Edward L. Bernays hätte an der Nationalbank-Affäre seine helle Freude gehabt. Der Österreicher liebte die grossen Intrigen. So half er in den 50er-Jahren der United Fruit Company, in Guatemala die lästige Linksregierung durch einen gewaltsamen Sturz loszuwerden – mittels knallharter Propaganda-Aktionen.

Bernays gilt als Vater der modernen Public Relations. Die Manipulation der öffentlichen Meinung machte ihn wohlhabend. Das schafft bald auch so mancher seiner Schweizer Jünger. Es ist zwar nicht bekannt, wie viel der PR-Mann für die Betreuung von Ex-Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand kassierte. Aber das Honorar dürfte nicht bescheiden gewesen sein. 

Da floss freilich viel Geld für nichts. Hildebrand ist seinen Job los, das Image der Nationalbank lädiert. Der vollständige Mailverkehr  zu den fragwürdigen Devisentransaktionen wurde nicht auf einen Schlag offengelegt. Stattdessen kam die Wahrheit in Raten ans Tageslicht. Eine solche Strategie scheitert zwangsläufig.

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Personell ausgedünnte 
Redaktionen dienen als Einfallstor

Professionell begleitete Bruchlandungen gab es schon häufig. Daraus gelernt haben die Auftraggeber jedoch selten. Beinahe wöchentlich heuern Unternehmen PR-Berater für teures Geld an. Die Firmenchefs wollen in den Medien im gewünschten Licht dastehen. Ihren hochbezahlten Presseabteilungen trauen sie den Job offenbar nicht zu.

Das Gros der PR-Agenturen betreibt ihr Geschäft relativ zurückhaltend. Man vermittelt etwa dezent nützliche Kontakte. Ein kleiner Kreis schmerzfreier Spindoctors geht dagegen gerne deutlich weiter. Personell ausgedünnte Redaktionen dienen als Einfallstore. Getarnt als exklusive Meldung findet die trojanische Botschaft dort oft einen Abnehmer. Manchmal werden gar ganze Dossiers samt vertraulichen Bankunterlagen wie Tiefkühlpizzas angeliefert. Das Material muss nur in den Redaktionsofen geschoben werden – fertig ist die Investigativgeschichte. 

Verweigern sich die Journalisten dieser  bequemen Symbiose, geschehen mitunter seltsame Dinge. Die Meinungssöldner gehen abrupt zum Angriff über. Sie versuchen Recherchen zu verhindern oder falsche Fährten zu legen. 

Ihr Waffenarsenal kennt kaum Grenzen.  Phantasieszenarien über unkontrollierbare Kursstürze der betroffenen Unternehmung dienen der Einschüchterung. Gesprächspartner ziehen Interviewzusagen kurzfristig zurück. Chefredaktoren müssen sich von Ex-Journalisten Vorträge über guten Journalismus -anhören. Und die Drohung mit der superprovisorischen Verfügung gehört sowieso zum Standardrepertoire.

Nachhaltige Öffentlichkeitsarbeit verzichtet auf Blendgranaten

Renitente Wiederholungstäter kommen in den Genuss von Spezialbehandlungen. Wahlweise redet man ihnen in noblen Restaurants ins Gewissen oder lädt sie in hell ausgeleuchtete Sitzungszimmer zum Tribunal. Dabei wird dem Betroffenen versichert, man habe für ihn nur das Beste im Sinn. Selbstverständlich würde man nie Teile der Wahrheit verschweigen oder gar moralisch fragwürdige Mandanten vertreten. Der Schwiegersohn des Diktators sei eine bedauerliche Ausnahme gewesen.

So mancher Unternehmenschef sollte sich fragen, ob die Methoden seiner Auftragsagenten noch zeitgemäss sind. Zwar kann sich der eine oder andere Spindoctor damit brüsten, dass er den Medien Halbwahrheiten unterjubeln konnte. Doch eine nachhaltige  und vor allem glaubwürdige Öffentlichkeitsarbeit verzichtet auf Blendgranaten und Nebelkerzen.

PR-Pionier Bernays war übrigens der Neffe von Pyschoanalytiker Sigmund Freud. Der Fluch von Onkel Siggi wirkt bis heute. Oder sollten einfach mal alle Beteiligten auf die Couch? 

Lesen Sie mehr zum Thema im Schwerpunkt der neuen Ausgabe der «Handelszeitung», ab Donnerstag am Kiosk.