Neue, unverbrauchte Manager braucht es in der Regel für einen Strategiewechsel, auch wenn dieser – wie bei der Grossbank Credit Suisse 2015 – vor dem Chefwechsel noch nicht öffentlich kommuniziert worden ist. Pensionierungen wie 2015 bei der Immobiliengesellschaft Swiss Prime Site, beim Snackhersteller Zweifel Pomy-Chips oder bei der Raiffeisen-Bankengruppe sind eher selten.

Aber Übernahmen, insbesondere geplatzte, besitzen Sprengkraft, wie die fehlgeschlagene Akquisition des britischen Versicherers RSA durch den Versicherungskonzern Zurich oder die abgewiesene Offerte des US-Rivalen Monsanto durch Syngenta gezeigt haben. Beteuerungen der abtretenden Chefs und der Unternehmen zum trotz weichen diese dem der Druck der «Finanzgemeinde».

Gefallener Zementkönig

Überraschend ist es allerdings, wenn kaum drei Monate nach der Fusion ein Spitzenmanager seinen Sessel räumen muss, wie Finanzchef Thomas Aebischer nach der Fusion der Zementriesen Lafarge und Holcim.

Aebischer werde neue Herausforderungen ausserhalb der Gruppe wahrnehmen und solche Wechsel seien in einer Umbauphase üblich, teilte der fusionierte Konzern mit. Der Wechsel nach vier Jahren in der Geschäftsleitung löst dennoch in der Branche Erstaunen aus.

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Adieu Andsjö

Ein dreiviertel Jahr nach dem Besitzerwechsel kam es beim Mobilfunkanbieter Salt (ehemals Orange) zu einem unerwarteten Abgang. Salt-Chef Johan Andsjö verliess den Telekomkonzern ohne Angabe von Gründen. Erstaunlicherweise verzichtete der Arbeitgeber zum Abschied auf die üblichen, warmen Worte des Dankes.

Diesem Rücktritt vorangegangen war bereits ein wahrer Exodus im Salt-Management. Vier von sieben Spitzenmanagern gingen freiwillig. Es handle sich nicht um einen Rauswurf, hiess es vom Unternehmen.

Kurzes Gastspiel an der Kuoni-Spitze

Nach einem kurzen Gastspiel an der Kuoni-Spitze musste Peter Meier den Hut nehmen, fünf Monate nach dem Verkauf des klassischen Reisegeschäfts an den deutschen Rewe-Konzern. Der vormalige Kuoni-Finanzchef hatte die operative Führung erst im März 2014 überraschend übernommen. Wie in solchen Fällen üblich begründete Verwaltungsratspräsident Heinz Karrer den Abgang nicht.

Auch hier war der Rücktritt kein Einzelfall: Im August hatte bereits Kuoni-Finanzchef Thomas Peyer sein Ausscheiden für das erste Halbjahr 2016 angekündigt. Anfang November hiess es dann aber Peyer werde bereits auf Anfang 2016 gehen. Mit dem Verkauf des Reisegeschäfts verlieren 350 Beschäftigte ihre Arbeit.

Umbau bei Sulzer

Völlig überraschend war insbesondere der Zeitpunkt der Ankündigung des Rücktritts von Klaus Stahlmann als Sulzer-Chef während der Börsen-Handelszeiten. Stahlmann sucht laut offizieller Mitteilung «andere Möglichkeiten ausserhalb von Sulzer». Gerüchten zufolge hatten sich die Interessen von Stahlmann und dem grössten Sulzer-Aktionär Renova seit einiger Zeit voneinander weg bewegt.

Zu einer mehr als ungewöhnlichen Art von Kommunikation griff Anfang Dezember Calida-Chef Felix Sulzberger. In einem Zeitungsinterview kündigte er den Rücktritt nach 14 Jahren auf Ende 2016 an. Zwei Wochen später wird sein Abgang auf April 2016 offiziell mit Meinungsverschiedenheiten zwischen CEO und Verwaltungsrat respektive Hauptaktionär begründet.

