Wenn ich mir meine letzten paar Bilder auf Instagram angucke, hält sich der Erfolg in Grenzen. 24 Herzen gab es für ein Bild meiner Pflegekatze Patti. Ein Haufen frisch abgepackter Herbstblätter im Park erhielt nur acht, das Bild einer Freundin vor einer grossen Ladung voller Weinkartons immerhin 16. Ich freue mich über die Herzen, aber mal ehrlich, kaufen kann ich mir davon nichts. 

Dafür muss ich schon zu Twenty20. Die Firma aus dem Süden Kaliforniens bezeichnet sich selbst gerne als den «grössten Crowdsource-Fotokatalog» der Welt. Hier finden Werbekunden und Marken für ihre Kampagnen und Anzeigen nicht sterile Symbolbilder, sondern Aufnahmen von Hobby-Fotografen, die das Leben um sich herum mit dem Smartphone festhalten. Das, so die Idee, soll für mehr Authentizität und Abwechslung sorgen. 

Ansprüche an eigene Fotos wachsen

Unter der Kategorie «Real Women are» finden sich Fotos von patenten Frauen in Alltagssituationen, «Baby Fever» zeigt reihenweise süsse Kindergesichter und unter «A to Z» finden sich vor allem Buchstaben. Die Bilder gibt es entweder im Paket für 89 Dollar je zehn oder 499 für hundert Fotos. Wer nur ein einziges Bild haben will, der zahlt einen variablen Stückpreis. Die Fotografen bekommen davon einen Anteil von 20 Prozent.

Ich selbst lade meine (subjektiv) schönsten Bilder hoch und verpasse ihnen ein paar geläufige Tags wie «love», «vacation», oder «New York». Zwanzig Fotos werden es am Ende, sie zeigen Moby Dick-Ausgaben in einem Buchladen, das World Trade Center vor strahlend blauem Himmel, Schilder vor Bars und Restaurants, Kaffeetassen, Graffiti und Flughäfen. Wenn es um bares Geld geht und nicht mehr nur um Likes, wachsen plötzlich auch meine Ansprüche an ein gutes Foto. Die meisten, die ich auf Instagram noch posten würde, fallen für Twenty20 durchs selbst auferlegte Raster.

287’000 Fotografen und 45 Millionen Bilder

Anfangs hatten die Gründer dabei etwas ganz anderes vor. Bei einem Hackathon vor knapp vier Jahren wollten sie eine App präsentieren, mit der Studenten sich über den komplizierten Bewerbungsprozess an US-Colleges austauschen können. Doch 24 Stunden vor der Präsentation mussten die Entwickler einsehen: Das Projekt war zum Scheitern verurteilt. Die befragten Studenten waren schlicht nicht bereit, die nötigen Infos preiszugeben, aus Angst, sich selbst Konkurrenz zu schaffen.

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Also legte das Team eine Nachtschicht ein und stampfte ein neues Projekt aus dem Boden: Instacanvas. Die App sollte es ermöglichen, Instagram-Bilder in T-Shirts, Grusskarten oder Leinwanddrucke zu verwandeln. Anfang des Jahres kam dann der nächste Evolutionsschritt, samt Namensänderung und neuen Investorengeldern von mehr als acht Millionen Dollar.

«Die Fotos haben schlicht mehr Leben»

Heute hat die App nach eigenen Angaben rund 287'000 Fotografen an Bord, die rund 45 Millionen Fotos hochgeladen haben. Mit kleinen «Challenges» will das Team die Foto-Gemeinde am Ball halten: Wer etwa das beste Hunde- oder Urlaubsfoto schiesst, bekommt nicht nur einen virtuellen Pokal, sondern kommt zudem in eine kuratierte Vorauswahl und erhöht damit die Chance, auch tatsächlich gekauft zu werden.

Wann immer ein Kunde die Bilder mit denen der Konkurrenz vergleiche, geben sich die Macher selbstbewusst, werde er sich für Twenty20 entscheiden. «Die Fotos haben schlicht mehr Leben», sagen die Gründer. Um zu verhindern, dass die einfach geklaut oder zweckentfremdet werden, durchforstet ein Team von zwanzig Mitarbeitern alle Bilder, die die Nutzer hochladen.

Bei mir wird bislang allerdings nichts zweckentfremdet, geschweige denn legal erworben, der Erfolg hält sich in Grenzen. Geld gab es keines nicht - nur ein Herz von Nutzer Antoine.

Twenty20 gibt es kostenlos für iOS, eine Android-Version ist in Planung.

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf Bold Economy – das umfassende Nachrichtenportal zur digitalen Revolution.