Wirtschaftlich ambitionierte Frauen könnten hierzulande schon längst das Handtuch werfen. Trotz jahrzehntelangem Kampf verharrt der Anteil der weiblichen CEO in den Schweizer Konzernen im tiefen einstelligen Prozentbereich. Zwar sind Politikerinnen, Doktorandinnen und Ärztinnen häufig in der Überzahl, doch der Marsch an die Firmenspitze erweist sich als sperrig.

Noch bevor ein Dutzend Vorzeigechefinnen ihre Eignung belegen, ertönen gehässige Voten von rechts und links. Die einen erklären sich des Themas überdrüssig, andere rufen die Mütter direkt an den Herd zurück. Misserfolgsgeschichten einzelner Kaderfrauen werden hochgespielt. Der Streit um die Quote entzweit sogar die Frauen, die sich oft wenig solidarisch zeigen. Die traditionelle Rollenteilung kommt laut Soziologen gerade wieder in Mode.

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Doch der Dauerbrenner Frauen und Karriere wird in immer neuen Variationen gespielt, lauter und eindringlicher. Dank dem wirtschaftlichen Argument, Diversität bringe einen messbaren Mehrwert, ist er auch bei den Unternehmern angekommen. «Gemischte Teams erbringen bessere Leistungen», zitiert der Schweizerische Arbeitgeberverband aus seiner jüngsten Umfrage unter Verwaltungsratspräsidenten. Wirklich? Vor wenigen Jahren hätte eine solche Aussage denselben Akteuren bloss ein müdes Lächeln entlockt. Eine zweite wichtige Schiene fahren die ersten Männer, welche erkannt haben, dass Gleichberechtigung beide Geschlechter angeht. Sie kämpfen zurzeit politisch und juristisch für einen Vaterschaftsurlaub. Mehr teilzeitarbeitende Väter zuhause – das ist zukunftsweisend.

Das Gros der Frauen werde sich nie in hierarchische Systeme zwängen, sagen manche. Nichts muss bleiben, wie es ist, widerspricht der amerikanische Unternehmensberater John Gerzema. In seinem Buch «The Athena Doctrine» zeigt er, dass eine Mehrheit von Befragten weltweit genug hat von männlich dominierten Strukturen. Weibliche Empathie sorge für Innovation. Sensibilität für andere sei ein Katalysator für ihre Kreativität. Ein neues Paradigma für Führungsqualität sei gefordert.

An den Vorreitern in Amerika und Nordeuropa mag sich die Schweiz nicht orientieren. Sind wir zu stolz oder zu träge? Vielleicht will die Wirtschaft ihre Spielregeln schlicht lieber selber modernisieren. Daher liegt es nahe, dass der Schweizerische Arbeitgeberverband den regulatorischen Weg via Quoten ablehnt und den Ball den Unternehmern zuspielt. Dass er nun in Betracht zieht, eine stärkere Frauenvertretung im Verwaltungsrat zur «Best Practice» zu erklären – das ist das Beste, was er für karrierefreudige Frauen tun kann.

Auf dem Bild:
Isabelle C. Nüssli (Nüssli Unternehmensgruppe), Petra Jenner (Microsoft Schweiz), Annette Stoffel (asCons – Beratung, Bildung und Coaching), Barbara Rigassi und Michèle Etienne (beide GetDiversity) sowie Sita Mazumder (Institut für Finanzdienstleistungen Zug und Women’s Business). (von oben links im Uhrzeigersinn)