Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD meldete sich jüngst besorgt zu Wort: Um jeden Preis müsse vermieden werden, dass sich der Markt für Schweizer Wohnimmobilien überhitze. Notenbank und hiesige Geldhäuser hätten dafür zu sorgen, dass die Zinsen angehoben würden. Doch ist die Lage am Schweizer Immobilienmarkt wirklich so dramatisch? Experten der UBS schlussfolgern in ihrer jüngsten Studie, dass sich der Liegenschaftenmarkt zwar in einer Boomphase befinde – insbesondere am Zürich- und Genfersee –, von einer Blase aber nicht die Rede sein könne. So bleibt den Akteuren des Immobliengeschäfts also etwas Zeit, die Dinge richtig zu machen.

Die Grossprojekte, die in der Schweiz immer noch ungebremst in den Himmel streben, bedürfen einer besonders sorgfältigen Planung, wobei bereits vor Baubeginn abgeschlossene Mietverträge als Fundament fungieren. Strikte einzuhalten – von Eigenheimbesitzern wie ihren Geldgebern, den Banken –, sind auch die Regeln für Belehnung und Tragbarkeit. Denn auch wenn sich der Zinsanstieg bisher verzögert hat, ist doch noch dieses Jahr mit einer restriktiveren Zinspolitik der SNB zu rechnen. Und schliesslich müssen die Pensionskassen, die sich derzeit überall im Land Renditeliegenschaften zusammenkaufen, grösste Vorsicht walten lassen. Mit den Investments von heute müssen sie noch auf Jahrzehnte hinaus die Ansprüche der Vorsorgeversicherten bezahlen. Das regulatorische Umfeld befindet sich derweil im Umbruch (siehe Seite 53). Die Nachfrage ausländischer Käufer nach Schweizer Liegenschaften und Grundstücken unterzieht althergebrachte Gesetzeswerke wie die Lex Koller einer neuen Belastungsprobe. Und der Beschluss zum Atomausstieg wird im Bereich Bau und Netzwerke neue Standards hervorbringen, die im Dienste der Energieeffizienz und Nachhaltigkeit stehen.