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«Zypern ist zu unbedeutend»

Chefökonom Armin Müller: «Krisenmanager der Eurozone nicht fähig» (Bild: Bruno Arnold)

Die Euro-Krise flammt neu auf, die USA und Grossbritannien korrigieren ihr Wachstum nach unten. Muss nun auch die Schweiz mit einem Rückschlag rechnen? Armin Müller, Chefökonom der «Handelszeitung», a

Von Stefan Eiselin (Interview)
am 21.03.2013

«Handleszeitung Online»: Die USA, Grossbritannien und Dänemark korrigierten ihre  Wachstumsprognosen nach unten. Warum kommen diese Korrekturen gerade jetzt?
Armin Müller: Die Konjunktur in Europa läuft nach wie vor nicht rund. Nur Deutschland bildet eine Ausnahme. Die Schwäche liegt vor allem an der schwachen inländischen Nachfrage. Unternehmen und Konsumenten halten sich zurück, weil die Euro- Krise ungelöst bleibt und die Arbeitslosigkeit steigt. Die Prognosen für die USA sind möglicherweise zu pessimistisch, weil man starke Bremseffekte wegen des politischen Streits um Haushaltkürzungen erwartet. Die neuesten Konsumdaten sind besser als erwartet, die Arbeitslosigkeit geht zurück. Es würde mich nicht wundern, wenn die USA konjunkturell positiv überraschen würde.

Folgen bald noch andere Länder mit Revisionen?
Das ist möglich. Aber ich würde derzeit nicht so stark auf die Prognosen schauen. Gute vorauseilende Indikatoren sind die Umfragen bei Einkaufsmanagern. Beispielsweise wurde heute der neue Wert für China veröffentlicht, der auf eine Beschleunigung der Konjunktur hinweist. Für Europa und die USA werden heute ebenfalls neue Daten erwartet.

Gleichzeitig ist aber die Euro-Krise zurück, die man schon überwunden glaubte. War man da zu positiv gestimmt?
Ganz offensichtlich. Die Europäische Zentralbank hat mit dem Versprechen, bei Bedarf Staatsanleihen der Krisenländer zu kaufen, die Märkte beruhigt. Das hat aber es den Politikern erlaubt, die Lösung der grossen Probleme in der Währungsunion weiter auf die lange Bank zu schieben. Vor neun Monaten hat Zypern den Hilfsantrag gestellt. Und offensichtlich waren die Krisenmanager der Eurozone in dieser Zeit nicht fähig, eine Lösung zu erarbeiten, die länger als 48 Stunden Bestand hatte.

Was bedeutet das Zypern-Chaos für die Schweiz?
Je länger eine Lösung auf sich warten lässt, desto stärker wird der Druck auf den Franken. Bis vor kurzem musste die Nationalbank nicht mehr am Devisenmarkt intervenieren. Das könnte sich wieder ändern. Aber Zypern ist zu unbedeutend, die Wirtschaftsleistung entspricht etwa jener des Kantons Tessin. Ich erwarte deshalb keine starken Auswirkungen auf die Schweiz.

Müssen sich die Firmen nun wieder auf einen stärkeren Franken einstellen?
Die Nationalbank hält den Mindestkurs von 1.20 zum Euro. Darauf können sich die Unternehmen verlassen.

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