Das Grundkonzept hinter Blinq lässt sich auf eine einfache Formel reduzieren: «Hi oder Bye». Nutzer entscheiden anhand eines Fotos, ob sie einem anderen Nutzer Hallo oder Auf Wiedersehen sagen. Erst wenn beide Seiten das jeweils andere Foto mit «Hi» markieren, ist ein gemeinsamer Chat möglich. Jeden Tag wächst die Community, die von Alex Zimmermann und Jan Berchtold ins Leben gerufen wurde, um etwa 100 neue Mitglieder. 10'000 Nutzer, vor allem aus dem Grossraum Zürich, sind schon dabei.

Kein Wunder also, dass die Stimmung in den Büroräumen von Blinq im Kreis 5 bestens ist. Erdbeeren stehen griffbereit, die Kitesurf-Ausrüstung von Mitgründer Zimmermann nimmt viel Platz ein. «Unsere Weiterempfehlungsrate ist sehr gut», erklärt Mitgründer Jan Berchtold. «Besonders am Sonntag laden viele Blinq auf ihr Smartphone.» Tatsächlich sind die hohen Nut­zerzahlen ein ­Erfolg, wenn man bedenkt, dass Blinq erst seit September 2013 online ist. Als nächstes Ziel streben die beiden 50'000 bis 100'000 Mitglieder im deutschsprachigen Raum an.

Hohe Aktivität der Mitglieder

Das Besondere an der Flirting-App Blinq ist dabei, dass sie einen gewissen Exklusivitätscharakter besitzt – und offenbar gerade deshalb viele Leute anzieht. Denn die Nutzer bestimmen selbst, ob ein neues Mitglied aufgenommen werden soll. So wird etwa geprüft, ob die Fotos ansprechend sind und wie vernetzt eine Person schon im Mitgliedernetzwerk von Blinq ist. Festgestellt wird das über das Facebook-Profil, mit dem sich Nutzer bei Blinq einloggen können. Über Mitgliedschaften in gemeinsamen Facebook-Gruppen werden dann Gemeinsamkeiten mit anderen Blinq-Nutzern festgestellt.

Anzeige

Besonders wichtig für eine Dating-Plattform: Die Mitgliederprofile sind keine Fälschungen. «Bei uns existieren die Leute, die angemeldet sind, tatsächlich. Unser Aufnahmealgorithmus garantiert das», so Alex Zimmermann. Durch die selektive Aufnahme neuer Mitglieder soll ein Reputationsverlust verhindert werden. Darunter leiden viele Dating-Plattformen, da sie vermeint­liche Benutzer haben, die gar nicht existieren.

Das schwierige Image, das manche Dating-Plattformen nach Ansicht von Zimmermann und Berchtold haben, will Blinq abstreifen. Die Logik, eine Dating-Plattform sei nur etwas für Leute, die es nötig haben, gelte heutzutage nicht mehr, sind die beiden überzeugt. Auch das Problem von mangelnder Aktivität der Mitglieder haben Zimmermann und Berchtold nicht. 50 Prozent der User kommen einmal am Tag auf die App zurück. Ein Spitzenwert im Vergleich zu anderen Plattformen im Online-Dating-Bereich.

Finanziert haben sich Zimmermann und Berchtold ihr Projekt bisher selbst. Einen niedrigen sechsstelligen Betrag mussten sie dafür in die Hand nehmen. «Vor allem die Entwicklungsstunden kosten viel Geld», erklärt Zimmermann, «die Marketingkosten versuchen wir bewusst niedrig zu halten, weil wir zuerst das Produkt noch perfektionieren wollen.» Im November hat sich der TV-Sender 3+ an Blinq beteiligt und die Flirting-App in der Fernsehshow «Bachelor» immer wieder vorgestellt. Das hat dem Portal genau so einen Popularitätsschub gegeben wie die Präsenz mehrerer Kandidatinnen aus der Sendung auf der Plattform. So locker und innovativ Zimmermann und Berchtold sind, so bodenständig und fundiert ist ihre Ausbildung. Während Zimmermann, 29 Jahre alt, Accounting und Finance an der HSG und Management in Barcelona studierte, kann Jan, 30-jährig, auf ein ETH-Maschinenbaustudium verweisen. Kennengelernt haben sie sich zu Unizeiten. Dass sie Unternehmer werden wollen, war ihnen schon damals klar, und beide versuchten sich an verschiedenen Projekten, bis sie Blinq gründeten.

Anzeige

Ein lockeres Angebot

Im Moment läuft für die Flirting-App eine ­Finanzierungsrunde, bei der sich Interessierte noch beteiligen können. «Wir haben bewiesen, dass das Produkt funktioniert. Wenn Leute ihr Profil löschen, sind das oft Paare, die sich gebildet haben», lacht Berchtold. «Sogar unser Community Manager hat seine Liebe im Portal gefunden», ergänzt er. Tatsächlich hat die Branche das Projekt anerkannt, erst vor kurzem holte Blinq Silber beim «Best of Swiss Apps Award».

Für die Zukunft wünschen sich die beiden, dass sie den Spass an ihrer Sache nicht verlieren. «Wir sehen das Ganze als Spiel an», so Zimmermann. «Andere Portale sind hochseriös, wir haben ein lockereres Angebot. Wir wollen auf keinen Fall in eine verkrampfte Schiene kommen.»

Fact & Figures

Gründer:
Jan Berchtold und Alex Zimmermann gründeten Blinq im September 2013. Berchtold studierte an der ETH Maschinenbau, Zimmermann Accounting und Finance an der HSG und Management in Barcelona.

Anzeige

Finanzierung:
Eigenfinanzierung durch die beiden Gründer mit niedrigem sechsstelligem Betrag. Aktuell läuft eine Finanzierungsrunde.

Mitglieder:
Über 10 000, täglich etwa 100 neue.

Preise:
Silber beim «Best of Swiss Apps Award».