1. Home
  2. Digital Switzerland
  3. Diese App soll zu einem besseren Leben verhelfen

App
Diese App soll zu einem besseren Leben verhelfen

Fitnesstraining: «Balanced» soll daran erinnern.  Equinox/Balanced

Wenig Zeit für die sinnvollen Dinge im Leben? Diese App erinnert daran und soll so zu mehr Ausgeglichenheit sorgen. Doch: Kann die Work-Life-Balance geplant werden?

Von FRANZISKA BECHTLOFF (Bold Economy)
am 21.07.2014

New York ist stressig. Das zeigt sich schon auf dem Weg zur Arbeit am Morgen. Überall Menschen, die die Strassen hinunterhasten und scheinbar versuchen, sich gegenseitig in ihrem Stresspegel zu überbieten. Auch mein Blutdruck hat sich seit der Ankunft vor wenigen Wochen bereits erhöht. Den ganzen Tag bin ich unterwegs, renne gefühlt von einem Termin zum nächsten und bin verzweifelt bemüht, die To-Do-Liste abzuarbeiten. Der Alltag hat mich fest im Griff - und die schönen kleinen nebensächlichen Dinge, die es in New York doch auch alle geben soll, sind schnell vergessen.

Aber das ist nicht erst so, seit ich hier bin. Hätte ich zum Beispiel schon vor Jahren täglich die 20 Minuten für die Klavierübung investiert, könnte ich heute vielleicht schon Beethovens neunte Sinfonie spielen (oder zumindest die erste Strophe?). Das wollte ich immer schon können, habe es aber über die Tonleiter hinaus nie wirklich geschafft. Denn es endete wie immer: Man nimmt es sich vor, etwas zu ändern - und vergisst es am nächsten Tag wieder. Es gibt Wichtigeres. Dann wünscht man sich jemanden, der einen ab und zu auf die Schulter tippt und daran erinnert,  zwischen all dem Stress auch mal an das grosse Ganze zu denken.

Übersichtliche To-Do Liste 

Die (bislang nur in Englisch verfügbare) App «Balanced» setzt genau hier an. Mit Hilfe von über 40 Vorschlägen lässt sich eine übersichtliche und farbenfrohe «To-Do» Liste erstellen. Überkategorien wie z.B. «Myself», «Fitness», «Creativity» oder «Discovery» sollen Struktur schaffen im Lebensveränderungsdschungel. «Travel», «Drink some water», «Help someone else», «Set goals», «Take a risk» und «Eat something new» sind nur einige dieser Vorschläge, die das Leben ein kleines bisschen ausgeglichener machen sollen. Eigene Aktivitäten können ebenfalls hinzugefügt werden. Um mehr als fünf hinzuzufügen, müssen jedoch 2,69 Euro investiert werden, so viel Eigeninitiative muss also vielleicht doch nicht sein. Immerhin sind die eigenen Ziele dafür per Passcode vor unerwünschten Zugriffen geschützt.

Voller Vorfreude war ich vor zwei Wochen überzeugt: «Ab heute wird alles anders!». Doch 14 Tage später herrscht Ernüchterung: Die anfängliche Begeisterung hat Platz gemacht für ein grosses schwarzes Motivationsloch. Woran liegt das? An den banalen Aktivitäten, die man mal eben zwischendurch erledigen kann und die man auch vorher schon einigermassen im Griff hatte, wie z.B. «mehr Wasser trinken» oder „einmal tief durchatmen» hapert es nicht. Fleissig trinke ich meine 2,5 Liter, fleissig atme ich durch. Die App erinnert mich per Push-Nachricht mehrmals am Tag, ich gehorche.

Persönliche und technische Grenzen

Bei grösseren Zielen, die man nicht mal nebenbei erledigen kann, merke ich jedoch, dass ich wieder zum Aufschieber werde. Zum Beispiel habe ich mir vorgenommen, einmal die Woche eine alte Freundin anzurufen. Allerdings: Die Push-Nachricht erreichte mich vormittags, am Schreibtisch im Büro. Mitten in der Arbeit habe ich natürlich keine Zeit dafür, und abends bin ich dann froh, wenn ich alles erledigt habe - und einfach mal abschalten kann und eben mit niemanden reden muss.

Samstag Vormittag dagegen hätte ich Zeit und Lust. Doch die App erlaubt mir lediglich, die Aktivität auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Einen Zeitpunkt, der mir gut passen würde, kann ich nicht einstellen. «Balanced» ist wenig kompromissbereit, mein eigener Lebensrhythmus interessiert das Programm nicht. Die Folge: Die Statistik, die mir zeigt, wie oft ich wie erfolgreich ein bisschen besser ausbalanciert habe, lässt meine Hoffnung auf ein ausgeglicheneres Leben schnell platzen.

Balanced ist gratis für das iPhone verfügbar.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Bold Economy – das umfassende Nachrichtenportal zur digitalen Revolution.

Anzeige