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Räumung bei AFG

Keine Seltenheit sind abrupte Wechsel beim Ostschweizer Bauausrüster AFG. Im Februar 2014 hatte bereits der damalige Chef Daniel Frutig unerwartet den Rücktritt erklärt. Im Sommer verabschiedete sich nun dessen Nachfolger William Christensen nach nur acht Monaten.

AFG liess unmissverständlich verlauten, «der gesamte Verwaltungsrat und Herr Christensen waren unterschiedlicher Auffassung, in welcher Art und Weise die AFG geführt werden soll». Zwei Monate später entschied sich auch der Leiter der AFG-Division Gebäudehülle, Roman Hänggi, zurückzutreten.

Ein Wechsel kommt selten allein

Auffallend oft gehen Konzern- und Finanzchef fast gleichzeitig. Neben Kuoni und Adecco war dies im vergangenen Jahr auch bei Transocean der Fall. Ohne Angabe von Gründen und ohne Vorwarnung ist Steven Newman als Chef von Transocean zurückgetreten. Newman habe den Ölbohrkonzern in den letzten fünf Jahren «kompetent geleitet» und «aussergewöhnliche Führungsqualitäten» bewiesen in der «herausfordernsten Zeit der Firmengeschichte» nach dem Brand auf der Plattform Deepwater Horizon, hiess es lediglich vom Unternehmen.

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Der Abgang des CEO wurde von Analysten mit gemischten Gefühlen betrachtet. Gut ein Vierteljahr später trennte sich Transocean im gegenseitigen Einvernehmen und erneut ohne Gründe zu nennen, von Finanzchef Esa Ikäheimonen. Ikäheimonen hatte zuvor wiederholt rote Zahlen präsentieren müssen.

Adecco im Machtvakuum

Ebenfalls zu einem Doppelwechsel an der Führungsspitze kam es unerwartet beim weltgrössten Personalvermittler Adecco. Konzernchef Patrick De Maeseneire und Finanzchef Dominik de Daniel warfen das Handtuch – der erste, weil er offenbar im Alter von 58 nochmals was Neues anfangen will, der zweite, weil er nicht zum CEO befördert wurde.

Verwaltungsratspräsident Rolf Dörig bedauerte die Rücktritte. Differenzen mit dem Verwaltungsrat oder Uneinigkeit über die Strategie gebe es nicht, betonten die Adecco-Manager.

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Bucher baut um

Dass der Leistungsausweis aufgrund eines starken Umsatz- und Gewinnrückganges im ersten Halbjahr beim Maschinenbauer Bucher Industries nicht mehr stimmte, dürfte für den unerwarteten Abgang von Michael Häusermann, Konzernleitungsmitglied und Leiter der Division Bucher Municipal, nach 15 Jahren verantwortlich sein.

Jacques Sanche, der eigentlich erst im April 2016 neuer Bucher-Konzernchef hätte werden sollen, trat in der Folge bereits Anfang September, drei Monate früher als geplant, sein Einführungsprogramm an. Der Sesselwechsel von Philip Mosimann zu Sanche war im Dezember 2014 angekündigt worden.

Positiver Leistungsausweis

Nicht abgezeichnet hat sich der Rücktritt des erst 49-jährigen Baloise-Chefs Martin Strobel. Strobel führte persönliche Gründe und nach 17 Jahren Unternehmenszugehörigkeit, davon 13 Jahren in der Konzernführung, den Wunsch nach einer beruflichen Veränderung an. Unter Strobel wurde der Versicherer laut Verwaltungsratspräsident Andreas Burckhardt einer der rentabelsten Europas.

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Der gute Leistungsausweis bei der Fluggesellschaft Swiss hat deren Chef Harry Hohmeister für höhere Aufgaben im Lufthansa-Konzern empfohlen. Hohmeister kehrt 2015 nach sechs Jahren, wie er erklärte, «nicht geplant», zum Mutterkonzern zurück. Bereits sein Vorgänger bei der Swiss, der nachmalige Lufthansa-Konzernchef Christoph Franz, hatte ein ähnlich langes Intermezzo bei der Swiss.

(sda/ise)