Die meisten Schweizer Unternehmen beantworten die Frage, ob die Akzeptanz der Ausbildung zum Master of Business Administration (MBA) infolge der Wirtschaftskrise zu- oder abgenommen hat, ähnlich - nämlich mit «weder noch». Die Wertschätzung ist meist weiterhin hoch, nur wenige streuen skeptische Antworten ein. Da ist etwa die Rede von der Gefahr, dass ein MBA-Abschluss zu einem hyperinflationären Allerweltstitel degenerieren könne, wozu die MBA-Industrie mit ihrer Titelschwemme beigetragen habe.

Diese Ansicht vertritt etwa Armin Haas, Head of Human Resources von KPMG Schweiz, und doppelt nach: «Die Bedeutung innerhalb von KPMG ist gleich bleibend tief geblieben.» Doch werde bei MBA-Weiterbildungswünschen situativ entschieden.

Einig sind sich alle Firmen, dass eine MBA-Ausbildung grundsätzlich in direktem Zusammenhang mit der aktuellen und künftigen Aufgabenstellung im Betrieb stehen soll. «Die Ausbildung muss Sinn machen für den Mitarbeiter und für unser Unternehmen», betont Armin Haas. Ähnlich bewertet es Martin Somogyi, Media Relations bei Julius Bär. Dies gelte in der Privatbank insbesondere für Mitarbeitende, die gemäss Karriereplanung in eine Funktion hineinwachsen sollen, in der ein MBA ein üblicher Ausbildungsstandard ist. Julius Bär führt gar eine Liste mit bevorzugten Anbietern, die für die Unterstützung durch die Privatbank verbindlich ist.

MBA allein kanns nicht sein

Bei Roland Berger Strategy Consultants in Zürich macht Partner Matthias Hanke deutlich, dass gute Leistungen des Mitarbeitenden und die gemeinsame Agenda über die kommenden drei bis fünf Jahre Voraussetzung sind für eine positive Antwort auf den MBA-Wunsch. Vorausgesetzt natürlich, dass die Wahl auf eine Institution von sehr guter Reputation fällt. Die Auswahl leitet jedoch der Kandidat selbst ein. Für den Karrieresprung sei der MBA jedoch kein Muss, betont Hanke: «Die gleiche Karriere kann man auch ohne MBA schaffen.»

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Peter Keller, Personalverantwortlicher bei Coop in Basel, erklärt: «Anfragen werden dann positiv behandelt, wenn im Rahmen des Management Development bei einer Kandidatin oder einem Kandidaten ein noch fehlender Ausbildungsteil durch ein MBA geschaffen werden kann. Im Normalfall ist aber damit kein Karrieresprung verbunden.» Bei Coop arbeiten schätzungsweise 20 bis 30 Mitarbeitende mit einem MBA-Titel.

Dirk Schmidt, Director Strategy & Communications bei der DZ Privatbank Schweiz, hält grundsätzlich ein MBA-Programm eher für Nicht-Wirtschaftswissenschaftler für sinnvoll, zum Beispiel für Techniker oder Ingenieure, die im Projekt- oder Prozessmanagement einer Bank tätig sind. Im Einzelfall achtet die DZ Privatbank sowohl auf Commitment und Engagement als auch auf Entwicklungspotenzial. «Wenn beides gegeben ist und wir eine hinreichende Verknüpfung zur Tätigkeit erkennen, votieren wir Anträge positiv. Der Mitarbeitende hat aber stets einen nicht unerheblichen zeitlichen und finanziellen Eigenbeitrag zu leisten und bindet sich über eine Ausbildungsvereinbarung zeitlich an unser Haus», betont Schmidt.

In den vergangenen drei Jahren hat die DZ Privatbank Schweiz drei MBA-Ausbildungen unterstützt: Am Swiss Finance Institute, an der Harvard Business School (USA) sowie an der Nyenrode Business Universiteit (Niederlande). Insgesamt führen sechs Mitarbeiter einen MBA-Titel.

