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Kolumne
Digitales Leben: Verbotene Fotos auf Facebook und Co.

Eiffelturm bei Nacht: Fotos wie dieses dürfen gewerblich nicht kostenfrei genutzt werden. Keystone

Europäische Politiker stimmen darüber ab, ob Bilder von Gebäuden und Sehenswürdigkeiten noch frei verwendet werden können. Die Regelung betrifft auch die Verbreitung von Urlaubsfotos auf Facebook.

Von Tim Höfinghoff
am 29.06.2015

Derzeit trage ich mit Freunden auf Facebook einen Fotowettstreit aus: Wer macht das schönste Bild vom Sonnenuntergang am Zürichsee? Das klingt kitschig? Egal, wir posten uns die besten Bilder zu. Nun hatte ich überlegt, den Fotowettbewerb auf Gebäude und Sehenswürdigkeiten auszudehnen. In ganz Europa. Nach dem ­Motto: Wer macht im Urlaub die besten Bilder von Eiffelturm und Co?

Unser Projekt bekommt allerdings unerwartet Gegenwind. Denn ich habe gelesen, dass im EU-Parlament in der kommenden Woche eine Abstimmung zum ­Urheberrecht ansteht. Bisher kennen EU-Länder unterschiedliche Regeln, sie sollen vereinheitlicht werden und könnten damit für manche Länder verschärft werden.

Debatte um Urheberrecht

So sind Fotos des nächtlich beleuchteten Eiffelturms, die gewerblich genutzt werden, in Frankreich mit Kosten verbunden. Und in Dänemark gilt, dass die gewerbliche Abbildung der Kleinen Meerjungfrau aus Kopenhagen gegen das Urheberrecht verstösst. Bizarr: Das Meerjungfrau-Foto im dänischen Wikipedia-Eintrag ist zensiert, im deutschen ist es (noch) zu sehen.

Warum mich das sorgt? Ich mache zwar selten Fotos, die ich gewerblich nutze. Doch wer bei Face­book und anderen Internetanbietern Bilder hochlädt, stimmt oft der gewerblichen Nutzung zu. Vielleicht wird der EU-Urheber-Wahnsinn noch gebremst. Vielleicht auch nicht und eine verschärfte EU-Bilderregel schwappt ­irgendwann sogar in die Schweiz.

Gewerbliche Nutzung

Ich werde umgehend vorsorgen und diesen Sommer nur Schweizer Sehenswürdigkeiten fotografieren und bei Facebook hochladen – so lange, bis es noch erlaubt ist. Mit der Kapellbrücke in Luzern fange ich an.

Tim Höfinghoff ist Textchef der «Handelszeitung».  Hier schreibt er regelmässig über das digitale Leben.

 

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