Chinas Wirtschaft ist bereits die zweitgrösste weltweit – und wächst jedes Jahr mit Raten, von denen westliche Länder nur träumen können. Bereits für über 16 Milliarden Franken exportieren Schweizer Unternehmen nach China und Hongkong. Das ist mehr als an Waren und Dienstleistungen nach Italien oder Frankreich geht. Entsprechend besorgt blicken inzwischen viele internationale Firmen auf die konjunkturelle Entwicklung im Reich der Mitte.

Jetzt zeichnet sich ab: Die Geschäfte in der chinesischen Industrie verloren im März den dritten Monat in Folge an Schwung – und liefen so schlecht wie zuletzt im vergangenen Sommer.

«Schwäche auf breiter Front»

Darauf deutet eine viel beachtete Umfrage unter Einkäufern, die in ihren mittelständischen Unternehmen an wichtigen Schaltzentralen sitzen: Der Einkaufsmanager-Index der Grossbank HSBC sank am Montag auf 48,1 Punkte von 48,5 Zählern im Februar. Damit liegt das Barometer auf dem tiefsten Stand seit acht Monaten. Sowohl die Produktion als auch die Bestellungen setzten ihre Talfahrt fort. «Es handelt sich um eine Schwäche auf breiter Front und die heimische Nachfrage nimmt weiter ab», kommentierte Hongbin Qu, Chefökonom der HSBC.

Andere Fachleute, etwa bei Barclays, Nomura oder JP Morgan, senkten ihre Wachstumsprognosen in den vergangenen Tagen. Goldman Sachs rechnet in diesem Jahr nur noch mit 7,3 statt 7,6 Prozent. Sowohl Aussenhandel als auch Konsum enttäuschten in den ersten beiden Monaten des Jahres, hiess es in einer Mitteilung.

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«Serie von Politikmassnahmen» erwartet

Kommt es so wie von Fachleuten erwartet, droht China zwar kein konjunktureller Absturz.  Doch die Risiken nehmen zu. Das von Peking erst kürzlich bestätigte Wachstumsziel von 7,5 Prozent in diesem Jahr wird nur schwer erreichbar. Ohne bessere Konsumausgaben müsse sich «Peking in den kommenden Monaten mit Wachstumsraten von nur rund 7 Prozent auseinandersetzen, was auch am Arbeitsmarkt nicht spurlos vorbeigehen sollte», heisst es bei HSBC.

Das jedoch erhöht die Gefahr von sozialen Unruhen. Peking selbst teilte zu Monatsbeginn mit, dass auch die grossen Industrieunternehmen im März so schwach wie zuletzt im vergangenen Sommer expandierten.

Entsprechend rechnet man bei HSBC damit, dass die Zentralregierung bald einschreiten wird: «Wir erwarten, dass Peking eine Serie von Politikmassnahmen starten wird, um das Wachstum zu stabilisieren», so Hongbin Qu. Eine Option wären Massnahmen, um private Investitionen zu erleichtern. Zudem hält er neue staatliche Ausgaben für die öffentlichen Verkehrssysteme für möglich. Laut den Fachleuten von Barclays müsse Peking schnell mit Konjunkturstützen reagieren, wolle die Regierung ihr diesjähriges Wachstumsziel noch erreichen.

Kleiner Hoffnungsschimmer

Allerdings lieferte die heute veröffentlichte Umfrage unter Einkäufern auch Hoffnungsschimmer: Die Export-Bestellungen legten erstmals seit vier Monaten zu und auch der Beschäftigungsindex nahm deutlich zu, auch wenn er dabei unter der Schwelle von 50 Zählern verharrte.

 

(mit Material von sda)