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Kolumne
Digitales Leben: Schwanger mit Facebook

Von Facebook begleitet: Viele posten Intimes in ihrer Timeline. Riskant? Keystone

Wir posten so ziemlich alles auf Facebook. Aber ist es ok, das Ergebnis des Schwangerschafts-Tests sofort zu publizieren? Und auch noch öffentlich kundzutun, dass es ein Junge werden soll?

Von Tim Höfinghoff
am 21.08.2015

Eine Bekannte postete neulich auf Facebook das Bild eines Schwangerschaftstests. Darauf waren zwei vertikale rosa Striche zu sehen. Zur Erklärung für alle Nicht-Schwangerschafts-Testprofis: Schwanger = zwei Striche. Nicht schwanger = ein Strich. Die Sache ist also eindeutig: Es gibt Nachwuchs.

125 «Gefällt mir»-Klicks und 59 Kommentare gab es dafür. Über dem Bild hat sie ihren Followern noch etwas mitgeteilt: «Ich hoffe, es wird ein Junge.» Erst habe ich mich für die Bekannte gefreut, die mit ihrem Ehemann schon eine kleine Tochter hat. Dann war ich aber ein bisschen entsetzt.

Wenn das Kind die Timeline der Mutter liest

Was, wenn es kein Junge wird und wieder ein Mädchen? Was, wenn das Kind – es hat bald bestimmt einen eigenen Facebook-Account – durch die Timeline der Mutter scrollt und lesen muss, dass sie gar kein Mädchen wollte? Wie soll das Kind darüber hinwegkommen?

Und was, wenn es zweieiige Zwillinge gibt, von denen eines ein Junge wird? Ich hoffe nun sehr darauf, dass die vielen Facebook-Kritiker Recht haben mit ihrer Prognose, dass es das Netzwerk bald nicht mehr gibt. Dann wäre das Kind erwachsen – und die Eltern sparen Therapiekosten. 

Tim Höfinghoff ist Textchef der «Handelszeitung». Hier schreibt er regelmässig über das digitale Leben.

 

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