Andy Rihs ist gestorben. Der Tod des 75-Jährigen kommt nicht überraschend. Schon lange war Rihs' schwere Krebserkrankung bekannt. Der Zeitpunkt der Nachricht wirkt dennoch tragisch. Der Ex-Patron des Hörgeräteherstellers Sonova stirbt, während der Fussballclub YB im Begriff ist, Schweizer Meister zu werden. Bereits am 28. April könnte YB sich den Titel sichern. An diesem Erfolg hat Rihs grossen Anteil gehabt. Er und sein Bruder haben als Investoren dem Club auch in schwierigen Jahren die Treue gehalten.

Hier folgt ein Überblick über Rihs' Engagement bei YB – und weitere Erfolge und Tiefpunkte aus dem Leben des schillernden Unternehmers.

YBs Chance auf den Meistertitel
Rihs stieg kurz vor der Eröffnung des Berner «Stade de Suisse» ins Fussballgeschäft ein. Er und sein Bruder Hans-Ueli wurden über ihre Beteiligung an der Sport & Event Holding zu den Mehrheitsaktionären von YB und dem Fussballstadion. Über die Jahre investierten die Rihs' Dutzende von Millionen Franken in den Club.

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Lange zahlte sich das kostspielige Engagement nicht wirklich aus. Immer wieder machte YB mit Problemen Schlagzeilen, grosse sportliche Erfolge blieben aus. In den letzten Jahren hatten die Rihs’ genug. Sie liebäugelten offen mit einem Ausstieg. «Am liebsten wäre mir, wenn eine Berner Investorengruppe anklopfte», sagte Rihs 2014 der «Handelszeitung». Doch offenbar liess sich niemand finden, der den Brüdern ihr Paket abkaufen wollte. Andy Rihs hielt am Engagement fest – und schuf damit die Voraussetzungen für YBs Erfolgsserie in diesem Jahr.

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Andy Rihs und sein Bruder Hans-Ueli: Sie investierten viel Geld in den BSCYB.

Quelle: Keystone

Die schwierige Liebe zum Radsport
Fussball war nicht Andy Rihs erste Leidenschaft. Seine Passion galt dem Radsport - als Sportler, Unternehmer und Mäzen. Milliardär Rihs leistete sich ein eigenes Profiteam. Mit seinem Radrennstall Phonak träumte Rihs in den 2000er-Jahren davon, die Tour de France zu gewinnen. Der Geldgeber liess sich auch nicht durch Doping-Fälle stoppen, die einige seiner Fahrer zum Rücktritt zwangen. 2006 folgte der Triumph – der sich als Rihs' grösste Niederlage ausserhalb des Geschäftslebens herausstellte: Phonak-Fahrer Floyd Landis gewann die Tour de France – und wurde dann des Dopings überführt. Rihs musste die Konsequenzen ziehen, löste seinen Radrennstall auf und zog sich vorübergehend aus dem Profisport zurück.

Der Abschied vom Velozirkus dauerte nur kurz. 2009 startete er sein BMC Racing Team. Auch mit dieser Equipe gewann Rihs die Tour de France. Seine Leidenschaft für das Velo beschränkt sich nicht auf sein Mäzenatentum. Rihs spulte jeden Tag Dutzende von Kilometern auf dem Fahrrad ab, als Unternehmer besass er den Grenchner Hersteller BMC.

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Rihs und Floyd Landis: Der US-Radrennfahrer gewann mit Hilfe von Medikamenten die Tour de France.

Quelle: Keystone Images

Der unrühmliche Abgang von der Konzernspitze
Rihs' Wirken bei Sonova ist eine Erfolgsgeschichte – die allerdings durch einen Skandal getrübt wird. 1966 stieg Rihs beim Unternehmen seines Vaters ein. «Der Laden war in einem desolaten Zustand», erzählte er der «Handelszeitung» vor einigen Jahren. Gemeinsam mit seinem Bruder Hans-Ueli und Partner Beda Diethelm machte er aus dem kleinen Betrieb vom Zürichsee den weltweit führenden Hörgerätehersteller. «Wir mussten uns immer neu erfinden – faktisch waren wir ein paar Mal pleite», so Rhis.

2002 gab er den Chefposten ab, blieb aber Präsident. Unter Nachfolger Valentin Chapero wuchs Sonova noch stärker. Aus dem Unternehmen mit 20 Millionen Franken Umsatz im Jahr 1980 war ein Milliardenkonzern geworden. Dann folgte der grosse Bruch in Rihs' Karriere. CEO Chapero und der Finanzchef des Konzerns mussten wegen eines Insiderskandals die Posten abgeben. Die Spitzenmanager und weitere Topkader hatten kurz vor einer Gewinnwarnung Aktien verkauft. Auch Rihs hatte Titel abgestossen, bevor der Konzern seine Prognose senkte. Unter grossem öffentlichen Druck gab Rihs das Präsidium ab. Er blieb aber im Verwaltungsrat. Als er sich 2015 endgültig aus der Leitung zurückzog, war der Karriereknick in der Öffentlichkeit schon fast vergessen.

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Der Kampf mit der Kartellbehörde

Noch unter Präsident Andy Rihs widerfuhr Sonova der vielleicht grössten Rückschlag in der Konzerngeschichte. Der Hörgerätehersteller wollte 2007 den dänischen Konkurrenten Resound übernehmen. Mit dem Deal im Umfang von zwei Milliarden Euro wäre Sonova zum neuen Weltmarktführer aufgestiegen. Doch dann legte die deutsche Kartellbehörde ihr Veto ein. «Volkommen verfehlt» sei der Entscheid der Wettbewerbshüter, sagte der damalige Sonova-Chef Valentin Chapero.

Sonova liess sich durch die geplatzte Übernahme aber nicht stoppen. 2016 machte der Zürcher Konzern einen ähnlich grossen Zukauf mit der Übernahme der niederländischen AudioNova für 830 Millionen Euro. Diesmal hatten die Wettbewerbsbehörden keine Bedenken. Zu diesem Zeitpunkt war Rihs zwar schon nicht mehr im Verwaltungsrat. Als Grossaktionär profitierte aber auch der Milliardär vom erfolgreichen Deal.

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