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WKK könnte wichtige Rolle spielen

Gemäss einer Studie des Bundesamtes für Energie könnten bis zum Jahr 2030 mit WKKAnlagen 30 Prozent des Stroms produziert werden

Energieerzeugung: Dezentral erstellte Wärmekraftkopplungs-Anlagen könnten einen Teil des künftigen Strombedarfs decken. Denn neue Technologien werden in ein paar Jahren marktreif sein.

Von Martin Stadelmann
am 28.04.2011

Im Jahr 2007 erreichte die Gesamtleistung der insgesamt 1150 Blockheizkraftwerke (BHKW) und Industrieanlagen mit Gasturbinen in der Schweiz rund 440 Megawatt elektrisch – mehr als das AKW Mühleberg (370 Megawatt). Sie produzierten allerdings nur etwa halb so viel Strom wie Mühleberg (1400 Gigawattstunden gegenüber 3000) – logisch, die meisten BHKW arbeiten wärmegeführt; ohne Wärmebedarf stehen sie still. Ihr Strom kommt also, wenn er gebraucht wird: Im Winter. Minergie bewertet den Strom mit Faktor 2. Im Haus erzeugter Strom kann doppelt von der Wärmebilanz abgezogen werden. So kann ein BHKW helfen, den Standard zu erreichen. Ein Beispiel: Im über 200 Jahre alten «Hirschen» in Diessenhofen konnte bei der Sanierung Minergie-Standard nur dank einem modulierenden 20-Kilowatt-elektrisch-BHKW, zusammen mit Sonnenwärme, erreicht werden. Modulierende BHKW liefern nämlich meist den grössten bilanzwirksamen Stromertrag. Je mehr Architekten dies wissen, desto häufiger werden solche Anlagen eingesetzt. Wenn das Bundesamt für Umwelt (Bafu) sie nicht killt.

Neue Grenzwerte als Killer

Ausgerechnet jetzt, wo die Zukunft des Atomstroms fraglicher wird, bedroht aber das Bundesamt für Umwelt solche BHKW! Klammheimlich will nämlich das Bafu die Stickoxid-Grenzwerte von bis anhin 250 Milligramm/Kubikmeter auf 70 oder 110 Milligramm/Kubikmeter (beide Zahlen sind im Umlauf) senken. Das ist mit Lambda1-Gasmotoren mit Dreiwege-Katalysator zwar machbar, ebenso mit Magermotoren und SCR-Katalysator und Harnstoff-Eindüsung. Aber leider nicht gratis! Also will man gezielt diese Technologie verteuern. Kleine Magermotoren mit Oxykat schaffen diese Grenzwerte nicht – erst recht nicht modulierend, weil dabei die Verbrennungs- und Abgastemperatur variiert und damit die Umwandlungsrate im Katalysator. Nachdenklich stimmt diese Verschärfung, weil gleichzeitig Holz- und Pelletsheizungen gefördert werden. Diese produzieren viel mehr Stickoxid als Blockheizkraftwerke, vom Feinstaub gar nicht zu reden.

Hoffen wir auf Vernunft! Oder wie Bundesrätin Doris Leuthard kürzlich sagte (allerdings im Zusammenhang mit Windenergie): «Wir werden in Zukunft noch froh sein über jede Kilowattstunde, die wir aus sauberer und sicherer Energie gewinnen!» Das trifft auch auf Erdgas zu, welches auch ohne Wind und Sonne geliefert wird.

Seit Jahren wissen die Kesselhersteller: Modulierende Gas-Kondensationskessel lassen sich kaum mehr verbessern; die Energieausnutzung ist am physikalischen Maximum angelangt. Etwas Neues muss kommen, was man auch teurer verkaufen kann: Die stromerzeugende Heizung oder das Mikro-BHKW. Das ist meist ein Gaskessel mit integriertem Stirling-Motor, der 1 Kilowatt Strom und 5–7 Kilowatt Wärme erzeugt. An der ISH vor zwei Jahren mit grossem Tamtam vorgestellt, sind die meisten Geräte (Viessmann, Vaillant, Elco usw.) seit kurzem im Feldtest. Nur Remeha (BDRThermea) hat Ende 2010 mit der Marktauslieferung des «eVita» begonnen (ein Stirling-Gerät von Baxi, im gleichen Konzern). Man hört, die Geräte funktionieren nicht problemlos. Keine Schande! Das ist eine neue Technik!

Sind diese Stirlings in ein bis zwei Jahren marktreif, werden sie zuerst im Heimmarkt, in der Nähe, verkauft. Anders gesagt: Nicht in der Schweiz. Keiner der Hersteller will zurzeit in den Export gehen.

Mikro-Kraftwerke noch nicht so weit

Wenn diese Mikro-BHKW erst in paar Jahren kommen, ist das immer noch früh genug. Man bedenke: Bis ein Ersatz-AKW steht, dürfte es – nachdem die Prüfung der Gesuche verschoben worden ist und damit die spätere Volksabstimmung – eher 2040 werden. Und dann muss sich dieses AKW über 40 Jahre amortisieren, so Alpiq-CEO Leonardi, plus 20 Jahre Geld verdienen – dann schreiben wir 2100! Damit das Umfeld stimmt, muss bis dann energiewirt- schaftliches «Ballenberg» betrieben werden. In dieser Zeit haben aber gegen fünf Heizkessel-Generationen ihr Leben ausgehaucht. Heisst der Ersatz in ein paar Jahren Mikro-BHKW, werden viele Häuser einen Teil ihres Stroms selber machen – und nicht nur mit Erdgas. Die Öl-Variante kommt normalerweise etwa 10 bis 15 Jahre später – da ist das AKW noch nicht amortisiert!

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