Akash Tiwari, Graduate Business Research Assistant at Kelly School of Business (hui!), Bloomington, Indiana Area (meh). Vorherige Positionen: Business Development Consultant, Business Analyst, Financial Analyst (wenig spannend). Daumen hoch, Daumen runter? Ich entscheide mich gegen Akash. Not interested.

Als nächstes folgt Nick Johnson. SVP (sagt mir nichts), National Sales, NBC Sports Digital at NBC Universal, Greater New York City Area (immerhin). Warum nicht - ich klicke auf «let's connect». Kein Treffer, dieses Mal will Nick nicht.

Dritter Versuch: Suvarshi Bhadra, Sr. Software Engineer at Care.com, Greater Boston Area. Boston mag ich, Start-ups auch. Ich klicke auf «let's connect» - und habe Glück: «Match!», ruft mir Networkr entgegen. Suvarshi und ich sind offenbar aneinander interessiert. Wenn ich besonders mutig und kreativ bin, kann ich ihm eine E-Mail schicken. Weil ich Suvarshi im Moment nichts zu sagen habe, entscheide ich mich für die einfache Variante: Die Verknüpfung auf Linkedin.

Im beruflichen Speed-Dating-Rausch

Ich befinde mich im Speed-Dating-Rausch. Alles rein geschäftlich, natürlich. Denn Networkr ist eine App, die mir dabei helfen soll, mein berufliches Netzwerk nach dem hot-or-not-Prinzip ganz spielerisch auszubauen. Alles was ich dafür tun muss, ist, dem Programm meine beruflichen Vorlieben (Tech, Marketing, Startup) mitzuteilen und anzugeben, in welchem Umkreis ich nach meinen künftigen Traumpartnern suchen möchte (100 Meter bis «überall»).

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«Ihr berufliches Netzwerk gehört zum Wichtigsten, das Sie haben», heisst es in der Beschreibung zu Networkr. Aber es sei schliesslich nicht immer ganz einfach, auf einer Konferenz oder in einer neuen Stadt die richtigen Menschen zu treffen. Genau hier will die App, die von der Agentur Nodes in London und Kopenhagen gebastelt wurde, nun also helfen.

Networkr (ganz ähnlich funktioniert auch Weave) nutzt dafür dasselbe Prinzip, mit dem Tinder gerade die Welt des Online-Datings aufrollt. Langes Kopfzerbrechen über möglichst kreative Lebensmottos, Hobbys oder Weltansichten wie auf Seiten wie Match.com oder OkCupid kann man sich inzwischen getrost sparen. Tinder zieht sich die wesentlichsten Daten und ein paar Fotos einfach von Facebook - und schon kann man loswischen. Gefällt einem ein Gesicht nicht, wischt man nach links, nope, hat man Interesse, wischt man nach rechts. Im besten Fall geht es dem Gegenüber genauso und der Weg ist frei für den ersten zaghaften Austausch.

Wie Candy Crush Saga mit Männern und Frauen

Mit Tinder macht so plötzlich sogar Online-Dating Spass, bis vor kurzem noch so etwas wie der letzte Ausweg für den einsamen Grossstädter. Entsprechend wird der App schon jetzt ein ähnliches Aufwühl-Potential bescheinigt wie Uber im Taxi- und AirBnB im Übernachtungsgeschäft. Jetzt kann man bequem an der Ampel oder an der Supermarktkasse schnell mal durch ein paar potentielle Partner wischen. Das macht fast ein bisschen süchtig, wie Candy Crush Saga, nur mit Männern bzw. Frauen.

Beim Job-Netzwerk funktioniert das leider nicht so gut. Denn hier reicht es nicht, ganz oberflächlich ein, zwei Fotos anzugucken, um über das Schicksal eines Menschen zu entscheiden. Plötzlich muss man auch Job-Titel, Arbeitgeber und Standort in die Bewertung einbeziehen. Das bremst den hot-or-not-Effekt so sehr aus, dass der Spass-Faktor auf der Strecke bleibt.

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Um noch Kontakte zu finden, muss ich bis nach Istanbul

Und noch ein Problem gibt es: Anders als bei Tinder gibt es bei Networkr kaum einen Grund, jemanden abzulehnen. Je grösser das Netzwerk, desto besser, es geht ja nicht ums Herz, sondern nur um die Karriere. Deshalb führt fast jeder grüne Daumen auch zu einem Match. Ich fühle mich nach kurzer Zeit ein wenig beliebig. Das mag auch daran liegen, dass das Netzwerk des kleinen Netzwerk-Helfers noch nicht besonders gross ist. Die Kontakte im näheren Umfeld sind schnell abgegrast. Um mich weiter durchklicken zu können, muss ich schon bis nach Brasilien und Istanbul. Ich erwische mich zunehmend dabei, wie ich während der Testphase immer wieder zu Tinder hinüberwechsle.

Mein berufliches Glück überlasse ich lieber weiterhin dem Schicksal.

P.S. Wer das Beste aus beiden Welten will, für den gibt es übrigens Linkedup!. Ein schneller Test hat ergeben, dass die Dating-App auf Linkedin-Basis zumindest die Chance deutlich erhöht, dass der künftige Partner einen dicken Geldbeutel mitbringt.

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Dieser Artikel erschien zuerst auf Bold Economy – das umfassende Nachrichtenportal zur digitalen Revolution.