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Projekte vor fremden Augen schützen

Digify: Die App schützt Ideen und Bilder besser.  Digify

Gewisse Ideen und Bilder sollen geteilt werden, jedoch unter Ihrer Kontrolle bleiben? Digify erlaubt genauere Einstellungen über die Berechtigungen der Empfänger. Aber ist die App sicher?

Von Arash Shargh (Bold Economy)
am 25.07.2014

Erst kürzlich ist es wieder passiert. Die Party war gut, die Stimmung entsprechend ausgelassen - und mit steigendem Alkoholgehalt nahm auch das dringende Bedürfnis zu, jeden Moment für immer festzuhalten. Das Ergebnis wie immer: Schrecklich peinliche Erinnerungsfotos. Als ich am nächsten Morgen durch meine Fotos scrollte, fand ich die Idee nicht mehr ganz so witzig.

Trotzdem: Bevor ich alle Erinnerung an die letzte Nacht für immer ins Nirvana verschwinden lasse, würde ich ganz gern das ein oder andere Bild meiner Freundin schicken - damit der schreckliche Kater zumindest noch für einen morgendlichen Lacher sorgt. Allerdings gibt es ein Problem: NIEMAND sonst sollte diese Bilder jemals zu Gesicht bekommen. Und für die Ewigkeit auf irgendwelchen fernen Servern im World Wide Web archiviert werden sollten sie erst recht nicht.

Viele Dateiformate und Plattformen werden unterstützt

Hier soll mir Digify weiterhelfen. Digify, so behaupten zumindest die Entwickler, gibt dem Nutzer die Kontrolle über die eigenen Daten zurück: Ich selbst darf endlich wieder entscheiden, wer was wie oft und wie lange sehen darf. Nach einer kurzen Registrierung kann ich schnell und unkompliziert die ersten Daten verschicken.

Nicht nur Fotos, sondern auch ganze Dokumente und andere Dateien sollen so sicher und mit eingebautem Selbstzerstörer von Smartphone zu Smartphone zu gelangen. Dafür kann Digify mit dem eigenen Dropbox-Account verbunden werden. So hat man über die App bequemen Zugang zu allen Dateien, die in der Wolke gespeichert sind. Allerdings auch nur in dieser einen: Alle anderen Cloud-Storage Anbieter, wie zum Beispiel Onedrive von Microsoft und Google Drive, werden nicht unterstützt.

Eine Wohltat - aber nur auf den ersten Blick

Da der Austausch von Daten ausschliesslich über den Dropbox-Account möglich ist, muss man also Dropbox Nutzer sein, um die Funktion überhaupt nutzen zu können. Eine Ausnahme stellen Fotos dar: Die können sogar direkt aus der App heraus geschossen oder aus dem Archiv ausgewählt und anschliessend versandt werden.

Möchte man eine geheime Datei verschicken und hat diese ausgewählt, lässt sich festlegen, wer die Datei erhalten soll (derjenige muss die App natürlich auch installiert haben) und wie lange diese Person sich die Datei anschauen darf. Zusätzlich lässt sich noch eine kurze Nachricht hinzufügen. Ausserdem kann ich auswählen, nach welcher Zeitspanne sich die Datei selbst «zerstört». Eine Statistik zeigt mir jederzeit, welche Dateien ich in Umlauf gebracht habe und wer sie wie oft angeschaut hat. Sollte ich es mir anders überlegen, lassen sich die Dateien jederzeit aus der Ferne deaktivieren. Die Kontrolle muss ich also nie aus der Hand geben - eine Wohltat für mein Sicherheitsbedürfnis.

Keine Sicherheitsgarantie

Auf den ersten Blick bin ich also überzeugt. Denn immer wieder bin ich in der Vergangenheit in Situationen geraten, in denen ich mir genau solch eine App gewünscht hätte. Beispiel: Vor wenigen Monaten hatte ich eine Geschäftsidee, von der ich zwar selbst begeistert war, die ich aber gerne noch ein paar Freunden und Bekannten per Email schicken wollte, um ihre Meinung zu hören. Ganz wohl war mir dabei nicht. Denn die Tech-Welt dreht sich schnell und meine Geschäftsidee könnte schon morgen beim nächsten Elevator-Pitch auftauchen - ohne dass ich davon weiss. Mit Digify hätte ich mich einen Tick sicherer gefühlt.

Wirklich berechtigt ist das aber nicht. Denn die App verhindert zwar die Aufnahme von Screenshots innerhalb der App - sie kann jedoch nicht beeinflussen, was ausserhalb der App geschieht. Ein Empfänger kann die Datei also einfach mit Digify öffnen und anschliessend mit einer Kamera abfotografieren. Da ist der eigentliche Sinn schnell verloren.

Digify hat Vor- und Nachteile

Auf ihrer Webseite präsentieren die Entwickler Szenarien, in denen der Einsatz ihrer Technik besonders viel Sinn macht. Wichtige technische Zeichnungen eines Ingenieurs könnten ebenso hervorragend mit Digify verschickt werden wie persönliche Daten zur Anmeldung, heisst es dort.

So ganz erschliesst sich mir aber nicht, warum ich mir den Aufwand machen soll, Daten «geheim zu verschicken», wenn der Empfänger eben doch im Zweifel ein Foto machen kann. Ein Klick auf den Auslöser einer Kamera, und schon befindet sich die Datei nicht mehr innerhalb der vermeintlich hermetisch abgeriegelten Digify-Welt. Nun gut, bei grösseren Dokumenten steigt möglicherweise auch die Sicherheit. Denn um einen hundert Seiten langen Text abzufotografieren, muss es sich schon um sehr wertvolle Informationen handeln. Abhalten tut das aber im Zweifel wahrscheinlich niemanden.

Super für grosse Dateien

Zwei Pluspunkte hat die App trotzdem. Zum einen lassen sich mit Digify Dateien verschicken, die grösser als 25 Megabyte sind. Das lassen die meisten Email Anbieter nicht zu. Zum anderen sind die Dateien beim Transfer vom Absender zum Empfänger verschlüsselt. Das heisst, nur der Empfänger hat Zugriff auf die Datei und theoretisch kann keiner mitlesen. Auch die NSA nicht.

Digify ist gratis für das iPhone, iPad, Windows PC (noch als Beta Version) und Android Gerät erhältlich.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Bold Economy – das umfassende Nachrichtenportal zur digitalen Revolution.

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