Lange Zeit galt die Brics-Vereinigung als zahnloser Papiertiger. Zu unterschiedlich erschienen die Ziele und Bedürfnisse der fünf grossen Schwellenländer (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika). Grosse gemeinsame Projekte suchte man denn auch vergebens.

Bis zum sechsten Jahrestreffen in brasilianischen Fortaleza. Nach jahrelangen Verhandlungen gaben die Brics diese Woche die Gründung einer eigenen Entwicklungsbank «New Development Bank» (NDB) bekannt. Zusätzlich wurde die Einrichtung eines Währungsfonds angekündigt. Mit dem sogenannten «Contigency Reserve Arrangement» (CRA) werden Devisen-Tausch-Vereinbarungen institutionalisiert.

Die beiden Einrichtungen sind grundsätzlich durchaus mit der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) vergleichbar. Trotzdem ist für die meisten Experten klar, dass die Brics-Institutionen diese nicht ersetzen können.

1. Wie viel Macht hat die neue Brics-Bank?

Die Ressourcen der neuen Entwicklungsbank sind von verschiedenen Faktoren abhängig – viele Modalitäten sind dabei noch nicht bekannt. Eine wichtige Rolle wird aber die künftige Kapitalbasis der Bank spielen. Neben den Einlagen der Mitgliedsländer spielt dabei die Kreditwürdigkeit (Bonität) ein grosse Rolle: Sie entscheidet darüber, wie einfach die neue Institution zu Geld auf dem internationalen Kapitalmarkt kommen wird.

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Das Londoner Beratungsunternehmen Capital Economics schätzt die künftigen Ausleihungen der Bank auf fünf bis zehn Milliarden Dollar im Jahr. Die Bank stünde damit weit hinter der Weltbank (32 Milliarden im Jahr 2013). Interessant ist, dass auch die staatliche Entwicklungsbank des Teilnehmerlandes China in einem ähnlichen Umfang Geld verleiht wie die Weltbank. Ob die Brics-Bank hier als Ergänzung oder Ersatz gedacht ist, bleibt im Moment offen.

2. Für wen ist die Entwicklungsbank gedacht?

Die Brics-Bank ist als Alternative zur Weltbank erdacht worden. Wie die Weltbank soll auch die NDB langfristige Entwicklungs- und Aufbauprojekte finanzieren. Werden die Bedingungen der Geldvergabe weniger streng als bei der Weltbank, dürfte die Nachfrage in den Schwellenländern sehr gross sein.

Dadurch entsteht jedoch auch ein grosses Konfliktpotenzial. Die beschränkten Kapazitäten der Bank werden zu Diskussionen bei den Mitgliedsländern führen. Die ärmeren Mitglieder Südafrika und Indien dürften für den Einsatz im eigenen Land plädieren. Für China, Russland und Brasilien könnte dagegen der Einsatz in anderen Entwicklungs- und Schwellenländern im Vordergrund stehen.

3. Was kostet die Teilnahme den Mitgliedern?

Die fünf Gründungsmitglieder haben sich zur Einlage von je 10 Milliarden Dollar verpflichtet. Für China ist dies in absoluten Zahlen nur ein kleiner Betrag, bei Südafrika entspricht dieser dagegen rund 20 Prozent der Währungsreserven. Experten gehen allerdings davon aus, dass nur ein kleiner Teil der versprochenen Summe tatsächlich bezahlt werden muss. Capital Economics rechnet mit rund zwei Milliarden Dollar tatsächlichen Kosten für die Mitglieder.

Zudem dürften gerade die beiden wirtschaftlich schwächsten Länder am meisten von der NDB profitieren: Sowohl Indien als auch Südafrika werden sicherlich zu den Empfängerstaaten der Kredite gehören.

4. Ist der neue Währungsfonds eine Kampfansage an den IWF?

So wie die Brics-Bank NDB das Gegenstück zur Weltbank darstellt, soll das Contigency Reserve Arrangement (CRA) eine Alternative zum IWF darstellen. Mit dem CRA können die fünf Mitgliedsländer Devisen tauschen, wenn sie in eine Bilanz-Krise geraten. Mit einer Grösse von 100 Milliarden Dollar ist das System aber relativ klein. Zudem ist es einzig auf die fünf Brics beschränkt.

Es sei deshalb unklar, ob das CRA überhaupt jemals zur Anwendung kommen werde, schreibt Capital Economics. Für die Schwellenländer mit dem grössten Bedarf nach einem Währungsaustausch (Venezuela, Argentinien) ist das System keine Option. Auch IWF-Chefin Christine Lagarde scheint den Währungsfonds nicht als Konkurrenz zu betrachten – und gratulierte den Brics-Staaten heute zur Gründung.