Wäre ich diese Woche etwas fauler gewesen und hätte ich mehr Burger und weniger Obst gegessen, wäre ich jetzt deutlich ärmer. 55 Dollar ärmer, um genau zu sein. Also bin ich fleissig 10'000 Schritte am Tag gelaufen, habe Äpfel, Bananen und Brokkoli gemümmelt. Es war ein langer Winter, nicht nur in New York. Um sich vom warmen Sofa aufzuraffen und Sport zu treiben oder statt heisser Schokolade zu trinken in einem Salat zu stochern, braucht es etwas mehr als einfach nur die Aussicht auf den nächsten Strandtag. 

Die App «Pact» zum Beispiel. «Pact» setzt auf ein knallhartes Belohnungs- und Bestrafungssystem, um uns ins Fitnessstudio zu treiben und in die Banane beissen zu lassen. Denn wer den Trainingsplan nicht einhält oder zu wenig Obst und Gemüse isst, der muss Strafe zahlen. Bis zu zehn Dollar werden pro verpasster Trainingseinheit fällig, bis zu fünf für einen Tag ohne Gemüse. Das, so glauben die Co-Gründer Yifan Zhang und Geoff Oberhofer, schmerze genug, um den inneren Schweinehund auch an besonders hartnäckigen Tagen zu überwinden. 

Für Fleiss winkt Geld

Im Gegenzug winkt dafür Bares, wenn die gesteckten Ziele erreicht werden. Denn wer mehrmals pro Woche ins Fitnesstudio oder auf die Laufstrecke geht, bekommt ebenso Geld aus dem Pact-Pool wie die, die auf ihre Ernährung achten. Gezahlt wird das von den faulen Mitgliedern, die es mal wieder nicht geschafft haben. Wie viel man verdient, hängt entsprechend davon ab, wie viele Nutzer in der vergangenen Woche nicht durchgehalten haben. Inzwischen kooperiert Pact obendrein mit zahlreichen Versicherungen: Wer fleissig ist, dessen Prämie sinkt.

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Hat man sich einmal angemeldet, ist die App gnadenlos. Einfach so mitten in der Woche die Meinung zu ändern und das Sportprogramm abbrechen ist nicht möglich. Pausieren kann man erst am darauffolgenden Montag - oder mit ärztlichem Attest. Denn wer krankheitsbedingt unterbrechen will, der muss das genauso glaubhaft nachweisen wie das Sport- und Ernährungsprogramm.

Verpflichtungen müssen eingehalten werden

Zum Start verpflichte ich mich, dreimal in der Woche Sport zu treiben und jeden Tag ein bisschen Obst und Gemüse in den Tag einzustreuen. Als Sport zählt dabei jeder Check-in im Fitnessstudio, jeder Lauf über 30 Minuten und eine Schrittzahl jenseits der 10’000er-Marke. Um Punkte auf dem Ernährungskonto zu sammeln, muss man die Pact-Gemeinde mit Fotos überzeugen: Ein Foto, wie ich genüsslich in eine Banane beissnne, erhält neun Herzen von anderen Mitgliedern und sichert mir damit den ersten Tage. Das Oatmeal mit Apfel, Banane und Walnüssen schafft es am nächsten Tag ebenfalls. Die Zustimmung zu meinem Toast mit Apfel und Mandelbutter lässt auf sich warten.

Bei meinem Sport-Pakt muss ich mich vorerst auf den Schrittzähler am iPhone verlassen. Eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio habe ich derzeit nicht, zum Laufen im Park ist es mir zu kalt - und meine halbe Stunde Crossfit am Morgen im Wohnzimmer fällt durchs Pact-Raster, weil ich meine Herzfrequenz nicht messen kann und so keinen glaubwürdigen Weg habe, mein Sportprogramm nachzuweisen. Deshalb drehe ich seit einigen Tagen auf dem Weg nach Hause ein paar Extrarunden durchs Viertel, um sicherzustellen, dass mir Pact am Tagesende nicht zehn Dollar über die eingebaute Paypal-Verknüpfung abknöpft.

Schummeln ist nicht

Denn mit Schummelei kommt man bei Pact nicht weit. Um das Risiko für Missbrauch zu minimieren, setzt das Programm auf zahlreiche Sicherheitsmassnahmen. Bei den Beweisfotos vom Essen prüft die App,  ob die Bilder auch tatsächlich mit dem eigenen Smartphone gemacht wurden, das Obst und Gemüse in der Auslage im Supermarkt wird von der Pact-Gemeinde nicht anerkannt - und ein Check-in im Fitnessstudio zählt nur dann, wenn man sich laut GPS auch mindestens eine halbe Stunde am selben Ort aufgehalten hat. Die einzige Möglichkeit, das Programm auszutricksen, ist also ein Café gleich nebenan. Doch die Macher hoffen, dass der ausgeschüttete Geldbetrag gerade gross genug ist, um zu motivieren, aber zu klein, um tatsächlich den Aufwand für systematische Tricksereien zu rechtfertigen.  

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Für diese Woche habe ich mein Sportsoll erfüllt. Wieviel mir das eingebracht hat, erfahre ich erst am Sonntag - wenn feststeht, bei wie vielen der innere Schweinehund noch immer grösser war als die Angst vor einem Loch im Portmonee.

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf Bold Economy – das umfassende Nachrichtenportal zur digitalen Revolution.