Der britische Popsänger George Michael ist tot. Er sei an Weihnachten «friedlich bei sich zu Hause entschlafen», teilte sein Agent am Sonntag mit. Der Sänger und Komponist wurde 53 Jahre alt. Die Todesursache war zunächst unklar, sein Manager Michael Lippman sprach von Herzversagen.

Bekannt wurde Michael in den 80er Jahren mit dem Pop-Duo «Wham!», später startete er eine erfolgreiche Solokarriere. Im Laufe seiner fast 40-jährigen Karriere verkaufte er mehr als 100 Millionen Tonträger weltweit. Sein Sprecher bat im Namen der Familie, ihre Privatsphäre «in dieser schwierigen Zeit» zu respektieren. Es werde «zu diesem Zeitpunkt keine weiteren Kommentare geben».

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Obduktion soll Klarheit bringen

Wie der britische Rundfunksender BBC unter Berufung auf die Polizei berichtete, wurde am Sonntagnachmittag eine Ambulanz nach Goring in der südenglischen Grafschaft Oxfordshire etwa 90 Kilometer von London gerufen, wo Michael lebte. Die Polizei geht von einem ungeklärten Todesfall aus, sieht aber keine verdächtigen Umstände. Eine Obduktion soll Klarheit schaffen.

Michael, der mit wahren Namen Georgios Kyriacos Panagiotou hiess, kam im Juni 1963 als Sohn einer Britin und eines griechisch-zypriotischen Vaters in London zur Welt. Erste Erfolge feierte er mit dem Duo Wham!, das er gemeinsam mit seinem Schulfreund Andrew Ridgeley gründete. Zuvor machte er in der Londoner U-Bahn Musik.

«Last Christmas» war ein Superhit

Zu ihren Hits zählen bis heute «Last Christmas» sowie «Wake Me Up Before You Go-Go». Das Duo verkörperte mit seinem draufgängerischen Stil den Geist der 80er Jahre. 1985 durfte «Wham! » als erste westliche Band ein Konzert in China geben.

1987 startete Michael eine Solokarriere und landete gleich mit seinem ersten Album «Faith» einen Hit. Die gleichnamige Single verkaufte sich millionenfach. Es brauchte drei Jahre, bis er mit «Listen Without Prejudice Vol. 1» sein nächstes Album produzierte.

Probleme mit der Polizei

Persönliche Schicksalsschläge warfen George Michael in den 90er Jahren aus der Bahn: 1993 starb sein Lebenspartner Anselmo Feleppa, 1997 seine Mutter. Ein Jahr später machte er nach Problemen mit der Polizei in den USA seine Homosexualität auch öffentlich bekannt.

Er hatte sich einem Polizisten in Beverly Hills auf einer öffentlichen ‎Toilette, die als Schwulentreff bekannt war, «unsittlich» gezeigt. Das brachte ihm eine ‎Geldstrafe und 80 Sozialstunden ein. ‎Später sagte der Star, er wollte sich nicht outen, solange seine Mutter noch lebte.

Verurteilung wegen Drogenkonsum

In der Zeit begannen auch seine Drogenprobleme, 2010 wurde er sogar zu acht Wochen Haft verurteilt, weil er unter Drogen- und Medikamenteneinfluss seinen Wagen in ein Londoner Geschäft gerammt hatte.

Ein Jahr später wurde Michael wegen einer Lungenentzündung wochenlang in einem Spital in Wien behandelt. Später sagte er, er habe damals nur knapp überlebt. Seine Erfahrungen verarbeitete er im Lied «White Light», mit dem er auch bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele 2012 in London auftrat. 2013 löste ein schwerer Sturz aus seinem von einem Chauffeur gesteuerten Range Rover erneut Besorgnis aus.

«Dieses furchtbare Jahr»

In Interviews äusserte sich Michael offen zu seinen Problemen. Einmal sagte er dem «Guardian», die Leute sähen ihn wegen seiner sexuellen Vorlieben und seiner Drogenprobleme gerne als «tragisch» an; er glaube, seine Schwächen sorgten dafür, dass sie weniger neidisch auf ihn seien. «Ich selbst betrachte sie nicht mehr als Schwächen - das ist einfach, wie ich bin», fügte er hinzu.

Zuletzt arbeitete Michael gemeinsam mit dem britischen Produzenten Naughty Boy an einem neuen Album. Sein plötzlicher Tod sorgte bei Kollegen und Freunden für Bestürzung. Elton John schrieb auf Instagram, er habe einen geliebten Freund und einen brillanten Künstler verloren. «2016 - Verlust einer weiteren talentierten Seele. All unsere Liebe und unser Mitgefühl geht an George Michaels Familie», erklärte die Band Duran Duran auf Twitter.

«Furchtbares Jahr»

Der Sänger Martin Fry von der Band ABC twitterte: «Ich bin am Boden zerstört.» Der frühere BBC-Discjockey Tony Blackburn sagte, Michaels früher Tod sei kaum zu glauben: «Dieses furchtbare Jahr dauert weiter an.»

(sda/mbü)