Die Konjunkturperspektiven für die Schweiz haben sich gemäss den Ökonomen des Bundes eingetrübt. Die Experten gehen indes davon aus, dass die jüngsten Schwächesignale der Schweizer Wirtschaft nur eine konjunkturelle Verschnaufpause darstellen und sich die Wirtschaftsdynamik allmählich wieder verstärken dürfte, meldete das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Donnerstag in einer Medienmitteilung.

Entsprechend passt das Seco seine Wachstumsschätzungen an: Für das laufende Jahr wird neu mit einem BIP-Wachstum von 1,8 Prozent (bisher 2,0 Prozent) gerechnet und für 2015 mit einer Beschleunigung auf 2,4 Prozent (bisher 2,6 Prozent). Die konjunkturstützenden Faktoren Tiefzinsen und Zuwanderung dürften auch im kommenden Jahr weiter andauern und besonders die Bauinvestitionen und die private Konsumnachfrage positiv beeinflussen. Daneben dürfte sich das Umfeld für die Exportwirtschaft zögerlich aufhellen.

Prognose für Arbeitslosigkeit korrigiert

Die inländischen wie die aussenwirtschaftlichen Impulse würden nun etwas schwächer eingeschätzt als bisher, so das Seco weiter. Wegen der langsameren Konjunkturbelebung dürfte sich der Rückgang der Arbeitslosigkeit in der Schweiz verzögern und erst im Verlauf von 2015 einsetzen.

Anzeige

Auch hier werden die Prognosen entsprechend korrigiert. Gemäss der neuen Prognose dürfte die Arbeitslosenquote 2014 im Jahresdurchschnitt 3,2 Prozent betragen (bisherige Prognose 3,1 Prozent) und 2015 leicht auf 3,1 Prozent sinken (bisher 2,8 Prozent).

Lahmendes Umfeld

Im Sog einer noch immer wenig gefestigten Weltwirtschaft, insbesondere der wieder ins Stocken geratenen Erholung im Euroraum, habe der schweizerische Konjunkturmotor seit dem Frühjahr 2014 an Fahrt verloren, heisst es weiter. Vor allem im Euroraum deuteten die schwachen Konjunkturindikatoren der letzten Monate  darauf hin, dass die Konjunkturerholung noch schleppender vorankomme als bisher angenommen. Für zusätzliche Verunsicherung hätten offenbar auch die geopolitischen Spannungen gesorgt.

Für die anderen Weltregionen seien die Konjunkturaussichten sehr gemischt. Relativ freundlich sei das Bild für die USA. In den Schwellenländermärkten wiederum seien ausgeprägte Schwächetendenzen in Lateinamerika sowie in Russland auszumachen. Demgegenüber erweise sich in Asien die chinesische Wirtschaft als relativ robust und Indien scheine die Wachstumsverlangsamung der letzten Jahre zu überwinden.

Bremsspuren beim BIP-Wachstum

So habe auch der schweizerische Konjunkturmotor seit Frühjahr 2014 an Fahrt verloren. Im zweiten Quartal 2014 hätten sich Bremsspuren beim BIP-Wachstum (bescheidene Zunahme um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal) wie bei der Beschäftigung (kein weiterer Anstieg) gezeigt. Angesichts der stotternden Konjunktur auf wichtigen Auslandmärkten lasse eine durchgreifende Belebung der schweizerischen Exporte weiter auf sich warten. Hinzu komme, dass die inländische Nachfrage im ersten Semester 2014 an Dynamik eingebüsst habe.

Angesichts dieser jüngsten Schwächesignale stelle sich auch für Schweiz die Frage, ob die Fortsetzung der positiven Wirtschaftsentwicklung ernsthaft in Frage gestellt ist. Gegen eine länger andauernde Konjunkturschwäche sprechen gemäss dem Seco allerdings die in der Grundtendenz freundlich bleibenden Aussichten für die Inlandkonjunktur.

Anzeige

Zuwanderung als Konjunkturstütze

Vor diesem Hintergrund behält das Seco ihr grundlegendes Prognoseszenario bei, dass die Schweizer Konjunktur durch eine anhaltend robuste Inlandnachfrage und eine langsame Exporterholung gestützt werden und sich die Wirtschaftsdynamik allmählich wieder verstärken dürfte.

Doch auch wenn die Prognose für die Schweizer Wirtschaft weiterhin relativ positiv ausfalle, sei nicht zu übersehen, dass sich die Risiken in jüngster Zeit spürbar erhöht hätten. Die Entwicklung der letzten Monate habe erneut bestätigt, wie fragil und verwundbar die Wirtschaftserholung im Euroraum gegenüber negativen Ereignissen (z.B. geopolitische Krisen) nach wie vor sei.

(awp/ise/ama)