Es ist die Jahreszeit, in der Models von Mode-Plakaten und Magazintiteln lächeln, beschwingt und in luftiger Kluft. Die Zeit, in der wir merken, dass es nicht nur der dicke Wollpulli war, der die Hüften etwas breiter wirken lässt. Die Zeit, in der wir alle gerne leichter wären. Doch Diäten habe ich abgeschworen. Sie funktionieren bei mir nicht. Ich scheitere an ganz fundamentalen Dingen: Schon beim Einkaufen.

So gerne ich das Frühsommergemüse mit frischem Koriander und Quinoa ausprobieren will, das laut der Diät-Beilage der Frauenzeitschrift lecker füllt, ohne zu beschweren – ich schaffe es nicht mal, Milch oder Jogurt immer rechtzeitig zu besorgen, so dass mein Sohn ab und an die Corn-Flakes eben trocken essen muss (und sich beschwert, dass ihm die Maisflocken am Gaumen kleben).

Null Kalorien für eine Schale Müsli?!

In einem anderen Leben werde ich lernen, spielend leicht Quinoa in meinem Supermarkt aufzuspüren und gut gelaunt in meiner aufgeräumten Küche für meine beglückte Familie zuzubereiten. Im hier und jetzt suche ich im Netz unter den Stichwörtern «App» und «Kalorienzählen». Meal Snap spricht mich sofort an. Die App, entwickelt von Daily Burn (iPhone 2,99 $) ist zwar schon ein paar Tage alt, aber das Kind in mir ist sofort begeistert. Denn der Nutzer macht einfach einen schnellen Schnappschuss seiner Speise und Meal Snap ermittelt den Kaloriengehalt.

Anzeige

Kann das klappen? Nach einer einfachen Anmeldung kanns losgehen: Ich drücke auf den Foto-Button, auf dem Messer und Gabel abgebildet sind. Wer will, fügt eine Bildunterschrift dazu. Eintragen, ob es sich um Frühstück, Mittag- oder Abendessen handelt. Fertig! – Knopf drücken – und ein paar Sekunden warten. Der erste Versuch schlägt fehl. Zwar ist mein Becher mit Müsli und Jogurt gut abgebildet, aber Meal Snap kalkuliert dafür 0 Kalorien. Schön wärs. Beim zweiten Versuch füge ich die Bezeichnung «Müsli und Jogurt» hinzu – und siehe da: 176 bis 264 Kalorien hat mein Frühstück jetzt, schätzt Meal Snap. Sehr grob, aber es kommt hin. Wie schafft die App das?

Magische Mechanical Turks

Magie! - sagt Daily Burn. Wahrscheinlicher ist eine Kombination aus Datenbanken und fixen menschlichen Helfern. Etwa einem Heer von Freiwilligen, wie die auf der Amazonwebseite: «Mechanical Turks», die sich für ein paar Pennies pro Aufgabe für solche Dienste anbieten. Eine Art Internet-Heinzelmännchen. Der Name bezieht sich auf einen berühmten Schachroboter aus dem 18. Jahrhundert – von dem sich später herausstellte, dass er einen menschlichen Schachmeister in seinem Innern verbarg. Die Bezeichnung wird seither für Funktionen übernommen, bei denen Menschen Maschinen helfen. Nun gut, Menschen dazu zu bringen, die Kalorienzahl des Essens anderer Leute zu kalkulieren, grenzt tatsächlich an Magie. 

Es macht Spass Meal Snap immer wieder herauszufordern: Erkennt sie Kokosshrimps? Brie-Käse? Nussschokolade? Pizza Brot? (ok – es gibt auch noch andere Probleme mit meiner Diät-Kost) Die Internet-Heinzelmännchen haben bei mir immerhin eine Trefferquote von 80 Prozent. Sie schafften es sogar, wohl dank meiner hilfeichen Bildunterschrift, ein Ergebnis für meinen Griesbrei mit Früchten zu geben – obwohl ich den leeren Becher fotografieren musste. Immer dieser Heisshunger. Wer es ganz akurat haben will, wird allerdings mit den oft hohen Spannen zwischen den Schätzwerten unzufrieden sein. Für Apfelschnitze etwa beträgt die Bandbreite 68 bis 103 Kalorien.

Strenger und ernsthafter ist Lose it (kostenfrei). Die App fragt Gewicht, Alter und Geschlecht ab. Dann soll der Nutzer ein Wunschgewicht eingeben und einen Zeitraum, in dem er dieses erreichen will. Daraus errechnet Lose it ein Tagesbudget an Kalorien. Jede Mahlzeit wird in ein Tagebuch eingetragen. Dazu hält Lose it eine Datenbank mit Suchfunktion bereit. Dort kann man Hühnersuppe eingeben und Lose it berechnet 100 Kalorien. Die gehen dann vom Tagesbudget ab.

Anzeige

Für Bananen gibt es drei Grössen

Die Datenbank ist detailliert: Für Bananen etwa gibt es drei Grössen. Motivierend ist die Möglichkeit, sportliche Aktivitäten in das Tagebuch einzugeben. Die erhöhen das Budget. Eine halbe Stunde Schwimmen etwa ermöglichen den Konsum von weiteren 264 Kalorien. Auch hier erweist sich die Datenbank als erfreulich detailliert: mögliche kalorienverbrennende Aktivitäten sind Bogenschiessen (94 Kalorien pro 1-2 Stunde), Jonglieren (85 Kalorien) oder auch Sex (enttäuschende 23 Kalorien).

Wer über das Tagesbudget kommt – die Nussschoko! – dem leuchten die überzogenen Kalorien wie beim Kontoauszug in mahnendem rot entgegen. Das stachelt den Ehrgeiz an, doch noch eine Runde Laufen zu gehen.

Wissenschaftlich akurat sind die Apps nicht. Aber sie disziplinieren durchaus. Ein umständliches handschriftliches Essenstagebuch schlagen sie um Längen. Dabei muss Abnehmen nicht einmal das Ziel sein. Die Apps können auch für diejenigen sinnvoll sein , die einfach bewusster essen wollen. Auch könne sie helfen Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu enttarnen.

Anzeige

Und wem das alles zu umständlich und aufwendig ist: Dem bleibt SkineePix (0.99 $ iPhone), eine App die einen auf Schnappschuss Selfies, ganz ohne Diät, angeblich 15 Pfund dünner aussehen lässt.

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf Bold Economy – das umfassende Nachrichtenportal zur digitalen Revolution.