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Warnung
WTO-Chef sorgt sich über Trumps Handelspolitik

Roberto Azevedo (r.): Der Brasilianer warnt vor einem Handelskrieg. Keystone

Für WTO-Chef Roberto Azevedo gibt es keine Alternativen zum Freihandel. Anstatt mit Strafzöllen und anderen Barrieren den Handel abzuwürgen, müsse die USA in die Bildung investieren.

Veröffentlicht am 28.02.2017

Der Chef der Welthandelsorganisation WTO warnt US-Präsident Donald Trump vor den «katastrophalen» Folgen eines Handelskriegs. In einem Interview kritisierte Roberto Azevedo die wachsende Skepsis gegenüber dem Freihandel und forderte einen rationaleren Umgang mit dem Thema.

«Ohne Handel wird Amerika niemals ‹great again›», sagte WTO-Chef Roberto Azevedo der deutschen Zeitung «Bild» laut Vorabbericht vom Dienstag. «Wenn wir einen Handelskrieg erleben, wäre das katastrophal.»

«Katastrophe» für Deutschland

Folgen hätten Strafzölle und neue Handelsbarrieren vor allem auch für die deutsche Wirtschaft. «Speziell für das Exportland Deutschland wäre das eine Katastrophe», sagte Azevedo. Der WTO-Chef kritisierte zudem die weltweit zunehmende Skepsis gegenüber dem Freihandel: «Das Problem ist ein irrationaler Umgang mit diesem Thema.»

Es gebe einen «Mangel an Informationen» und «ein Bedürfnis nach einfachen und schnellen Antworten». Die Leute würden «vielen Fehlwahrnehmungen und Missverständnissen» aufsitzen. «Da sind zu viele Gefühle und zu wenig Fakten im Spiel.»

Bildung besser als Strafzölle

Statt durch Strafzölle US-Unternehmen zu schützen, solle Trump die eigene Wirtschaft durch Bildungs-Investitionen langfristig stärken, forderte Azevedo: «Sie können doch als Politiker nicht bloss andere Länder und böse Kräfte von aussen dafür verantwortlich machen», sagte der WTO-Chef an den US-Präsidenten gerichtet.

Trump hat einen protektionistischen Wirtschaftskurs angekündigt. Er drohte Strafzölle auf Waren aus dem Ausland an und erwähnte in diesem Zusammenhang ausdrücklich deutsche Autobauer.

Ära internationaler Handelsschranken?

Zudem besiegelte er den Ausstieg der USA aus dem Transpazifischen Freihandelsabkommen TPP und will das Nafta-Freihandelsabkommen zwischen den USA, Kanada und Mexiko neu aushandeln. International löste Trump die Sorge vor einer Ära internationaler Handelsschranken aus.

(sda/gku)

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