Was auch immer das Problem ist, im App Store findet man meist eine Lösung. Wie etwa für das des Haben-Wollens: Die Freundin, der Kollege oder die Fremde auf der Strasse tragen etwas, das man unbedingt auch haben will. Fragen kann man eigentlich nur, wenn es zufällig gerade passt, was es meistens nicht tut. Und einfach nachmachen ist peinlich – für alle Beteiligten.

Asap54 möchte da weiterhelfen: Einfach mit der App einen schnellen Schnappschuss machen und schon gleicht sie mithilfe des eigenen visuellen Erkennungssystems die Datenbänke zahlreicher Online-Shops ab. Idealerweise findet die Anwendung dabei das begehrte Stück oder zumindest etwas sehr Ähnliches – und legt es an der virtuellen Kasse bereit. «Shazam of Shopping» wird sie deswegen auch genannt – in Anlehnung an die erfolgreiche App zur Musikerkennung. 

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Einfach googeln hilft meist nicht

«Die Idee dazu entstand aus meinem Frust bei der Suche nach Produkten online», sagt Asap54-Gründerin Daniela Cecilio. «Ich bin eine Person fürs Optische und finde es schwer mit Worten zu beschreiben, was ich sehe. Emotionen zu googeln war eine schreckliche Übung. Ich dachte, da muss es doch einen einfacheren und schnelleren Weg geben.»

Nun sollte das Beschreiben nicht wirklich mein Problem sein, schliesslich bin ich Journalistin. Aber trotzdem: «Schwarze Boots» googeln bringt meistens kaum das gewünschte Ergebnis. Zumindest nicht, wenn man ziemlich genau weiss, was man will (was bei mir meistens der Fall ist).  

Meine schwarzen Stiefel sind mein erster Auftrag für Asap54. Ich mache einen Schnappschuss, lege ihn der App vor – und tatsächlich: Das Programm erkennt, dass es sich beim Objekt meiner Begierde um grobe Motor-Stiefel-ähnliche Boots mit goldenen Schnallen handelt. Die Stiefel, die sie ausgräbt, kommen denen erstaunlich nah. Wenn ich wollte, könnte ich auch nach anderen Farben suchen.

Teurer Geschmack

Und dann sehe ich doch tatsächlich genau die, die ich fotografiert habe. Ist es Asap54 also wirklich gelungen, meine Boots zu finden? Nicht ganz: Sie sehen zwar sehr, sehr ähnlich aus, sind aber nicht wie meine von Steve Madden, sondern von Jimmy Choo – und kosten satte 950 Dollar. Ein bisschen freue ich mich, dass ich nur einen Bruchteil dessen bezahlt habe. Wäre mein erster Test jetzt schon ernst gewesen, hätte ich mich vermutlich geärgert, dass ich mir diese teuren Teile wohl abschminken muss.

Das Problem bleibt bestehen, je länger ich Asap54 ausprobiere – im Laden, vor dem Schaufenster, auf der Strasse (in der Subway leider nicht möglich, weil kein Netz hier in New York). Die meisten Vorschläge der App liegen weit über meinem Budget. Ein Rock etwa, der dem meines Originals von der Strasse ziemlich nahekommt, kostet atemberaubende 2475,30 Dollar! Eine Tasche, die mir im Original im Laden schon ein kleines bisschen zu teuer war, wird mir stattdessen für 1073,79 Dollar vorgeschlagen.

Himmelblaue Kleider

Dabei sind die Shops der Datenbank eine bunte Mischung diverser Preisklassen: Net-a-Porter, Topshop, J Crew, Barneys und Harrods etwa gehören dazu. Per Filter kann man die persönliche finanzielle Schmerzgrenze einstellen. Nur verzerrt das natürlich das Ergebnis und verringert im Zweifel die Chance, fündig zu werden. Und falls man partout nicht findet, wonach man sehnlichst sucht, kann man per Button einen Stylisten anfragen, der persönlich binnen 24 Stunden fünf Alternativvorschläge schicken soll. 

Soweit zu den Basics, richtig Spass macht die App aber erst, wenn man mit dem Spielen beginnt. Zunächst einmal hat man ein eigenes Profil und teilt mit seinen Followern, was man «asapt» hat – beziehungsweise holt sich Inspiration bei anderen, denen man folgt (Angeblich hat Asap54 die Anzahl neuer Nutzer für die ersten Wochen begrenzt, um einen Hype zu fördern – glücklicherweise habe ich davon nichts gemerkt).

So realisiere ich schnell, dass man Asap54 auch noch anders nutzen kann: Wenn man etwa ein Bild von einem karibischen Strand unter strahlend blauem Himmel hochlädt, bekommt man passende Kleider, die nicht weniger Lust auf Sommer machen. Hier sind der Vorstellung – und dem Geschmack – keinerlei Grenzen gesetzt: Blumen, Pfauenfedern oder auch Insektenpanzer – was auch immer gefällt. 

Vorsicht allerdings beim Bildausschnitt: Als ich zum Test die amerikanische Flagge abfotografiere und nach passenden Produkten suche, zeigt mir die App – egal, ob ich nun nach Kleidern, Shirts oder Taschen suche - fortan alles mit Schlangenprint-Muster. Dabei war, was Asap54 sah, kein Schlangenmuster –  sondern die verspiegelte Glasfassade im Hintergrund.

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf Bold Economy – das umfassende Nachrichtenportal zur digitalen Revolution.