Seit einiger Zeit mache ich eine Facebook-Diät. Es klappt ganz gut, obwohl Diäten an sich ja immer ein Horror sind. Ich habe meinen Facebook-Konsum drastisch eingeschränkt, weil es einfach zu viel geworden war. Diese Erkenntnis hat ein wenig Zeit gebraucht, doch nun fühle ich mich sehr gut als Abstinenzler.

Ich rede mir ein, ich könne nun wieder klarer denken und tatsächlich halten sich die Entzugserscheinungen in Grenzen. O.k., ich gebe zu: Ab und zu gucke ich zwar schon noch vorbei, aber wirklich nur sehr, sehr selten und dann ganz kurz.

Kein Facebook bei der Arbeit

Besonders geniesse ich die Zeit im Büro, denn die ist ohnehin Facebook-frei. Es ist bei meiner Arbeit nicht verboten. Aber ich mache es nicht, weil ich nicht von meinen Kollegen ertappt werden will, wie ich statt am Schreibtisch zu arbeiten, mein Social-Media-Profil pflege.

Nun muss ich allerdings mit Schrecken feststellen, dass Facebook meine Diät torpediert. Der US-Konzern drängt nämlich immer stärker ins Büro vor. So hat die Royal Bank of Scotland kürzlich ihre Mitarbeiter bei «Facebook at work» angemeldet. Bis zu 100'000 Mitarbeiter sollen bei der Arbeit über den Dienst kommunizieren. Ziel ist, dass sie den Dienst intern für die Arbeit nutzen. Immerhin: Ihre privaten FB-Accounts sollen privat bleiben.

Die Frage, ob man Freundschaftsanfragen seines Chefs oder anderer Kollegen beim privaten FB-Konto ignorieren darf, erübrigt sich damit also. Zum Glück.

Was halten Sie von der Idee, Facebook auch im Büro zu nutzen? Diskutieren Sie mit mir bei Twitter unter @TimHoefinghoff

Tim Höfinghoff ist Mitglied der Chefredaktion der «Handelszeitung». Hier schreibt er regelmässig über das digitale Leben.

 

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