Die Erfolgsgeschichte von Whatsapp ist eins mit der rasanten Verbreitung von Smartphones. Durch die einfache Handhabung und geringe Kosten verdrängt die App den zuvor beliebtesten Kurzmitteilungsdienst – die SMS. Jetzt geht Whatsapp einen Schritt weiter: Die App bietet bald eine Telefonfunktion.

Bereits im vergangen Jahr hat Whatsapp-Mitgründer Jan Koum die Erweiterung angekündigt, das war bevor Facebook das Unternehmen für 19 Milliarden Dollar kaufte. Nun melden einzelne Nutzer, dass sie mit der aktuellsten Whatsapp-Version auch telefonieren können. Es soll nicht bei einigen wenigen bleiben: «Whatsapp Calls» wird stufenweise freigeschaltet und bis Ende Jahr für alle Nutzer verfügbar sein.

Das Potenzial ist gross: Whatsapp wird derzeit jeden Monat von 700 Millionen Nutzern verwendet und übermittelt, gemäss Angaben von Koum – so kommt man offenbar auf 30 Milliarden Nachrichten pro Tag. Das sind fast 300 Millionen Nutzer mehr als im Januar 2014, und das Wachstum geht weiter.

Anschluss an die Konkurrenz

Bereits seit einigen Jahren bieten Programme wie Skype, Line oder Viber Online-Telefonie an. Einige Anbieter verknüpfen das Netz auch mit dem herkömmlichen Telefonnetzwerk und erlauben so Anrufe auf Festnetztelefone. Anders als bei der Konkurrenz zur SMS kann Whatsapp hier nicht mehr mit dem Kostenvorteil punkten. Skype zum Beispiel ist gratis, solange per Internet telefoniert wird. Whatsapp kostet dagegen eine jährliche Abo-Gebühr von rund einem Franken.

Eine Plus für Whatsapp wäre es, wenn die Gesprächsqualität überzeugen würde. Bei der Telefonie per Skype etwa leider immer wieder die Übertragung. Bisher ist aber noch nichts über die Gesprächsqualität der neuen Whatsappfunktion bekannt. Dennoch: Eine grosse Revolution dürfte dieses Mal ausbleiben.

Auch deshalb, weil viele Mobilfunknetzbetreiber  bereits vor Jahren ihre Abo-Modelle auf die veränderte Nutzungsgewohnheit bei Smartphones geändert haben. So bündeln die Netzbetreiber ihre Datenpakete mit teilweise sogar unlimitierten Freiminuten in die Schweizer Netze. Viele Nutzer haben sich an diese etablierten Lösungen gewöhnt und werden nur zögerlich wechseln. 

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