In den vergangenen Tagen hat Google seine Suchergebnisse mit einem weiteren Suchfeld ausgestattet. Wenn der Name einer unterstützen Webseite eingegeben wird, erscheint das Suchresultat mit der «Sitelinks Search Box». Es ist ein Kästchen, in dem sich die Webseite direkt durchsuchen lässt - ohne sie erst zu besuchen. Werbeexperten vermuten hinter der Änderung mehr als nur eine Vereinfachung für den Nutzer.

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

«Google möchte die Internetnutzer länger auf ihrer Seite behalten», schreibt Mary Weinstein, Expertin für Suchmaschinenwerbung von CPC Strategy. Dies ermöglicht es dem Konzern, mehr passende Werbung anzuzeigen und so die Inserateerlöse zu steigern. Zudem liefert das zusätzlich mehr Informationen über die Internetnutzer. 

Einnahmequelle und Marktposition

Werbeeinnahmen haben einen hohen Stellenwert für das Unternehmen aus Kalifornien. Im vergangenen Jahr stammt von 60 Milliarden Dollar Umsatz mehr als 90 Prozent aus Einnahmen aus dem Anzeigengeschäft. Kern davon sind Suchergebnisse, die Google zeigen, für was sich Nutzer interessieren. Weltweit laufen neun von zehn Internetsuchanfragen über Google. Je mehr Infos der Internetdienst dabei direkt anzeigt, desto mehr Nutzer bleiben auf seiner eigenen Seite. 

Das stellt einige Anbieter von Internetdiensten vor Probleme, so etwa Wetter.com. «Wir sehen diesen Eintritt sehr kritisch», sagt Geschäftsführer Christoph Kreuzer. Problematisch ist, dass sich die Suchmaschine mit marktbeherrschender Stellung, nicht an die eigenen Regeln, sprich den Suchalgorithmus hält. «Darüber hinaus kritisieren wir, dass Google im Falle der Wetter-Integration, sein Angebot nicht als solches kennzeichnet und somit der Eindruck entstehen kann, es handele sich um die Daten des am besten gelisteten Anbieters», fügt Kreuzer weiter an.

Wikipedia: Traffic um 17 Prozent eingebrochen

Veränderungen am Angebot von Google können die Nutzerzahlen von Portalen stark beeinflussen. Google Knowledge Graph ist eine Kurzübersicht, welche in den Suchergebnisse die Fakten über Suchanfrage darstellt. Eine Suche nach «Charles Chaplin» zeigt an der rechten Seite meist eine von Wikipedia stammende Zusammenfassung. Die Veränderung führte zu einer deutlichen Besucherrückgang. Jens Minor vom Google Watch Blog berichtet, dass der «Wikipedia-Traffic um 17 Prozent eingebrochen» ist.

Das ist für eine nichtkommerzielle Seite nicht schlimm, doch verliert das Portal so Besucher und damit auch potenzielle Autoren. Gewinnorientierte Anbieter wie etwa solche für Börsenkurse, Sportresultate, Kinoprogramme aber sind gefordert. Sie stehen plötzlich einem neuen Rivalen gegenüber - einem mit viel Geld, sehr viel Geld und noch mehr Macht.