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Kolumne
Lieber Algorithmus, wir müssen reden!

Twitter-Logo: Streit um Timeline Keystone

Der Algorithmus beherrscht so ziemlich alles - nun soll die Maschine auch bei Twitter mitbestimmen, was wir lesen. Unser Kolumnist hat deshalb eine wichtige Bitte.

Von Tim Höfinghoff
am 11.02.2016

Lieber Algorithmus!

Wir müssen reden. Vor allem wegen Twitter. Dort tobt ein Streit, weil Twitter dich angeblich nutzen will, um Tweets der User neu zu präsentieren. Sie würden nicht mehr chronologisch, also mit der neuesten Nachricht zuerst, sondern algorithmisch sortiert. Von dir ausgewählt, wie schon bei Facebook. Das hat sofort zu einem heftigen Aufschrei der Twittergemeinde geführt.

Zwar hat sich der Twitter-Chef bereits gemeldet und versucht, die Wogen zu glätten: Nein, nein, eine neue Timeline sei nicht geplant. Nicht sofort, zumindest. Dann plötzlich, hat Twitter aber doch angekündigt, die neue Timeline-Möglichkeit mit dem Algorithmus bald zu starten.

Superwichtige Nutzer auf superwichtiger Konferenz

Nun sehen viele Twitter-Nutzer das Ende des Kurznachrichtendienstes kommen. Das Live-Erlebnis werde sterben, jammern sie. Ich habe zu dir, lieber Algorithmus, bisher eher ein ambivalentes Verhältnis entwickelt. Daher kann ich noch nicht sagen, ob ich dich mag oder nicht.

Langfristig verhindern kann ich dich aber wohl nicht. Daher eine Bitte: Wenn du irgendwann kommst, kannst du bitte ganz schnell Tweets aus meiner Timeline löschen, in denen superwichtige Nutzer schreiben, dass sie gerade auf dem Weg zu einer superwichtigen Konferenz sind? Oder was sie gerade supergesundes bei ihrem superwichtigen Businesslunch essen? Darauf kann ich nämlich wirklich verzichten. Besten Dank!

Tim Höfinghoff ist Mitglied der Chefredaktion der «Handelszeitung». Hier schreibt er über das digitale Leben.


 



 

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