Die Schweiz ist weltweit bekannt für Uhren, Banken und Schokolade. Weniger noch für ihre Videospiele. Dabei boomt die Szene aus Game-Studios und Grafikagenturen – so sehr, dass sogar das renommierte britische Spielemagazin «Edge» dem Aufstieg bereits Tribut zollte. «In der Schweiz gibt es derzeit rund 30 Games-Schmieden, aber auch verschiedene Designagenturen, die teilweise Spiele produzieren», sagt Maike Thies, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK).

Der internationalen Bühne präsentiert sich die Schweizer Szene an diesem Wochenende erstmals im grossen Stil: Am Zeughaushof in Zürich strömen Designer und Gamer auf dem Festival «Ludicious» zusammen. Das Grossereignis richtet sich sowohl an Profis als auch Spielebegeisterte. In zahlreichen Workshops werden neue Errungenschaften und Trends diskutiert. Laien können lernen, Games selbst zu programmieren. Am Samstagabend gibt es die Games-Legende Pac-Man in riesengross auf eine Häuserfassade projiziert, versprechen die Verantstalter. 

Exzellente Ausbildung in der Schweiz

Der Aufstieg der Branche ist kein Zufall: Für den Standort Schweiz sprechen die exzellenten Ausbildungseinrichtungen im Bereich Technologie und Design – etwa mit ETH und ZHdK in Zürich oder der Haute école d’Art et de Design in Genf (HEAD). Mit Disney Research verfügt Zürich über eine renommierte internationale Forschungseinrichtung im Bereich Digitale Medien. Dort wird seit 2009 die Forschung im Bereich der Computergrafik vorangetrieben.

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«Die Anzahl von Schweizer Game-Designern steigt», sagt Thies. Einen Schub erhielt die Szene durch die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia und der Standortförderung Zürich. Auch Hochschulen begleiten in Gründerzentren viele Jungunternehmer auf ihrem Weg zum marktfähigen Produkt.

Landwirtschaftssimulator verkaufte sich 5 Millionen Mal

Daneben fördert der Branchenverband Swiss Game Developers Association (SGDA) den gegenseitigen Austausch und Vernetzung. Zudem hat sich auch das Festival «Ludicious» die Nachwuchsförderung auf die Fahne geschrieben.

Einer, der es bereits geschafft hat, ist Thomas Frey. Der Artdirektor von Giants gilt als einer der erfolgreichsten Schweizer Spieldesigner. Mit Freunden entwickelte er den Landwirtschaftssimulator «Farming Simulator». Dort kann der Spieler einen Bauernhof erstehen, Felder bewirtschaften, Nutztiere halten und schliesslich die gemolkene Milch am Markt verkaufen. Eigenen Angaben zufolge verkaufte sich das Spiel seit 2008 über fünf Millionen Mal.

Bekannte Nischenanbieter

ZHdK-Expertin Thies ist überzeugt, dass neben Giants weitere Firmen ein Einkommen aus ihren Spielen erzielen können. «GBANGA, Koboldgames und Blindflug Studio geben da sicher die richtige Richtung an», sagt sie (mehr dazu in der Bildergalerie oben).

Ausdruck der Innovation sei beispielsweise das Game IDNA von Apelab. Hier wirkt das Tablet im wahrsten Sinne des Wortes als Fenster in die Game-Welt. Der Spieler muss das Tablet bewegen und schwenken, um erfolgreich zu sein. Dank Bewegungssensoren entsteht beim Spieler der Eindruck, dass er von einer virtuellen Welt umgeben ist, die er mit dem Tablet sichtbar machen kann.

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Innovation wartet auf Investition

«Jetzt wäre es sicher an der Zeit, dass Investoren auf die junge Schweizer Game Branche aufmerksam werden, Talente unterstützen und innovative Entwicklerstudios im Prozess der Spielentwicklung begleiten und finanziell unterstützen», so Thies. Denn während die grossen amerikanischen Entwickler mit Rekordspielen wie Destiny oder GTA 5 gross abräumen, hinkt Europa oft noch hinterher.

Der Branchentreff «Ludicious» ist ein Versuch, die Ziele der Branche zu verwirklichen. Vielleicht wird dann schon bald ein Blockbuster aus der Schweiz in den Regalen stehen.

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Tomb Raider (2013): 100 Millionen Dollar Entwicklung- und Vermarktungskosten Im Action-Adventure-Spiel steuert der Spieler die Archäologin Lara Croft durch verschiedene Welten. Das Ziel des Spiels ist in den Levels die Rätsel zu lösen und Artefakte zu sammeln. Square Enix