Die nachlassende Konjunktur in vielen Ländern hat nach Einschätzung der Welthandelsorganisation (WTO) auch einen Rückgang des Welthandels zur Folge. Die Organisation senkte ihre Vorausschätzungen für das laufende Jahr beim Exportwachstum im Vergleich zu 2010 auf 5,8 Prozent, nach der bisherigen Einschätzung vom April von 6,5 Prozent. Das teilte die WTO  in Genf mit. Im vergangenen Jahr hatte der Welthandel noch um 14,1 Prozent zugelegt.

Am Beispiel von Deutschland und Frankreich verweist die WTO darauf, dass dort die Steigerungen bei den Exportzahlen «bedrohlich zurückgegangen» seien. Die Zuwächse seien im Jahresvergleich in Deutschland von 36 Prozent im Mai auf 20 Prozent im Juni und sogar auf 16 Prozent im Juli gefallen. In Frankreich nahmen sie von 44 Prozent im Mai auf neun Prozent im Juli ab. Lediglich in einigen Schwellenländern - etwa China - laufe der Trend entgegengesetzt.

Handelsrückgang primär bei den Industriestaaten

Die WTO verweist auf die Unsicherheiten durch die Schuldenkrise in Griechenland, während sich die Folgen des Tsunami und der Kernkraftkatastrophe in Japan weniger stark auf den Handel ausgewirkt hätten als erwartet. «Derzeit scheint es so, als ob der Handelsrückgang sich hauptsächlich auf die Industriestaaten und dort auf Europa konzentriert», schreibt die WTO. Das zeige, dass eine Lösung bei der Schuldenkrise helfen könnte, ernsthaftere Rückschläge zu vermeiden.

Die Entwicklungs- und Schwellenländer könnten laut WTO mit einem Exportwachstum in diesem Jahr von 8,5 Prozent (2010: 16,1 Prozent) rechnen. Die Industriestaaten könnten in diesem Jahr einen Zuwachs ihrer Exporte um 3,7 Prozent (12,9) erwarten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde in diesem Jahr in den Industriestaaten um 1,5 (2010: 2,7) Prozent und in den Entwicklungsländern um 5,9 (7,1) Prozent steigen. Die Steigerung beim weltweiten BIP dürfte demnach in diesem Jahr bei 2,5 nach 3,7 Prozent im Jahr 2010 liegen.

(rcv/awp)