Einer meiner Kollegen ist in den Ferien. Ich geniesse seine Abwesenheit. Ich hoffe, dass er noch etwas länger fortbleibt. Das mag unkollegial klingen. Doch das ist es nicht. Ich mag meinen Kollegen, wir arbeiten gut zusammen.

Was mich irritiert, ist sein Schrittzähler, den er auf seinem Smartphone hat. Was nur schwer zu ertragen ist: Er hält sich schon seit Monaten mit dem Schrittzähler fit. Seitdem berichtet er gerne über seine Fortschritte.

Millarden Schritte gesammelt

Ich weiss nicht, wie viele Millionen Schritte er schon gesammelt hat. Vielleicht sind es sogar Milliarden. Sicher ist: Der Mann wird immer fitter! Würden wir im Büro Bonuszahlungen dafür vergeben, wer am meisten umherläuft, wäre mein Kollege ganz vorne dabei.

Jetzt, wo er in den Ferien ist, kann ich endlich mal entspannen, muss mich nicht ständig mit ihm messen.

Kampf mit dem Fitness-Gadget

Wenn er zurück ist, werde ich ihn mit meinem neuen Fitness-Armband beeindrucken. Diese Geräte sind viel cooler als Schrittzähler-Apps. Solche Bänder am Arm sieht jeder, inklusive der Botschaft: Ich bin bald noch fitter als ihr! Zwar kämpfe ich noch mit der Handhabung des Fitness-Gadgets (die Synchronisation mit dem Smartphone gelingt nicht).

Doch ich habe gehört, dass man die Fitness-Armbänder überlisten kann, indem man ständig den Arm bewegt. So schnellt die Schrittzahl rasant in die Höhe, ohne dass ich mich tatsächlich bewegen muss.

Ich übe diese Schummeltechnik bereits eifrig – bevor mein Kollege zurück ist.

Tim Höfinghoff ist Textchef der «Handelszeitung».  Hier schreibt er regelmässig über das digitale Leben.

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