Nach Irland, Griechenland und Portugal ist auch Zypern die Rückkehr an die Finanzmärkte geglückt. Dabei stieß das gebeutelte Euro-Land bei Investoren am Mittwoch auf reges Interesse. Die Regierung in Nikosia bot rund ein Jahr nach der Zuflucht unter den Euro-Rettungsschirm einen fünfjährigen Bond über 750 Millionen Euro mit einer Rendite von 4,85 Prozent an, damit muss das Land allerdings mehr versprechen als zuletzt Portugal oder Irland. Die Nachfrage der Anleger lag mit zwei Milliarden mehr als doppelt so hoch, wie die Thomson-Reuters-Tochter IFR unter Berufung auf die Banken berichtete, die den Deal begleiten.

«Wir bieten nicht mit, weil Zypern der solideste Schuldner in der Welt ist, sondern weil es eine Jagd nach Rendite gibt», sagte Guido Barthels, der bei Ethenea in Luxemburg die Investitionsentscheidungen verantwortet. «Was sonst gibt es noch im Euro-Raum zu kaufen?» Ähnlich sah es Stuart Culverhouse, Chefvolkswirt von Exotix Partners: «Die Rendite, die Zypern anbietet, ist attraktiv für Investoren.» Dies gelte vor allem im Vergleich zu anderen Euro-Krisenländern, deren Renditen inzwischen nur noch um zwei bis drei Prozent pendelten. Angesichts dieses Anlagenotstands warnte Commerzbank-Stratege Michael Leister vor eine Spekulationsblase bei einigen Staatsanleihen.

Sanierung des aufgeblasenen Bankensektors

Vor mehr als einem Jahr hatten die Partner dem vom Staatsbankrott bedrohten Land zehn Milliarden Euro an Unterstützung zugesprochen. Im Gegenzug verpflichtete sich Zypern zu einer tiefgreifenden Sanierung des überdimensionierten Bankensektors. Zuletzt bekam der Inselstaat für seine Krisenbewältigung allerdings gute Noten von den internationalen Geldgebern.

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Auch anderen Krisenländern gelang zuletzt ein Comeback. So kam Portugal Ende April mit seiner ersten Anleihen-Emission seit drei Jahren gut bei den Investoren an. Die Auktion des Bonds mit zehnjähriger Laufzeit spülte 750 Millionen Euro in die Staatskasse. Die Durchschnittsrendite für das Papier lag bei 3,58 Prozent und damit auf einem Rekordtief. Die Nachfrage der Anleger übertraf das Angebot um das 3,5-Fache. Kürzlich lösten sich die Südwesteuropäer vorzeitig vom Tropf der internationalen Kreditgeber und verzichteten dabei auf Milliardensummen. Die letzte Tranche aus dem Rettungsprogramm seiner europäischen Partner und des IWF wird das Land nicht mehr abrufen.

Musterknabe Irland mit Zehn-Jahres-Anleihe

Auch Irland hat den Rettungsschirm bereits verlassen und ist mit der Emission einer Zehn-Jahres-Anleihe erfolgreich an den Finanzmarkt zurückgekehrt. Griechenland konnte Investoren im April mit einer fünfjährigen Anleihe ködern. Allerdings musste die Regierung in Athen, die immer noch am Finanztropf der Euro-Partner und des IWF hängt, Anlegern mit 4,75 Prozent eine deutlich höhere Rendite bieten als Portugal.

(reuters/gku/me)