Das Programm hakt mal wieder? Die Emotionen kochen hoch? Vielleicht lieber erst mal eine Runde um den Block gehen, bevor man den Laptop aus dem Fenster schmeisst. Die Computer der Zukunft erkennen zum Glück rechtzeitig, wenn Sie wütend werden – und greifen ein, bevor man selbst etwas tun kann, das man Sekunden später möglicherweise bereut. Sie empfehlen Frischluft und wählen in der Zwischenzeit selbstständig die Nummer des Tech-Supports. 

Das ist nur eine der vielen Visionen, die derzeit durch die Tech-Welt schwirren. Die Forschung an Geräten, die unsere Emotionen lesen und entsprechend darauf reagieren können, läuft auf Hochtouren, wie Nick Bilton in der New York Times schreibt.

Per Herzfrequenz und Blutdruck konnten auch früher schon Rückschlüsse auf schlechte Stimmungen gezogen werden. Aber die Ergebnisse blieben vage, ausserdem mussten die Sensoren wie etwa beim EEG umständlich auf der Kopfhaut platziert werden. Die Gefühlssensoren der neuen Generation messen dagegen direkt über die Haut oder angesichts des Gesichtsausdrucks, ob wir gerade glücklich, traurig oder gelangweilt sind. 

 

Die Universität Stanford experimentiert mit Spielekonsolen, die die Stimmung des Spielers erfassen und den Spielverlauf entsprechend anpassen können. Der Spiele-Controller aus Stanford jagt zum Beispiel eine kleinen elektrischen Impuls von einem Arm zum anderen. Je angespannter der Spieler ist, desto länger dauert das.

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Autos, die die Farbe wechseln

Das Stanford-Labor forscht nebenbei auch an Sensoren, die im Auto zum Einsatz kommen sollen. Die Kollegen vom MIT träumen (s. Video) von Autos, die andere Verkehrsteilnehmer warnen sollen, wenn der Fahrer wütend ist. Wie? Das Auto wechselt einfach die Farbe, entsprechend der Stimmung seines Fahrers (wie wäre das eigentlich bei Fluchtfahrzeugen nach Banküberfällen?). 

In Zukunft sollen die Sensoren in immer mehr Feldern zum Einsatz kommen. Smartphones könnten so die Messaging-App sperren, wenn man gerade ein bisschen zu aufgebracht ist. Autos könnten rechts ranfahren und den Motor abstellen, damit man erst mal tief durchatmen kann. In der Schule könnten Sensoren Lehrer warnen, wenn ihre Schüler gelangweilt oder müde sind. Die können dann schnell den Lehrplan anpassen, um ihre Schüler bei der Stange zu halten.

Stimmungssteine des digitalen Zeitalters

Auch Unternehmen werden von dem möglichen Marktpotential angelockt und zeigen Gefühle. Sony Ericsson experimentiert derzeit mit Smartphone-Kameras, die Gesichter lesen und passend zur Stimmung die Musik auswählen sollen. Das Samsung Galaxy S5 besitzt einen eingebauten Herzfrequenzmesser, der theoretisch nicht nur weiss, wie wie gesund der Körper ist, sondern auch, wie es um den Geist steht. Und das Start-up Affdex will dank der Sensoren erkennen, wie wir auf Werbung und Marken reagieren, ohne dafür auf staubige Telefonumfragen angewiesen zu sein. 

Bei all den Ideen besteht allerdings die Gefahr, dass die Sensoren zum schlechten Gimmick verkommen, eine Art Stimmungsstein im digitalen Zeitalter. Apropos: Research in Motions aka Blackberry liess sich schon 2005 einen entsprechend Sensor fürs Smartphone patentieren. Das System soll an der Art, wie wir tippen, erkennen, was wir fühlen - und die betreffenden Wörter entsprechend hervorheben. Hoffen wir, dass es sie noch lange genug gibt, um es einzusetzen.

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Dieser Artikel erschien zuerst auf Bold Economy – das umfassende Nachrichtenportal zur digitalen Revolution.