1. Home
  2. Innovatives Fintech-Zentrum

Liechtenstein
Grünes Licht für Fintech

Vaduz Castle, the official residence of the Prince of Liechtenstein, with Alps mountains in background
Liechtenstein mausert sich zu einem Fintech-Zentrum.Quelle: ©Mara Zemgaliete - stock.adobe.com

Liechtenstein präsentiert sich als innovatives Fintech- Zentrum. Die Finanzmarktaufsicht unterstützt die Akteure und sorgt für eine wirksame Regulierung.

Von John Wicks
am 17.09.2018

Dem Finanzzentrum Liechtenstein geht es besser denn je. Im Privatkundenbereich fliesst das Neugeld reichlich, das verwaltete Vermögen hat im vergangenen Jahr alle Rekorde gebrochen und die Gewinne erreichten neue Höchststände. Nun stösst das Ländle auch auf einem ganz anderen Gebiet vor. Mit starker Unterstützung durch die Landesregierung etabliert sich Liechtenstein als vielversprechender Standort für den Bereich Fintech. Pluspunkte sind laut Patrick Bont, Leiter Bereich Banken und Geschäftsleitungsmitglied der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein (FMA), die EWR-Mitgliedschaft mit entsprechendem Passporting-Privileg, ein stabiles und innovationsfreundliches Umfeld, starke Vernetzungen und nicht zuletzt «zugängliche Behörden». In diesem Zusammenhang hat die FMA im März 2016 die Arbeitsgruppe Regulierungslabor ins Leben gerufen. Das im nationalen Innovationsprogramm Impuls Liechtenstein eingebettete Kompetenzteam trifft sich seitdem regelmässig zu Diskussionen, namentlich über Fintech-Geschäftsmodelle und aufsichtsrechtliche Fragen zu Digitalisierungsprojekten. «In den ersten zwei Jahren erlebte das Team einen Ansturm, der uns selber überrascht hat», sagt Bont. Es bestehe ein hohes Interesse seitens in- und ausländischer Unternehmen aus dem Fintech-Umfeld, in Liechtenstein tätig zu sein. Allein im Laufe von 2017 hat es über 100 Anfragen gegeben. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres sind weitere 90 dazugekommen.

 

Schnittstelle zwischen Markt und Regulierung

Vor dem Hintergrund der gestiegenen Anforderungen ging nun Anfang Juni aus dem Regulierungslabor eine eigenständige Gruppe namens Regulierungslabor/Finanzinnovation hervor. Zu den Aufgaben der von Dorothea Rohlfing geführten «Schnittstelle zwischen Markt und Regulierung» zählen die Bearbeitung von Fintech-Anfragen, die Koordinierung von Arbeiten in den behandelten Bereichen und die Weiterentwicklung des Fachwissens seitens der FMA selbst. Mit der Stärkung des Regulierungslabors reagiert die FMA auf die wachsende Anzahl Anfragen und die hohe Komplexität, heisst es. Dazu Patrick Bont: «Die Innovation soll vom Markt kommen, die Rahmenbedingungen aber vom Staat».

 

Vorbereitung für das erste Blockchain-Gesetz

Bis jetzt sind im Fürstentum rund zwei Dutzend Fintech-Unternehmen entstanden. Laut Dorothea Rohlfing gehören die meisten zu den Geschäftsfeldern Blockchain und Kryptowährungen. Rund zwei Drittel der Unternehmen sind Start-ups, der Rest verteilt sich auf Banken und Technologie- oder Beratungsfirmen, sagt sie. Die meisten Aktivitäten auf diesem Gebiet brauchen zwar keine Bewilligung von der FMA, Dienstleistungen im Zusammenhang mit Kryptowährungen müssen aber angemeldet und Sorgfaltspflichten eingehalten werden. «Bei jedem Modell wägen wir etwaige inhärente Risiken ab», betont Bont. «Wir haben Europa dahingehend vorgegriffen, indem in Liechtenstein tätige Wechselstuben, die Krypto- gegen gesetzliche Währungen eintauschen, den Geldwäsche- und Sorgfaltspflichtgesetzen unterstehen.»  Eine besondere Pionierleistung besteht in der Vorbereitung eines Blockchain-Gesetzes als eines der ersten seiner Art. Nach Aussage von Regierungschef Adrian Hasler geht es darum, «die Entwicklung der Blockchain-Ökonomie durch gute staatliche Rahmenbedingungen zu unterstützen». Das Ziel bestehe darin, Geschäftsmodelle rund um Blockchain und digitale Währungen regulatorisch einzubinden und Rechtssicherheit zu gewährleisten. Eine Vernehmlassung steht bevor und das Gesetz könnte im Sommer 2019 in Kraft treten.

 

Innovative Banken

Unter den liechtensteinischen Finanzdienstleistern spielt Bank Frick eine besondere Rolle. Die in Balzers beheimatete Familienbank bietet professionellen Marktteilnehmern und Finanzintermediären als erste im Ländle den Handel in fünf führenden Kryptowährungen mit sicherer Offlinelagerung. Im September 2017 lancierte die Bank das erste Basket-Tracker-Zertifikat auf Bitcoin und Ether. Und die liechtensteinische Union Bank hat eine «bahnbrechende Kryptowährungs- und Blockchain-Initiative» angekündigt: Sie werde «als weltweit erste voll lizenzierte und regulierte Bank» eigene Security-Tokens herausgeben. Vorgesehen ist nach Abstimmung mit der FMA der sogenannte Union Bank Payment Coin, die vollständig durch eine Fiat-Währung wie dem Franken gestützt wird. Die Bank wird mit der Zürcher Blockchain-Boutique Verum Capital zusammenarbeiten.

 

Viele ausländische Interessenten

Liechtenstein präsentiert seinen Fintech-Bereich aktiv und erfreut sich offenbar vieler Interessenten aus dem Ausland, so zum Beispiel aus den USA, aus Japan und natürlich aus der Schweiz. Es gehört zu den Attraktionen, dass Liechtensteins Banken – im Gegensatz zu den meisten Schweizer Instituten – bereit sind, Start-ups die nötige Finanzierung bereitzustellen.  Zudem gibt es einen ganz überzeugenden Beweis, dass der Ruf auch zu Hause erhört wurde: Kronprinz Alois ist überzeugt, dass Anlagen in Kryptowährungen das erhebliche Vermögen der fürstlichen Familie noch weiter stärken können. Nun stösst das Ländle auch auf einem ganz anderen Gebiet vor. Mit starker Unterstützung durch die Landesregierung etabliert sich Liechtenstein als vielversprechender Standort für den Fintech-Bereich. 

 

Das Neueste aus der Branche

Erhalten Sie wöchentlich unseren Newsletter mit den aktuellsten News aus der Welt der Banken.