Im Namen der Kudelski Group erklärt Daniel Herrera, Head of Corporate Communications: «Wir anerkennen, dass ein MBA enormen Wert in die richtige Umgebung, zur richtigen Zeit und für den richtigen Manager bringt. Da wir aber primär ein Unternehmen mit Schwerpunkt auf Ingenieurwissenschaften sind, bevorzugen wir Inhouse Trainings.» MBA-Weiterbildung unterstützte man nur in Einzelfällen.

Wenig Einfluss auf die Schulwahl

In der DZ Privatbank Schweiz wird bei der Wahl auf Inhalt und Programm Wert gelegt. Der Ruf der Schule spielt eine grosse Rolle. Auch der Standort wird diskutiert, andere Städte und ferne Länder verteuern das Studium. Dazu kommen Kosten für Sprachunterricht, eine Anforderung, die eine grosse Rolle spielt.

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Für das MBA-Programm arbeitet IBM Switzerland mit verschiedenen internationalen Universitäten zusammen, aber nur mit solchen, die erstklassige Ausbildungsgänge bieten, so Sebastian Drews von den Media Relations. Die Qualität wird regelmässig überprüft und die Unterrichtsform bestmöglich den Anforderungen an ein berufsbegleitendes Studium angepasst. IBM-Mitarbeitende haben aber auch die Möglichkeit, selbst Institutionen auszuwählen. Diese Studiengänge unterstützt der Konzern mit einem Beitrag an die Studiengebühren.

Bei BMW Schweiz hat die Bedeutung einer MBA-Ausbildung in den vergangenen Jahren zugenommen, betont Monica Rey, Leiterin Personal. Das Unternehmen nimmt jedoch keinen Einfluss auf die Wahl. Anders bei der Vontobel-Gruppe: Die Privatbank spricht bei der Wahl einer Schule mit und verlangt, dass nur renommierte Institute berücksichtigt werden, so Tresa Capaul, Ausbildungsverantwortliche.

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Bei Microsoft Switzerland erklärt René Villiger, Head of Human Resources, den Standpunkt wie folgt: Ein MBA alleine sei nicht entscheidend für einen Karrieresprung, sondern entsprechende Leistungen und Fähigkeiten würden vorausgesetzt. Auf die Wahl der Business School nehme Microsoft nur einen sehr geringen Einfluss, weil die Ausprägung der Entwicklungsziele sehr individuell sei. Dementsprechend versucht das Unternehmen, die Vielfalt der Angebote auf dem Markt dahingehend zu nutzen.

Frauen erhalten keinen Bonus

Werden Frauen, die einen MBA planen, von den Unternehmen speziell unterstützt? Eventuell auch finanziell, weil sie ja weiterhin einiges weniger verdienen als Männer und oft trotz Berufstätigkeit die Hauptlast für die Familie tragen? Die Antworten der Befragten ähneln sich: Frauen mit einem MBA-Wunsch haben die gleichen Chancen wie Männer. «Das Geschlecht spielt bei Hilti weder bei der Karriereplanung noch bei Art und Ausmass der Unterstützung eine Rolle», betont Annette Tschofen, Consultant Corporate Communications bei Hilti.

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«Geschlechtsunabhängig» entscheiden ebenfalls BMW Schweiz und die DZ Privatbank Schweiz. Dasselbe ist auch bei Microsoft Switzerland Praxis, die gemäss ihrer Diversity-Strategie jedoch flexible Arbeitsformen anbietet. Auch IBM Switzerland bearbeitet die Anfragen von Frauen gleich - bewertet wird Performance und Potenzial. Der IBM-Konzern wurde jedoch weltweit in die Top Ten des Magazins «Working Mothers» gewählt, weil er seine Mitarbeitenden dabei unterstützt, Beruf und Familie miteinander vereinbaren zu können.