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App-Kritik
Der Tag danach: Die Bilder der Partynacht

Solche Bilder werden erst nüchtern wieder betrachtet.   Keystone

Na, wieder mit einem dicken Kater aufgewacht? Was genau passiert ist, lässt sich meist an den Fotos des Handys nachvollziehen. Bei Flashgap gibt es die aber erst am nächsten Tag.

Von Thorsten Schröder (Bold Economy)
am 12.05.2015

Der ganz grosse Exzess bleibt bei mir in der Testwoche aus. Alles, was ich anbieten kann, ist ein Abendessen mit drei Gläsern Rotwein beim Italiener. Ich kann mich am nächsten Morgen noch gut daran erinnern, kein Filmriss, keine Lücken. Das ist gut, denn Beweisbilder gibt es keine - jedenfalls noch nicht: Die Bilder befinden sich auf Flashgap, einer App, die sie aufhebt, bis der Alkohol aus dem Blut wieder verschwunden ist. 

Lange Nächte protokollieren wir längst selbstverständlich auf unseren Smartphones, jeder für sich und solange der Finger noch den Auslöser der Kamera findet. Im ungünstigten Fall sind einige der meist wenig schmeichelhaften Bilder schon auf Instagram, Facebook oder Twitter gelandet, noch bevor wir den Kater überwunden haben.

Um Punkt 12 Uhr Mittags sind die Bilder da

Davor soll uns Flashgap jetzt bewahren. Gemeinsam mit Freunden oder alleine kann man in dem Programm ein Album für die Nacht anlegen, in dem alle Beteiligten ihre Erinnerungen sammeln können. Doch anders als etwa Eversnap oder die Sharing-Funktionen in Apples Foto-App können die Bilder nicht sofort angeschaut werden. 

 Nachdem das Foto gemacht ist, verschwindet es aus der Nacht. Nichts kann gelöscht werden, weil man nicht gut aussah oder die Augen geschlossen hatte. Um Punkt 12 Uhr Mittags sind die Fotos am nächsten Tag dann da. Die Gruppenmitglieder können die Peinlichkeiten der Nacht kommentieren und die Bilder bei Bedarf im nüchternen Zustand an anderer Stelle posten. Auch für bei der Bedienung ist es von Vorteil, nüchtern zu sein. Denn sich zu den Alben durchzuwischen, ist alles andere als intuitiv.

Der Film «Hangover» diente als Inspiration

Die Idee kam den Machern, vier Studenten aus Frankreich, durch den Film «Hangover», in dem eine Gruppe von Freunden in Las Vegas in einer durchzechten Nacht auf eine alkoholgeschwängerte Odysee geht, an die sie sich am nächsten Tag keiner mehr erinnern können. Was passiert ist, wer was gemacht hat, das versuchen die verkaterten Freunde im Rest des Films aufzuarbeiten. Erst im Abspann des Films tauchen dann Aufnahmen auf, die das ganze Ausmass zeigen. A

nfangs hätten sie sich auf ihren nächtlichen Touren eine GoPro-Kamera umgeschnallt, um den Abend zu protokollieren und am nächsten Tag rekapitulieren zu können, so die Programmierer im Interview mit Techcrunch. Das wurde ihnen auf Dauer zu lästig. Im Dezember ging die App für das iPhone an den Start, seit wenigen Wochen gibt es sie auch für Android. 

Ein bisschen wie die Analog-Kamera

Um 12 Uhr Mittags kann ich die Bilder «abholen» Ein bisschen bringt Flashgap mit seiner Zeitverzögerung die Analog-Kamera zurück, bei der die Bilder nach der Party zum Entwickeln gebracht werden. Für diejenigen, die dafür zu jung sind, ist die App eine Art Gegenentwurf zu Snapchat, jenem Foto- und Videosharingdienst, bei dem die Inhalte für wenige Sekunden zu sehen sind, um dann für immer zu verschwinden. 

Flashgap, so hoffen die Macher, schütze nicht nur gegen die Online-Reue am nächsten Morgen, sondern helfe vielleicht auch, den Moment ein bisschen mehr zu genissen. Denn wenn wir uns nicht nach jedem Bild um das Smartphone-Display zu versammeln, um zu schauen, ob es sich auch wirklich für einen Post auf Instagram oder Facebook qualifiziert, dann seien wir vielleicht wieder ein bisschen mehr da, wo wir eigentlich sein sollen - im Hier und Jetzt.

Um Punkt 12 Uhr Mittags vibriert auch mein iPhone. Die Bilder sind fertig. Und sie kurz vor dem Nachmittagstief noch einmal geballt anzuschauen, ist auch ohne Kater schön.

Flashgap gibt es kostenlos für iOS und Android.

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf Bold Economy – das umfassende Nachrichtenportal zur digitalen Revolution.

 

 

 

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