Die Zentralbank bleibt hart. Sie beschloss, die maroden Bankendes Landes auch am Donnerstag und Freitag geschlossen zu halten. Die Entscheidung liege im allgemeinen Interesse, hiess es zur Begründung. Da am MontagNationalfeiertag ist, werden die Institute damit nicht vor Dienstag kommender Woche wieder öffnen. Möglicherweise werden vorläufig auch eine Reihe von Einschränkungen für Geldüberweisungen ins Ausland gelten, berichtete das Staatsradio.

Über die weitere Schliessung der Banken war zuvor bereits spekuliert worden. Es wird ein Run der Kunden befürchtet, die um ihre Einlagen fürchten. Sollten massenhaft Gelder abgezogen werden, wäre das für die Institute zudem kaum zu verkraften.

Der zyprische Ministerrat war am Mittwochabend unter Vorsitz des zyprischen Präsidenten Nikos Anastasiades zusammengekommen, um die verfahrene Situation zu beraten. Es werde keine Statements oder Pressemitteilungen geben, hiess es aber.

Putin will nicht

Derweil tut sich die Führung in Moskau noch immer schwer mit Hilfe für Zypern. Höflich empfingen Regierungsmitglieder in der russischen Hauptstadt den zyprischen Finanzminister Michalis Sarris. Der sucht verzweifelt nach frischem Geld, erst bei seinem Amtskollegen Anton Siluanow, dann bei Vizeregierungschef Igor Schuwalow. Aber die wichtigste Tür im Kreml bleibt zu für ihn.

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Russlands Präsident Wladimir Putin lässt nach einem Telefonat mit Präsident Nikos Anastasiades mitteilen, dass Zypern auch nach dem Scheitern eines Rettungsplanes im Parlament weiter mit der EU verhandeln müsse. Seit Tagen warnt der Kremlchef aber scharf auch davor, den Interessen der Russen zu schaden.

Auch Barroso kommt

Da passt es nur, dass noch am Mittwochabend EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso in Moskau landen sollte. Bis Freitag ist sein Aufenthalt in Moskau geplant. Diplomaten in Brüssel und Moskau machen deutlich, dass es bei den breit angelegten Gesprächen auch um Zypern gehe.

Zyperns Minister Sarris, der seine Gespräche in Moskau gut und ehrlich nennt, hat zunächst nichts in der Hand. Auf einen neuen Kreditantrag von fünf Milliarden Euro, den Zypern Anfang Juli 2012 gestellt hatte, hat Moskau bis heute nicht reagiert. Sarris will erreichen, dass der 2011 von Russland gewährte Kredit von 2,5 Milliarden nicht in viereinhalb, sondern in fünf Jahren zurückgezahlt werden kann - und die Zinsen von bisher 4,5 Prozent pro Jahr niedriger ausfallen.

Mit vielen Klauseln

Kommentatoren erwarten, dass die Russen sich jedwede Hilfe am Ende üppig vergolden lassen werden. Bisher nur inoffiziell ist die Rede von möglichen Förderrechten für den Gasmonopolisten Gazprom vor der zyprischen Küste. Oligarchen diskutieren auch über einen Kauf angeschlagener zyprischer Banken.

Nach russischen Ankündigungen, Teile der Kriegsflotte dauerhaft im Mittelmeer zu stationieren, fragen sich Beobachter, ob auch eine Marinebasis auf Zypern zum Geschäft gehören könnte. Angesichts des Bürgerkriegs in Syrien dürfte Russland längst nach einem Ersatz für seinen Stützpunkt in Tartus suchen.

27 Milliarden Dollar

Russland habe jetzt die grosse Chance, sich als wichtiger Akteur auf der Weltbühne zu behaupten, meint der Oligarch Michail Prochorow in der Wirtschaftszeitung "Wedomosti". Russland habe das Geld dafür.

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Die Summe der russischen Einlagen in Banken auf Zypern werden auf 27 Milliarden Dollar geschätzt. Experten betonen aber auch, dass die grossen russischen Geschäftsleute ihr Geld längst anderswo in Sicherheit gebracht hätten.

Zypern ist für die Russen allenfalls als Transitland für Geldüberweisungen interessant und auch deshalb, weil Firmen dort aus russischer Sicht extrem leicht zu registrieren sind, wie die Zeitung "Kommersant" schreibt. Gebunkert würden die russischen Milliarden in viel zuverlässigeren Ländern wie der Schweiz, Luxemburg und Grossbritannien, heisst es in Moskau.

Krisenszenarien

Dort rechnen Banken und Geschäftsleute weiter Krisenszenarien für Zypern durch: Die Stimmung schwankt zwischen Besorgnis und Gleichgültigkeit, heisst es in Kommentaren. Die VTB Bank teilte mit, dass sie schlimmstenfalls mit einigen Dutzend Millionen Euro Verlust rechnen müsse. Zwei Milliarden Euro halte die Bank über ihre Tochter Russian Commercial Bank auf Zypern als Einlagen. Das Konzernergebnis werde das nicht verzerren. Aber die Bank betonte auch, dass ihr Zypern-Geschäft nun auf den Prüfstand komme.

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(se/awp/sda)