie sei bereit, «unbeschränkt Devisen zu kaufen». Zuvor hatte die SNB massiv fremde Währungen kaufen müssen, um den Franken zu schwächen. Nach der Ankündigung testeten Investoren und Spekulanten den neuen Kurs kaum mehr.

EZB musste nach Draghis Rede nicht mehr intervenieren

Die Erklärung dafür: Theoretisch kann eine Notenbank so viel Geld drucken, wie sie will – dagegen können Investoren selbst mit vereinten Kräften nicht angehen. Wichtig ist natürlich, dass die Ankündigung der Notenbank glaubhaft erfolgt. Formulierungen wie «unbeschränkt» und «um jeden Preis» helfen da freilich.

Wie der SNB gelang im Sommer 2012 übrigens auch Mario Draghi ein überzeugender Auftritt: Nach dessen Rede musste die EZB das extra ins Leben gerufene Rettungsprogramm OMT nie in Anspruch nehmen. Bis heute kaufte sie im Rahmen des OMT – entgegen der Befürchtung vieler Kritiker – keine einzige Staatsanleihe.